Schweinfurt

Brüder aus Bad Brückenau dealen mit 20 Kilo Drogen

Zwei Brüder aus dem Staatsbad brachten Haschisch und Marihuana in großen Mengen unters Volk. Seitdem sie in Haft sitzen, soll in der Szene Drogenmangel herrschen.
Smbolbild Gericht
Foto: Volker Hartmann | Smbolbild Gericht

"Seitdem die beiden in Untersuchungshaft sitzen, heißt es in Bad Brückenau, man kriegt hier nichts mehr und muss nach Fulda ausweichen", sagt der Polizeizeuge am Montagmorgen vor den Großen Jugendkammer des Landgerichts Schweinfurt. Was der Polizist mit „nichts mehr“ meint, sind Marihuana und Haschisch. Diese Drogen sind dort offenbar zur Mangelware geworden, nachdem die beiden 19 und 29 Jahre alten Brüder Mitte Februar verhaftet worden waren.

Das verwundert nicht sonderlich, haben die zwei Angeklagten doch bereits am ersten Verhandlungstag über ihre Verteidiger eingeräumt, in relativ kurzer Zeit ordentliche Mengen Rauschgift in die Bad Brückenauer Szene geschleust zu haben. Laut Anklageschrift waren es zwischen Juli 2019 und Februar 2020 insgesamt 17 Kilogramm Marihuana ("Gras"), zwei Kilo Haschisch, 750 Gramm Amphetamin ("Speed") und 1000 Ecstasy-Tabletten. Sie sollen damit 190 000 Euro erzielt haben.

Laut Staatsanwältin bauten sich die Angeklagten ab dem Jahr 2018 ein gut strukturiertes Netzwerk auf, um den Rauschgifthandel möglichst effektiv, mit bester Gewinnerzielung und geringstmöglichem Entdeckungsrisiko zu betreiben. Das „Geschäftsmodell“ soll so funktioniert haben, dass sie zunächst zweimal wöchentlich 500 Gramm Marihuana und eine halbe Platte Haschisch und ab Herbst 2019 bis Februar sieben Kilo "Gras" und ein Kilo Haschisch wohl aus unbekannten hessischen Quellen beschafften.

Der Dealer war der Jüngere

In jeweils einer "Bunkerwohnung", dem Domizil eines Dritten, sei der Stoff in 50-Gramm-Einheiten abgewogen und verpackt und von dort durch sogenannte Läufer an Endkunden weiterverkauft worden. Der eigentliche Dealer war nach seiner eigenen Einlassung der Jüngere. Er habe in größerem Stil die Drogen – Marihuana, Haschisch, auch das Amphetamin und die 1000 Ecstasy-Pillen - beschafft, in den beiden Bunkerwohnungen gelagert, portioniert und verkauft, sagt dessen Anwalt. Der 19-Jährige wolle sein kriminelles Dasein hinter sich lassen und künftig straffrei leben.

Der Ältere war auch laut Anklage allenfalls ein Gehilfe, ein Mittäter. Dessen Anwalt trägt vor, dass der 29-Jährige seit vielen Jahren drogenabhängig sei. Er sei häufig "bei den Bunkertaten dabei gewesen", habe auch mal portioniert und mit dem Inhaber der "Bunkerwohnung" getrunken und Drogen konsumiert. Insbesondere habe er aber seinen jüngeren Bruder oft nur begleitet, um ihn zu beschützen. Stimmen in seinem Kopf hätten ihm gesagt, dass die Menschen, die bei den Drogengeschäften anwesend waren, "dämonisch besessen" seien. "Krasse Psychosen" habe er gehabt, so der 29-jährige Gebäudereiniger. Medikamente dagegen habe er nicht eingenommen.

Psychose und hohe Schulden

"Er hat Unrecht getan", der Drogenhandel sei aber nicht sein Geschäft gewesen, sondern das seines Bruders, sagt der Verteidiger des 29-Jährigen. Dieser wünsche sich sehnlichst, seine Psychosen und den Drogenkonsum in den Griff zu bekommen. Der Mandant sei ferner mit 60 000 Euro verschuldet. Eine eingeschränkte Einsichts- und Schuldfähigkeit bei ihm, soweit er meinte, seinen Bruder vor Dämonen schützen zu müssen, konnte der psychiatrische Sachverständige nicht ausschließen. Der Gutachter empfahl eine Unterbringung des Drogenkonsumenten zur Suchttherapie.

Den 19-jährigen Hauptdealer sieht der Sachverständige weder in seiner Schuldfähigkeit eingeschränkt, noch sei bei ihm ein Hang zum Konsum von Rauschmitteln im Überfluss mit daraus resultierenden Straftaten festzustellen.

Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Am 2. November um 8.30 Uhr wird er fortgesetzt.

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