HAMBURG / DRESDEN

Peek & Cloppenburg wirbt mit Nazi-Spruch

Peek & Cloppenburg       -  Mit einem unglücklich gewählten Werbeslogan handelte sich Peek & Cloppenburg jede Menge Kritik ein.
Foto: Stefan Sauer | Mit einem unglücklich gewählten Werbeslogan handelte sich Peek & Cloppenburg jede Menge Kritik ein.

Acht reine weiße Baumwollhemden mit Krawatte, Fliege oder ohne. Ein Hinweis auf den eigenen Online-Shop und einen Rabatt für Kundenkarten-Besitzer. So warb das Bekleidungsunternehmen Peek & Cloppenburg mit Sitz in Hamburg in einem Prospekt zu Pfingsten für seine frühlingshafte Herrenmode. Eigentlich nichts Ungewöhnliches für ein Modehaus. Wäre da nicht dieser Spruch gewesen. Auf der vorletzen Seite wurde auf die verschiedenen Accessoires verwiesen mit dem Spruch "Jedem das Seine". Eine mehr als unglückliche Wortwahl, wenn man bedenkt, durch welche Zeit dieses Motto geprägt wurde.

Eigentlich stammt dieses Idiom aus der Antike. Aufgesetzt wurde der Grundsatz auf Latein "suum cuique" von Kaiser Justinian und bedeutet, dass jeder ehrbar leben soll, das Seine erhält und es einem anderen genauso zubilligen soll. Doch später haben Nationalsozialisten die Aussage für ihre Zwecke missbraucht.

Konzentrationslager Buchenwald       -  Das Lagertor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar (Thüringen) trägt die Inschrift 'Jedem das Seine'.
Foto: Sebastian Kahnert (dpa-Zentralbild) | Das Lagertor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar (Thüringen) trägt die Inschrift "Jedem das Seine".

Inschrift am KZ-Buchenwald

Besonders bekannt in Deutschland ist die Inschrift "Jedem das Seine" auf dem Tor des Konzentrationslagers Buchenwald in Weimar. Hier bedeutete der Spruch genau das Gegenteil im Vergleich zur Antike: Die Gefangenen sollten genau das bekommen, was sie verdient haben, so der Gedanke der Nationalsozialisten.

Dass nun P & C mit dieser unglücklichen Wortwahl wirbt, entdeckte der sächsische Linken-Politiker André Schollbach und war empört darüber. "Eine derartige Werbung ist absolut geschmacklos und geschichtsvergessen. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass ein derart bekannter und an Zynismus kaum zu überbietender Nazispruch für Werbezwecke benutzt wird", schrieb Schollbach - wie die Sächsische Zeitung berichtete. Zu diesem Zeitpunkt war der Werbeslogan noch auf der Homepage des Unternehmens zu lesen.

So reagierte Peek & Cloppenburg

In einer Stellungnahme bedauerte P & C die Wahl des Werbespruchs: "Wir möchten uns in aller Form dafür entschuldigen, das wir vielleicht die Gefühle Anderer verletzt haben - dies lag aber in keiner Weise in unserer Absicht und wir hoffen, dass Sie uns diese verbale Ungeschicklichkeit verzeihen werden." Gleichzeitig erklärte eine Unternehmenssprecherin aber auch den Zusammenhang zum antiken Leitsatz. Er finde sich bis heute noch immer "als fester Bestandteil in deutschen Gerichtsgebäuden und den dort niedergeschriebenen Gerichtsformeln wieder".

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