Bad Kissingen

Bad Kissingen: Beim Besucherzentrum erst mal improvisieren

Zwei mögliche Orte für ein späteres Welterbe-Besucherzentrum kristallisieren sich heraus. Warum der Stadtrat zu große Erwartungen auf eine große Lösung dämpfte.
Im Alten Rathaus könnte unter Umständen in Verbindung mit einem neuen Betreiber vorübergehend ein Welterbe-Besucherzentrum unterkommen.  
Foto: Wolfgang Dünnebier | Im Alten Rathaus könnte unter Umständen in Verbindung mit einem neuen Betreiber vorübergehend ein Welterbe-Besucherzentrum unterkommen.  

Ein Besucherzentrum soll Gästen die Welterbe-Stadt Bad Kissingen schmackhaft machen. Auf gut 700 Quadratmeter wird der Raumbedarf für eine Ausstellung, einen Vortragssaal, ein Empfangsfoyer mit einer Infotheke und bestenfalls ein Bistro geschätzt. Manchen Stadträten ist dies aber in der aktuellen finanziellen Lage viel zu groß gedacht. In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass es sich dabei wohl eher um ein mittel- bis langfristiges Projekt handelt.

Altes Rathaus im Gespräch

"Es hat Spaß gemacht, ein bisschen zu träumen", kommentierte Steffen Hörtler (CSU) das Ergebnis einer Untersuchung von fünf möglichen Standorten. Gebraucht werde aber nicht in fünf Jahren etwas, sondern ein kleines Büro, mit dem man im Frühjahr 2022 handlungsfähig sei.

Dafür biete sich als Standort laut Hörtler das Alte Rathaus an. Nachdem die Vinothek dort nach dem Rückzug der Heiligenfeld GmbH als Pächter seit Mitte Oktober geschlossen ist, läuft aktuell das Auswahlverfahren für einen neuen Betreiber. Die Bewerberfrist endete eigentlich im September, aber über den Stand des Verfahrens gibt die Stadt aktuell aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft.

Zwei Favoriten für eine große Lösung

Städteplaner und Architekt Hartmut Holl (Würzburg) hatte dem Stadtrat zuvor via Zuschaltung über die Großbildleinwand im Littmann-Saal seine Analyse fünf möglicher Standorte für das Besucherzentrum präsentiert. Die Stadtratsmitglieder schlossen sich der Einschätzung an, dass sich die Untere Saline beziehungsweise ein Neubau auf dem Gelände des abrissreifen Hallenbades am besten eignen würden.

"Ich glaube, dass wir vielleicht überziehen", sagte Klaus Werner (Bündnis 90/Grüne) zur angedachten Größe eines Besucherzentrums. Andere Städte kämen mit kleineren Büros aus. Bei der angenommenem Raumplanung müsste die Stadt am Ende fünf bis sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, die von Montag bis Sonntag auf Gäste warten.       

Die Obere Saline als Beispiel 

Welterbe-Projektmanager Peter Weidisch verwies darauf, dass sich die Stadt auch mit dem Verweis auf ein künftiges Besucherzentrum um das Prädikat beworben habe. Die Ausstellungsfläche selbst mit 180 Quadratmetern sei ja gar nicht so groß angedacht.

Es sei ein sportlicher Ansatz, dort den gesamten Themenkomplex mit den elf europäischen Kurstädten unterzubringen. Geplant sei ja auch ein Bistro, welches als Begegnungsstätte für Gäste und Einheimische sein soll. In diesem Zusammenhang erinnerte Weidisch an die Dynamik, welche die die erfolgreiche Wiederbelebung der Oberen Saline erlangt habe.

Zweifel an einem teuren Neubau

"Einen teuren Neubau sehe ich auch nicht", räumte Oberbürgermeister Dirk Vogel ein. Vielmehr könne ein geplantes Zentrum ein Treiber sein, um verschiedene Partner wie den Freistaat und eventuell Gastronomen für eine Umsetzung zu gewinnen, spielte der OB auf die Untere Saline an, für die er schon bei früheren Gelegenheiten geschwärmt hatte.

Der bestehende Gebäudekomplex bietet laut Holls Analyse alleine im Erdgeschoss eine Fläche von 2200 Quadratmetern an. Das Umfeld sei bereits heute ein beliebtes Ausflugsziel. Die ehemalige Wäscherei mit hohen Wänden sei für Ausstellungen gut geeignet. Allerdings stelle sich die Frage, wie die Restflächen auf dem Gelände genutzt werden könnten. Für einen Neubau auf dem Hallenbad-Gelände spreche ebenfalls die schöne Lage nahe der Saale.

Einzelne Standorte scheiden aus  

Zugleich zeigte Holl die Nachteile der drei weniger für ein Besucherzentrum geeigneten Standorte auf. Der ehemalige Schlachthof sei für eine Oldtimersammlung und andere Gastronomie vorgesehen. Wegen der dicken Wände würden Umbauten schwierig werden. Die ehemalige Güterhalle stehe auch unter Denkmalschutz und sei stark sanierungsbedürftig. Außerdem weise sie keinen direkten Bezug zur Saale auf.

Anders beim Krugmagazin. Die hochwertige Immobilie ist aber trotz ihrer Nähe zu Saale, Innenstadt und Kurzentrum mangels Parkplätzen nur schwer zu erreichen. Ein barrierefreier Umbau sei zudem nur schwer bewerkstelligen.

Das Dampferle als Shuttle 

Klaus Werner sieht die Untere Saline dagegen zu abgelegen. Es die bestehe die Gefahr, dass Gäste nur dort vorbei schauen und gar nicht in die Stadt kommen. Bernd Czelustek (SPD) brachte als Shuttle in die Stadt die Dampferle ins Gespräch. Die seien schließlich auch Welterbe und könnten mit der Unteren Saline wieder ein Ziel bekommen.

OB Vogel erachtet dagegen eine günstig getaktete Buslinie als ausreichend. Manchen Stadträten dauerte die Diskussion zu lange, weil noch keine Standort-Festlegung anstand. Das Thema biete ausreichend Stoff für eine Stadtratsklausur, verwies Thomas Menz (SPD) auf viele offene Fragen. Nun soll kurzfristig auch mit Blick auf das Alte Rathaus Raum für ein Besucherzentrum gesucht werden.

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