Schweinfurt

Main: Schifffahrtsverwaltung will effektiver sein

Aus zwei mach eins: Die Wasserstraßenämter Schweinfurt und Aschaffenburg wurden am Montag zusammengelegt. Was das für die Schifffahrt auf dem Main zu bedeuten hat.
Die Güterschiffe auf dem Main – hier in Würzburg – werden weniger, dafür schwerer. Um den Flussverkehr besser steuern zu können, wurden jetzt die Wasserstraßenämter Aschaffenburg und Schweinfurt zusammengelegt.
Foto: Silvia Gralla | Die Güterschiffe auf dem Main – hier in Würzburg – werden weniger, dafür schwerer. Um den Flussverkehr besser steuern zu können, wurden jetzt die Wasserstraßenämter Aschaffenburg und Schweinfurt zusammengelegt.

Der Main als Fernstraße der Schiffe wandelt sich seit Jahren deutlich: Hat sich die Zahl der Güterschiffe stellenweise halbiert, sind dort heute mitunter viermal so viele Kreuzfahrtschiffe unterwegs wie zum Beispiel vor 20 Jahren. Der Main ist – zumindest abseits der Corona-Zeiten – zur Autobahn der Flusstouristen geworden.

Um diesem Wandel gerecht zu werden, hat sich die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) des Bundes seit 2013 einer Reform unterzogen. Am Montag fand sie ihren Abschluss: Die bisher unabhängigen Dienststellen Schweinfurt und Aschaffenburg wurden zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Main (WSA) zusammengelegt.

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Die Reform sah vor, aus den bundesweit 39 Ämtern 17 zu machen. So werde die WSV effektiver , sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Montag bei der Eröffnung des neuen WSA in Aschaffenburg.

Dort und am bisherigen WSA-Standort in Schweinfurt arbeiten nach Behördenangaben insgesamt 700 Menschen. Beide Niederlassungen bleiben erhalten. Effektiveres Arbeiten ergebe sich jetzt zum Beispiel dadurch, dass nun gemeinsame Arbeitsgruppen aus Aschaffenburger und Schweinfurter Personal gebildet werden können, hieß es am Montag.

Für was das neue Amt auf dem Main zuständig ist

Das WSA Main ist für die 388 Flusskilometer zwischen Bamberg und der Mündung in den Rhein bei Mainz zuständig. Zusammen mit dem Rhein, dem Main-Donau-Kanal und der Donau ist der Main eine internationale Schiffsverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer.

Vor allem die Ertüchtigung der 34 Main-Schleusen sahen Minister Scheuer und die Behördenvertreter am Montag als vorrangige Aufgabe des neuen WSA an. Sie müssten "verlässlich betrieben werden", um noch mehr Verkehr aufs Wasser zu bekommen, sagte WSA-Leiter Jörg Huber. Er hat diese Funktion mit der Zusammenlegung der Ämter Aschaffenburg und Schweinfurt übernommen.

Welche Rolle der Mainausbau spielt 

Huber war nach Behördenangaben zuvor in leitender Position bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn sowie bei Wasserschifffahrtsämtern in Freiburg und Heidelberg beschäftigt. Zuständig ist das neue WSA auch für die acht Leitzentralen, von denen aus die Schleusen und Wehranlagen des Mains gesteuert werden.

Um den Fluss fit zu machen für immer größere und schwerere Güterschiffe, wird er seit mehr als 20 Jahren verbreitert und tiefer gemacht. Dieser Mainausbau ist immer wieder von Protesten der Bevölkerung begleitet worden, weil es Kritik an den Eingriffen in die Natur sowie an der Belästigung von Anrainerorten durch den Baustellenverkehr gab.

Im Juli 2020 wurde der Ausbau zwischen den Staustufen Schweinfurt und Ottendorf (Lkr. Haßberge) abgeschlossen. Bis 2025 soll der Fluss nach Plänen des ebenfalls dem WSV angegliederten Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg auf kompletter Länge bis Bamberg von 2,5 auf 2,9 Meter vertieft und von 36 auf bis zu 40 Meter verbreitert sein. Geschätzte Kosten des Mainausbaus: insgesamt 150 Millionen Euro.

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Doch noch nicht mal fertig, könnte schon der Ausbau des Ausbaus folgen: Mitte 2019 wurde bekannt, dass der Main für die Schifffahrt noch tiefer und breiter werden soll. So jedenfalls steht es als "vordringlicher Bedarf" im Bundesverkehrswegeplan. Allerdings nur für die 84 Flusskilometer zwischen Mainz und Aschaffenburg. Der Güterumschlag in den Häfen dieses Abschnitts zeigt: Er ist für die Schifffahrt begehrter als der Rest des Mains.

Dennoch betonte Bundesverkehrsminister Scheuer am Montag mit Blick auf die WSV-Ämterreform, dass "wir mehr Güter von der Straße auf das Wasser bringen wollen". Fakt ist: Seit Jahren fahren immer weniger Güterschiffe auf dem Main, dafür immer schwerere. Der Güterumschlag in den unterfränkischen Häfen ging laut Landesamt für Statistik allein zwischen 2019 und 2020 um 15,6 Prozent zurück.

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