OBERLEICHTERSBACH

Rentner sagt dem Strahlensmog den Kampf an

228 000 Microwatt pro Sekunde Leistungsfluchtdichte: Hans Schmelzer (von links) und Leonhard Ramsauer demonstrierten, welcher Strahlung Zuhörerin Reinhilde Beck beim Telefonieren ausgesetzt ist.
Foto: Gabi Sell | 228 000 Microwatt pro Sekunde Leistungsfluchtdichte: Hans Schmelzer (von links) und Leonhard Ramsauer demonstrierten, welcher Strahlung Zuhörerin Reinhilde Beck beim Telefonieren ausgesetzt ist.

Wohl dem, der in einem Funkloch wohnt, nicht über W-LAN oder andere Funkverbindungen an seinem Computer arbeiten muss und nicht allzu lange über schnurlose Telefone kommuniziert.

Dieses Fazit könnte man nach der Aufklärungsveranstaltung zum Thema „Risiko Mobilfunk“ am Dienstag im Oberleichtersbacher Pfarrheim ziehen. Zwei Betroffene, Hans Schmelzer aus Helmstadt und eine Frau aus Oberleichtersbach, die aber namentlich nicht genannt sein möchte, erzählten offen ihre Leidensgeschichten.

Seit über 20 Jahren sei die Umwelt mit einer noch nie da gewesenen Belastung mit künstlich erzeugter Mikrowellen-Mobilfunkstrahlung ausgesetzt, hieß es einführend. Weltweit erkrankten immer mehr Menschen am Elektro-Hyper-Sensibilität-Syndrom (EHS-Syndrom). Das heißt, sie reagieren hochallergisch auf alle Art von elektromagnetischer Strahlung mit der Folge, dass wichtige Körperfunktionen zusammenbrechen.

Insbesondere seien Kinder und Jugendliche betroffen, hieß es. Auch Flora und Fauna würden durch die Strahlenbelastung massiv in Mitleidenschaft gezogen.

Die negative Wirkung gepulster Funknetzwerke auf den menschlichen Organismus sei schon lange weltweit von industrieunabhängigen Wissenschaftlern nachgewiesen, sagte Schmelzer. Die Mobilfunkindustrie jedoch ignoriere diese Forschungsergebnisse stetig, diffamiere diese Wissenschaftler und lege Gutachten vor, die das Gegenteil aussagten.

„Es liegt uns was an der Aufklärung der Bevölkerung“, sagt die Oberleichtersbacherin. Der Mensch sei dabei, Gottes Schöpfung zu zerstören. Sie fordert die Umkehr zu einer verträglicheren Technik. Denn: „Betroffene bringen gesundheitliche Probleme oft nicht mit der Strahlung in Verbindung.“ So sei es auch bei ihr gewesen. Zuerst litt sie unter Schlaflosigkeit, Bluthochdruck und Unwohlsein. Das war im Jahr 2006. Und als dann UMTS-Technik auf einen Sendemast, einige hundert Meter entfernt von ihrem Haus in Bad Königshofen, installiert wurde, sei zusätzlich ihre Schilddrüse erkrankt.

Es sei eine schwierige Zeit gewesen, erzählt die Betroffene. Monatelang habe sie in einem Kellerraum ihres Hauses oder bei Bekannten auf einer Matratze geschlafen, um der Strahlung zu entfliehen. Die Probleme seien so stark gewesen, dass das Ehepaar das Eigenheim nach 35 Jahren verließ und nach Oberleichtersbach umzog. Nach eineinhalb Jahren außerhalb des hohen Strahlungseinflusses habe sich ihre Schilddrüse wieder normalisiert, erzählt die Frau.

Auch das Leben von Hans Schmelzer hat sich nach eigener Aussage durch den Strahlensmog verändert. Seine Frau starb vor acht Jahren an Krebs, bei ihm selbst wurde vor sechs Jahren Krebs diagnostiziert. Schmelzer wohnt im Strahlungsbereich eines 60 Meter hohen Mobilfunkturms, der 1996 errichtet wurde und heute mit über 60 Antennen bestückt ist.

In kürzester Zeit seien 13 Krebsfälle in den beiden Straßen unterhalb des Turms im 2000 Einwohner zählenden Helmstadt aufgetreten, sagt Schmelzer. 32 weitere Krebserkrankungen kamen im Lauf der Zeit dazu. Schmelzer errechnete, dass die Krebsrate nach zehn Jahren um mehr als 500 Prozent gestiegen ist. Quer durch Deutschland habe er sieben weitere Orte gefunden, in denen die Krebserkrankungen in den Hauptabstrahlrichtungen von Mobilfunkmasten drastisch angestiegen seien, sagt er.

Weil die Bevölkerung viel zu wenig informiert sei, will der engagierte Pensionär 20 weitere solcher Orte finden und mit den Ergebnissen dann an die Öffentlichkeit gehen. Denn es ließen sich schon einige Dinge tun, um den Strahlensmog zu vermindern. Beispielsweise könnten Kabel anstatt Funktürme verwendet werden.

Auch im eigenen Haushalt könne man sich schützen, sagt Hans Schmelzer. Beispielsweise indem man auf Mikrowellengeräte und Induktionsherde verzichte und schnurgebundene Telefone sowie Computer ohne W-LAN-Verbindung bevorzuge.

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