Bad Kissingen

Kitzinger Forstamtsleiter zieht zum "Unruhestand" nach Bad Kissingen

Für Klaus Behr war schon als Vorschulkind klar: "Ich will Förster werden!" Nun ging er in den Ruhestand, es zog ihn von den Main an die Saale. Und er bleibt dem Wald treu.
Klaus Behr, der bisherige Leiter des Kitzinger Forstamtes, verbringt nun seinen  Unruhestand in Bad Kissingen. Foto: Diana Fuchs       -  Klaus Behr, der bisherige Leiter des Kitzinger Forstamtes, verbringt nun seinen  Unruhestand in Bad Kissingen. Foto: Diana Fuchs
| Klaus Behr, der bisherige Leiter des Kitzinger Forstamtes, verbringt nun seinen Unruhestand in Bad Kissingen. Foto: Diana Fuchs

Ein großer Garten am See mit Jägerzaun und Birkenallee: Der 65-jährige Klaus Behr ist in echter Forsthaus-Idylle aufgewachsen, in der Nähe von Pommersfelden, wo sein Vater Förster des Adelshauses Schönborn war. Kein Wunder also, dass es auch ihn in den Wald zog? "Um ein Haar wäre alles anders gekommen", sagt der bisherige Leiter des Kitzinger Forstamtes, der jetzt seinen Unruhestand in Bad Kissingen verbringt.

Hätten Sie sich je vorstellen können, etwas anderes als Forstwirtschaft zu studieren?

Klaus Behr: Schon als Vorschulkind war für mich klar: "Ich will Förster werden!" Mein Vater hat mich dazu nie gedrängt, aber er hat mich sehr früh mit in den Wald genommen, mir alles gezeigt und begeisternde Geschichten erzählt. Für mich war daher klar, dass ich in seine Fußstapfen treten will. Aber dann wäre doch fast alles anders gekommen.

Was ist passiert?

Der Numerus clausus war damals für das Forststudium ziemlich hoch! Mein Notenschnitt hat haarscharf nicht gereicht. Deshalb habe ich mir völlig überraschend Alternativen überlegen müssen. Ich habe mich fürs Tiermedizinstudium beworben und zusammen mit meiner Kunstlehrerin - ich hatte Kunst-Leistungskurs - eine Mappe für die Aufnahme in der Kunstakademie zusammengestellt.

Künstler oder Tierarzt statt Förster - wieso kam es dann doch nicht dazu?

Ich habe dann kurzfristig doch noch einen Nachrückplatz für den Semesterbeginn im Forst bekommen.

Nach dem Studium kehrten Sie zurück nach Franken - erst nach Oberfranken.

Ja, als Referendar ans damalige Forstamt Ebrach. Mein Ausbilder dort war Forstmeister Dr. Georg Sperber , ein fachlich allseits hoch geschätzter, aber auch zur damaligen Zeit schon streitbarer Forstmann. Von ihm, der den Nationalpark Bayerischer Wald mit aufgebaut hat, habe ich besonders viel lernen können, sei es zum Waldbau , zur Jagd, zur Hundeausbildung oder zum Naturschutz im Wald . Er hat mich als Förster wohl am stärksten geprägt.

Ahnten Sperber und Sie schon vor 40 Jahren, welch enorme Probleme auf den Wald zukommen?

Ja, sogar schon vorher! Ich erinnere mich an eine Meteorologie-Vorlesung von Prof. Dr. Baumgartner, in der dieser den stark zunehmenden Kohlendioxid-Ausstoß, den damit verbundenen Klimawandel und die zu erwartenden Probleme für unsere Umwelt thematisierte - vor 45 Jahren!

Und noch immer nehmen viele Menschen die Gefahr nicht ernst genug...

Leider passiert immer noch nicht genug, um die globale Erderwärmung auf unter 2,5 Grad Celsius zu begrenzen. Wenn wir das nicht schaffen, wird es Wälder , wie wir sie bislang kennen, für unsere Enkel nicht mehr geben. Die gehäuften Trockenjahre 2015, 2018, 2019 und 2020 haben unseren Wäldern schwer zugesetzt und uns einen Eindruck vom Ernst der Lage vermittelt.

Aber die Forstleute versuchen doch gegenzusteuern.

Der Waldumbau ist die größte Herausforderung, vor der Waldbesitzer und Forstleute in den nächsten Jahrzehnten stehen! Als Förster versuchen wir diesen Prozess durch unsere fachliche Beratung und die finanzielle Förderung bestmöglich zu unterstützen. Sicher ist jedoch zumindest, dass künftig nur durch eine üppige Mischung aus klimatoleranten Baumarten zukunftsfähige Wälder gesichert werden können.

Was braucht man dazu?

Behr: Dazu müssen alle Möglichkeiten der natürlichen Verjüngung noch stärker als bisher genutzt werden, da in Folge der Trockenjahre gepflanzte Jungbäume oftmals nicht anwachsen und immer wieder vertrocknen. Gerade die besonders klimatoleranten Baumarten, wie die Eichenarten, werden aber vom Rehwild nahezu flächendeckend viel zu stark verbissen, so dass sie sich nicht entwickeln können. Niedrigere Rehwildbestände sind daher eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau.

Regelt die Natur nicht vieles alleine?

Derzeit wird bei den Diskussionen rund um den Wald oft der Eindruck erweckt die Stilllegung sei das Allheilmittel zur Gesundung unserer Wälder ! Dies scheint mir eine fatale Fehleinschätzung zu sein! Wenn bei den derzeitigen waldbaulich-jagdlichen Rahmenbedingungen dem Jungwald schützende Altbestände durch Schadereignisse verloren gehen, wird sich erfahrungsgemäß ein Sukzessionswald aus wenigen Pionierbaumarten wie Birke, Zitterpappel, Kiefer und Fichte einstellen. Von dieser Baumartenzusammensetzung wissen wir, dass sie im Klimawandel wiederum nur eine kurze Lebenserwartung haben wird.

Gehen Sie mit gemischten Gefühlen in den Ruhestand?

In meiner über 40-jährigen Dienstzeit konnte ich meine beruflichen Wünsche und Vorstellungen in vielen interessanten Positionen ausleben. Ich blicke daher zufrieden und auch mit einer gewissen Dankbarkeit zurück! Auf die nachfolgenden Förstergenerationen kommen enorme berufliche Herausforderungen zu.

Dem Wald werden Sie sicher auch künftig nicht den Rücken kehren?

Natürlich werde dem Wald eng verbunden bleiben, das ist klar. Vielleicht werde ich in meiner neuen Heimat Bad Kissingen Waldführungen oder Ähnliches anbieten. Außerdem freue ich mich, mehr Zeit für meine sieben Enkelkinder und für meine Hobbys zu haben.

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