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WÜRZBURG: „Wir füttern uns die Tauben her“

WÜRZBURG

„Wir füttern uns die Tauben her“

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    Seit 2006 streuen Mitarbeiter des Vereins „Menschen für Tierrechte“ jeden Morgen rund 40 Kilogramm Getreide am Alten Kranen, am Bahnhof und anderen Stellen für die Tauben aus. Im Jahr sind das rund 300 Zentner. Dagegen ist Normalbürgern das Füttern bei Strafe untersagt. Sinn der Sache: Satte und gesunde Tauben stören in der Stadt weniger als aufdringliche, hungrige und kranke. Das Rathaus glaubt an den Erfolg des offiziellen Fütterns und unterstützt es mit jährlich 2400 Euro.

    Als sich Geschäftsleute in der Innenstadt trotzdem über Tauben beschwerten, erklärte ein Rathaussprecher, dass die Tauben zwar nicht gezählt werden, aber der „subjektive Eindruck“ sei, dass die Taubenpopulation abnehme. Umweltreferent Wolfgang Kleiner glaubt ebenfalls, dass die Tauben weniger geworden seien. Wer allerdings miterlebt, wie 500 bis 600 Tauben nach der morgendlichen Fütterung am Bahnhof auffliegen, teilt diesen Glauben nicht.

    Diesen Eindruck bestätigt der Brieftaubenzüchter Heinz Heuler. Er betreut seit 1980 die Taubenhäuser am Bahnhof, in der Langgasse und im Klein-Nizza, reinigt die Schläge und tauscht alle 20 Tage die Eier gegen Gipsimitate aus. In den Nestern liegen laut Fachmann Heuler in den letzten drei Jahren immer mehr Eier. „Sonst haben wir zum Beispiel in einem Jahr rund 500 eingesammelt, jetzt sind es über 800.“ Denn die Würzburger Tauben seien so gut genährt, dass sie sogar in den Wintermonaten Eier legen würden. „Vor der regelmäßigen Fütterung war das nicht der Fall.“

    Weil die Tauben nicht nur in offizielle Taubenschläge legen, wo ihre Eier eingesammelt werden. Sondern auch auf Gebäudesimsen, in Speichern oder leerstehenden Gebäuden würden sich die Vögel vermehren. Heuler mag Tauben, er züchtet sie seit 50 Jahren, dennoch hält er ihre Fütterung für unsinnig: „So erzeugt man nur immer mehr Stadttauben.“

    Dass es zu viele Tauben in der Stadt gibt, kritisierten in den letzten Monaten auch wiederholt Hauseigentümer und Innenstadtbewohner. Wie berichtet beobachten zum Beispiel Anlieger der Bahnhofstraße,...   ...dass immer mehr Tauben dort brüten. Denn die Hunderte von Tauben, die täglich am Bahnhof gefüttert werden, würden längst nicht alle in die Taubenhäuser passen und sich deshalb Nistplätze in der Umgebung suchen.

    Nicht glücklich mit der Situation ist aber auch der Verein „Menschen für Tierrechte“. „Das Füttern ist ja nicht unsere eigentliche Aufgabe“, betont Mitglied Angela Iqbal. Das Taubenprojekt sei 2006 zweigleisig angelegt worden: Erster Schritt die Bindung der Tauben an einen Ort durch regelmäßige Fütterung. Zweiter Schritt, dort begehbare Schläge einzurichten, wo sie gefüttert, ihre Eier eingesammelt und ihr Kot entfernt wird.

    Doch dieser zweite Schritt ist bislang nur unzureichend erfolgt. Auf Initiative der Brieftaubenzüchter ist im vergangenen Jahr lediglich ein zusätzlicher öffentlicher Schlag am Pleicher Weiher eingerichtet worden. Zehn Tauben brüten momentan dort. Das heißt, 100 Eier jährlich werden eingesammelt.

    „Die Stadt tut hier zu wenig“, kritisiert Iqbal. „Wenn da weiter nichts in die Gänge kommt, ziehen wir uns zurück.“ Denn nur mit zusätzlichen Schlägen mache das aufwendiges Engagement der Tierschützer Sinn.

    Umweltreferent Wolfgang Kleinert begründete das Fehlen neuer Schläge bislang damit, dass die Suche nach neuen Standorten schwierig sei. Niemand wolle die Schläge auf seinem Grundstück haben.   Jetzt soll ein drittes Taubenhaus am Bahnhof errichtet werden. Allerdings verbessert ein Haus, in dem höchstens 50 Pärchen brüten können, bei einem Schwarm von rund 500 Tauben nicht wirklich die Situation.

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