Bad Kissingen

Hausarztversorgung Bad Kissingen: An wen jetzt Fragebögen rausgehen

Die Arbeitsgruppe Hausärztliche Versorgung macht jetzt Nägel mit Köpfen und will allerhand von Hausärztinnen und Hausärzten wissen. Was man sich von dieser Initiative erhofft.
Die Hausärztinnen und Hausärzte werden auch im Landkreis Bad Kissingen immer weniger, weil viele bald in Rente gehen.
Foto: Moritz Frankenberg | Die Hausärztinnen und Hausärzte werden auch im Landkreis Bad Kissingen immer weniger, weil viele bald in Rente gehen.

Dass die Hausärztinnen und Hausärzte im Landkreis Bad Kissingen knapp werden, ist schon seit mehr als zehn Jahren Fakt. Doch jetzt, wo immer mehr alteingesessene Mediziner und Medizinerinnen ihre Praxen hier schon aufgegeben haben oder bald aufgeben werden, ist die Situation plötzlich akut. Denn wohin sollen sich die Patienten wenden, wenn der eigene Hausarzt oder die Hausärztin zumacht?

Eigentlich müsste sofort gehandelt werden. Aber wie soll das gehen? Sollen sich die betroffenen Kommunen selbst bemühen? Muss die Politik handeln? Und wie kann man junge Leute überhaupt dazu bekommen, im ländlichen Bereich eine Arztpraxis zu eröffnen? Fragen, die in jüngster Vergangenheit in verschiedenen Gremien und an Runden Tischen von Stadt und Landkreis Bad Kissingen kreisten.

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Anfang 2021 gründete sich schließlich eine Arbeitsgruppe (AG) "Hausärztliche Versorgung für Stadt und Landkreis Bad Kissingen", in der bislang neben Vertretern von Stadt und Landkreis sowie der Ärzteschaft auch Fachleute der Allianz Fränkisches Saaletal, des Bäderlands Bayerische Rhön und des Kommunalbüros für ärztliche Versorgung am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vertreten sind.

Rund 60 Hausärztinnen und Hausärzte im Landkreis

Die AG hatte im Sommer angekündigt, unter allen Hausärztinnen und -ärzten im Kreis eine Fragebogenaktion zu starten. Jetzt ist es offensichtlich soweit, wie einer Pressemitteilung des Landratsamts vom Mittwoch zu entnehmen ist. Knapp über 60 Hausärzte und Hausärztinnen versorgen die rund 103 000 Bewohner und Bewohnerinnen im Landkreis Bad Kissingen, wird in der Mitteilung Bilanz gezogen. Damit sei der Landkreis rein rechnerisch derzeit noch gut versorgt.

"Es zeigt sich aber auch, dass die Altersstruktur hier bei uns deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt liegt", wird Bad Kissingens Landrat Thomas Bold zitiert. Um dem entgegenzuwirken, wollen Stadt und Landkreis unter der Leitung der Gesundheitsregion Plus (GR plus) Bäderland Bayerische Rhön zusammenarbeiten. "In Bad Kissingen ist die Herausforderung besonders groß, denn unsere Ärzte sind älter als der Durchschnitt, unsere Bevölkerung auch", so die Aussage von OB Dirk Vogel.

Wie kann man am besten Nachwuchs gewinnen?

Dr. Herbert Schulze, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Bad Kissingen, sieht es, laut Pressemitteilung, als sinnvoll an, zunächst mit den ortsansässigen Hausärzten und Hausärztinnen in Kontakt zu treten. Denn diese wüssten selbst am besten, wo Stadt und Landkreis unterstützen können. "Wir möchten ermitteln, welche Ideen beispielsweise zur Nachwuchsgewinnung in der Region mit gemeinsamer Stärke umgesetzt werden können", heißt es von Daniela Schmitt, Geschäftsstellenleiterin der GRplus Bäderland Bayerische Rhön.

Zum Start der Fragebogenaktion trafen sich (von links) Oberbürgermeister Dirk Vogel, Daniela Schmitt von der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus Bäderland Bayerische Rhön, Landrat Thomas Bold und Bürgermeister Matthias Klement (Maßbach) in seiner Eigenschaft als Kreisverbandsvorsitzender im Bayerischen Gemeindetag.
Foto: Anja Vorndran | Zum Start der Fragebogenaktion trafen sich (von links) Oberbürgermeister Dirk Vogel, Daniela Schmitt von der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion Plus Bäderland Bayerische Rhön, Landrat Thomas Bold und Bürgermeister ...

In der Pressemitteilung wird auf die drei Planungsbereiche des Landkreises und die Altersstruktur der Ärztinnen und Ärzte verwiesen: Im Bereich Bad Brückenau sind 40 Prozent der Hausärzte und Hausärztinnen, in Bad Kissingen 52,8 Prozent und in Hammelburg sogar 55,6 Prozent 60 Jahre und älter, zeigt der Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zum 31. August dieses Jahres auf. Als logische Schlussfolgerung für diese Entwicklung stehe, laut Bold, ein Generationenwechsel an.

Kooperative Praxisformen sind immer mehr gefragt

Erschwerend kommt, nach Bolds Angaben, im Landkreis hinzu, dass Einzelpraxen, wie sie in den ländlichen Gebieten Bayerns vorherrschen, zahlenmäßig in den letzten Jahren abnahmen, während kooperative Praxisformen, darunter Gemeinschaftspraxen und Angebote von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), zunahmen. Der Trend gehe offenbar in Richtung Angestelltenverhältnis: Zwei Drittel der neuen Hausärzte und Hausärztinnen wählten diesen Weg zum Berufseinstieg, so Bold.

Über eine Fragebogen-Erhebung, die in den nächsten Tagen an alle Praxen von Hausärzten und Hausärztinnen im Landkreis Bad Kissingen gehen soll, will die AG Meinungen und Ideen sammeln. Grundlage des Fragebogens bildet eine Vorlage aus Kronach, welche die dortige Gesundheitsregion Plus zusammen mit ortsansässigen Ärzten und Ärztinnen entwickelte, heißt es weiter. Die Kronacher hätten erfreulicherweise 60,1 Prozent Rückmeldungen erhalten.

Ergebnisse bei Infoveranstaltung präsentieren

Der Fragebogen der Bad Kissinger AG beinhaltet Fragen unter anderem über die aktuelle ärztliche Tätigkeit und Praxisform, den Zeitpunkt der Praxisübergabe und die Nachfolgeregelung, über Ideen zur Nachwuchsgewinnung und über bisherige Aktivitäten in der Ausbildung. Weiterhin wird auch die Zufriedenheit mit der Lage und Ausstattung der eigenen Praxis abgefragt.

Später sollen die Ergebnisse dieser Fragebögen präzise ausgewertet und zusammen mit der Ärzteschaft bei einer Infoveranstaltung präsentiert werden. Und noch ein Tipp: Sollte eine Praxis keinen Fragebogen erhalten, genügt ein Anruf bei Daniela Schmitt unter Tel.: 0971/7236-190.

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