ATHEN

Syriza gewinnt in Griechenland

Griechenland steht vor einer politischen Wachablösung – und vor einem möglicherweise historischen Kurswechsel: Das Bündnis der radikalen Linken (Syriza) ist aus der Wahl vom Sonntag als klarer Sieger hervorgegangen.

Offen war zunächst aber, ob sich Syriza-Chef Alexis Tsipras im neuen Parlament auf eine absolute Mehrheit stützen kann oder einen Koalitionspartner braucht, um die nächste Regierung zu bilden.

Nach Auszählung von knapp 30 Prozent der abgegebenen Stimmen kam Syriza am Sonntagabend auf 36,5 Prozent. Da das griechische Wahlrecht die stärkste Partei mit einem Bonus von 50 Sitzen belohnt, würde das nach Hochrechnungen für 149 bis 151 der 300 Parlamentsmandate reichen. Klarheit über die Sitzverteilung erwarteten Wahlforscher aber erst für den frühen Montagmorgen.

Die konservative Nea Dimokratia (ND) des bisherigen Ministerpräsidenten Antonis Samaras landete mit 27,7 Prozent deutlich abgeschlagen auf Platz zwei.

Drittstärkste Partei wurde den Hochrechnungen zufolge die Neonazi-Gruppierung Goldene Morgenröte mit 6,3 Prozent. Platz vier belegt die im vergangenen Jahr neu gegründete pro-europäische Mitte-Links-Partei To Potami (Der Fluss). Insgesamt können sieben Parteien damit rechnen, im nächsten Parlament vertreten zu sein. In Griechenland gilt eine Dreiprozenthürde.

Braucht Syriza einen Koalitionspartner, käme für diese Rolle vor allem To Potami infrage. Tsipras müsste in diesem Fall aber bei seine radikalen Thesen deutliche Abstriche machen. Eine Koalition käme dem Syriza-Chef aber vielleicht gar nicht so ungelegen, weil er dann den linksextremen, europafeindlichen Flügel seiner Partei besser in Schach halten könnte.

Am Syriza-Wahlzentrum auf dem Athener Klathmonos-Platz versammelten sich nach Bekanntgabe der ersten Prognosen Tausende Anhänger der Partei. Sie schwenkten Fahnen, stimmen Lieder und Sprechchöre an und tanzten zur Lautsprechermusik.

Syriza-Chef Tsipras war bereits an der Wahlurne siegessicher. Er sprach bei der Stimmabgabe von einem „historischen Tag“ und der „Rückkehr der Hoffnung“ für Griechenland. Der amtierende konservative Ministerpräsident Antonis Samaras hoffte zwar bis zuletzt, dass die Stimmen unentschlossener Wähler seiner konservativen Nea Dimokratia (ND) vielleicht doch zu einer Mehrheit verhelfen könnten – vergeblich.

Die Wahl galt als Weichenstellung für die Zukunft des hoch verschuldeten Landes. Syriza-Chef Tsipras verspricht zwar, das Land in der Euro-Zone halten zu wollen. Das möchten laut Umfragen auch drei von vier Griechen. Tsipras lehnt die Auflagen der öffentlichen Geldgeber, die sein Land seit 2010 mit Hilfskrediten von rund 230 Milliarden Euro stützen, ab. Er will den Sparkurs beenden, Renten und Mindestlöhne erhöhen und vor allem die Arbeitsmarktreformen zurückdrehen. Ein Konflikt mit den Gläubigern könnte dazu führen, dass Griechenland die Währungsunion verlassen muss.

In den vergangenen Wochen hat Tsipras seine extremen Positionen allerdings bereits deutlich abgemildert. Während er zunächst versprach, er werde die Kreditverträge noch in der Wahlnacht „zerreißen“, kündigt er nun „Verhandlungen“ an.

-> Politik Seite 5
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