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Brückenauer Badearzt ziert "Ahnengalerie"

Bad Brückenau

Brückenauer Badearzt ziert "Ahnengalerie"

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    Der frühere Antiquitätenhändler hat das Gemälde vor 25 Jahren im damaligen Leningrad (heute St. Petersburg) erstanden. Seitdem hängt es an der Wand seines Wohnzimmers. Wer auf dem Bild dargestellt ist, wusste Merz zunächst nicht. "An dem Bild begeisterten mich die feinen Konturen des Gemäldes. Da sieht man jedes Barthaar. Zudem gefiel mir der Rahmen", erzählt er.

    Das Kunstwerk kaufte Merz für umgerechnet 150 Euro in einem Antiquitätengeschäft in einer Seitengasse von St. Petersburg. Der russische Inhaber sprach ein bisschen Deutsch, denn er war während des Kriegs in deutscher Gefangenschaft. "Er erzählte mir, dass es sich bei dem Mann auf dem Bild um einen Deutschen mit Namen Weikard handelte, den Hofarzt von Kaiserin Katharina der Großen", so Merz.

    Dass er vor 25 Jahren in das "Venedig des Nordens" flog, war eigentlich ein Zufall, erinnert sich Merz. Eine Gruppe aus der Region - vor allem Münzsammler - hatte noch einen freien Platz. "Ich entschied kurzfristig, mitzufahren", erzählt Merz. Sein Interesse galt aber weniger Münzen, sondern den Kunstsammlungen in der St. Petersburger Eremitage. Und er wollte sich nach Antiquitäten umschauen.

    Mulmiges Gefühl

    Obwohl der Händler ihm ein Zertifikat für den Zoll mitgab, hatte Merz bei der Ausreise aus der damaligen Sowjetunion "ein mulmiges Gefühl". Mit der russischen Fluggesellschaft Aeroflot ging es nach Ost-Berlin, von dort mit dem Zug nach Fulda. Erst zehn Jahre später erfuhr der Gieseler Antiquitätenhändler von den Rhöner Wurzeln des porträtierten Weikard.

    Und zwar von seinem Jugendfreund Egon Schindel, Inhaber der Firma Rhönsprudel in Ebersburg-Weyhers. "Als ich 19 war, fuhr ich einen Sportwagen der Marke Alfa Romeo Spider - und Egon einen Porsche", erinnert sich Merz an junge Jahre. Schindel informierte Merz auch, dass der Amtmann Georg Ignazius Weikard, der Bruder des Brückenauer Badearztes, im Jahr 1781 die erste Quelle des bis heute bestehenden Rhöner Mineralbrunnens in der Nähe von Weyhers erfassen ließ.

    Wie sein Bruder war Georg Ignazius Weikard der Abkömmling des Gastwirts Nikolaus Weikard aus Römershag. Von 1764 an war er ein Leibarzt des Fuldaer Fürstabts Heinrich von Bibra und als solcher Badearzt in der Sommerresidenz Brückenau. 1784 wurde er als Leibarzt der russischen Zarin Katharina II. an den Zarenhof in St. Petersburg berufen. Aus Russland zurückgekehrt, starb Weikard 1803 in Bad Brückenau.

    Brückenauer Verbindungen

    Dass zwischen dem Weyherser Mineralbrunnen und dem Brückenauer Badearzt eine Verbindung besteht, wird bis heute am dortigen "Weikardshof" deutlich. Dieses Gebäude wurde im 18. Jahrhundert von Georg Ignazius Weikard erbaut. Der Hof besaß ausgedehnten Obstanbau, der sich bis Dietershausen hin ausdehnte. Im Gewölbekeller der jetzigen Gaststätte befand sich einst eine Branntweinbrennerei. "Zeuge" hierfür ist der Tiefbrunnen, der sowohl von innen als auch von außen zu besichtigen ist.

    Egon Schindels Großvater Philipp übernahm 1911 den Weyherser Mineralbrunnen von dem Fuldaer Kaufmann Sopp, der 1895 die Bezeichnung "Rhönsprudel" eingeführt hatte. "Egon Schindel war der Taufpate meines gestorbenen Sohnes Daniel", erläutert Merz und zeigt auf das Bild des jungen Manns in der Ahnengalerie.

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