Würzburg

Start-ups in Mainfranken: Technik-Branche trotzt dem Trend

Carsten Rudolph und Thyra Andersen von BayStartUp.
Foto: Martin Nefzger | Carsten Rudolph und Thyra Andersen von BayStartUp.

Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie seit langem nicht mehr. Die Auftragsbücher in der Industrie und im Handwerk sind prall gefüllt, die Arbeitslosenquote ist so gering wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Was für die gesamtdeutsche Wirtschaft positiv ist, hat auf einen Teilbereich negative Auswirkungen. Denn die Zahl der Unternehmensgründungen und Start-ups geht seit Jahren kontinuierlich zurück.

Keine Zeit für die Selbstständigkeit

Dabei lädt die gute Konjunktur eigentlich zum Gründen ein. Doch durch die fast erreichte Vollbeschäftigung ist es vergleichsweise leicht, einen guten Arbeitsplatz zu finden – und weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit.

Gerade die Zahl derer, die einen festen Job haben und nebenher ein Unternehmen gründen, sank drastisch – laut der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 2016 bis 2017 um rund 24 Prozent. „Wer bereits eine Beschäftigung hat, kommt aufgrund der hohen Arbeitsbelastung nicht dazu, sich selbstständig zu machen“, wird KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner in der Mitteilung zitiert.

In Bayern und in Mainfranken ist die Lage ähnlich: Die Zahl der Gründungen geht zurück. Während in der Region laut Industrie- und Handelskammer (IHK) 2010 noch fast 8900 Unternehmen neu in den Markt eintraten, waren es im Jahr 2017 nur noch kapp über 7000. In diesen Zahlen enthalten sind neben Start-ups auch herkömmliche Betriebsgründungen.

Heraus sticht die Technik-Branche. „Hier verzeichnen wir sogar einen leichten Anstieg“, sagt Carsten Rudolph, der Geschäftsführer von BayStartUp. Die Initiative hat sich auf die Förderung innovativer Start-ups – vor allem im Technik-Bereich – spezialisiert und unterstützt diese durch kostenlose Beratungsangebote.

Auf der Suche nach Geldgebern

In den durch BayStartUp betreuten Bereichen sei die Entwicklung in der Region sehr gut. die Start-up-Szene dort sei „klein, aber pfiffig“. Probleme, die durch die teilweise ländlich geprägten Strukturen in Mainfranken entstehen, sollen durch die bayernweite Ausrichtung des durch den Freistaat und private Sponsoren finanzierten Projekts kompensiert werden. So versuchen Rudolph und seine Kollegen den Kontakt zwischen Start-ups und möglichen Geldgebern, sogenannten Business-Angels (Unternehmens-Engel), herzustellen.

„Wer sich einfach per Mail an einen Investor wendet, hat kaum Chancen auf Erfolg“, erklärt der Wirtschafts-Experte. Deshalb vermittle man die Unternehmensgründer gezielt an einzelne Investoren. Vorab werden die Business-Pläne der Unternehmen geprüft und das Gespräch mit den Geldgebern trainiert.

„Das hat uns wirklich sehr geholfen“, berichtet Christian Heinrich vom Würzburger Start-up scoutbee von seinen Erfahrungen. Das Unternehmen hat am Business-Plan Wettbewerb von BayStartUp für Nordbayern teilgenommen und diesen kürzlich sogar für sich entschieden. In jeder der drei Runden wurde das Konzept der Gründer analysiert und bewertet. Besonders hilfreich sei die ausführliche Rückmeldung gewesen, sagt Heinrich. Regelmäßig gebe es Gewinner aus der Region um Würzburg, erklärt Rudolph, diese sei bei den Start-ups also eine feste Größe. „Wobei wir aber nicht nach Herkunft des Unternehmens auswählen.“

Keine Personalschlacht in Würzburg

Dass Würzburg im Vergleich zu anderen Gründer-Städten relativ klein ist, sei kein Problem. „Man braucht für so ein Projekt schon eine Großstadt“, sagt Heinrich. „Aber das ist Würzburg ja.“ Vielmehr sei es sogar ein Vorteil, berichtet Carsten Rudolph, dass es in Würzburg nicht eine so Intensive „Personalschlacht“ wie unter anderem in München gebe. Dort müssten Start-ups mit etablierten Konzernen wie Audi oder Siemens um Fachkräfte kämpfen.

Internet auf dem Land: Das ist ein Problem

Problematisch sei dagegen die teilweise langsame Internetverbindung auf dem Land. „Wir mussten unsere Daten in der Cloud speichern“, erzählt Gregor Stühler, Geschäftsführer und Mitbegründer von scoutbee. „Das war sehr teuer.“

Als bundesweites Problem betrachtet Carsten Rudolph die Tatsache, dass in Deutschland größere Investoren fehlten. Bereits wer zur Gründung eines innovativen Start-ups mehrere Millionen Euro brauche, suche in der Bundesrepublik oft vergeblich. „Da beginnt dann relativ früh der Blick ins Ausland. Aber in den USA Geld zu akquirieren ist auch nicht immer einfach.“

 


Die Gründer-Szene in Würzburg

Würzburg gilt als guter Standort für Gründer – nicht zuletzt, wegen der vielfältigen Beratungs- und Hilfsangebote. Diese sind in der Initiative Gründen@Würzburg vereint, die den Austausch zwischen Gründern fördern, Ansprechpartner vermitteln und Gründer unterstützen soll.

Zu den Angeboten gehören die des Technologie- und Gründerzentrums (TGZ), das Weiterbildungen und Beratungen durchführt und Büros an Gründer vermietet. Unterstützung erhalten Start-ups außerdem im Innovations- und Gründerzentrums (IGZ), im Zentrums für digitale Innovationen Mainfranken (ZDI) und in der Gründerwerkstatt Würzburg. Bei Existenzgründungen helfen zudem die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt und die Handwerkskammer für Unterfranken. nfz/aug

Die Gründer von scoutbee (von links) in der Würzburger Gründerwerkstatt: Christian Heinrich, Gregor Stühler und Lee Galbraith.
Foto: Martin Nefzger | Die Gründer von scoutbee (von links) in der Würzburger Gründerwerkstatt: Christian Heinrich, Gregor Stühler und Lee Galbraith.
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