Bad Neustadt

Rhön: Corona lässt das Skitouren-Gehen boomen

Wenn Liftanlagen wegen Corona geschlossen bleiben, lockt das Skitouren-Gehen. Was macht die Sportart aus? Der Rhöner Roland Zschorn weiß es – und verrät seine Lieblingstour.
Aufstieg am Arnsberg der Sonne entgegen. Die Rhön bietet Tourengängern zahlreiche reizvolle Strecken. Dazu reichen auch geringere Mengen Schnee aus und einen Lift braucht man auch nicht. In Zeiten von Corona erfährt das Skitouren-Gehen verstärkt Zulauf.
Foto: Archiv Klaus Neumann | Aufstieg am Arnsberg der Sonne entgegen. Die Rhön bietet Tourengängern zahlreiche reizvolle Strecken. Dazu reichen auch geringere Mengen Schnee aus und einen Lift braucht man auch nicht.

Auch wenn Schnee liegt, wird man in Bayern mindestens mehrere Wochen lang nicht so Skifahren können, wie man es die Jahre zuvor gewohnt war. Alle Lifte und Bergbahnen sind zur Eindämmung der Corona-Pandemie wohl bis in den Januar hinein wegen des verlängerten Teil-Lockdowns geschlossen. Auch touristische Tagesausflüge ins Ausland, etwa zum Skifahren, seien laut Staatskanzlei vermeidbare Risikoquellen. Mit der Folge, dass man nach dem Schlussschwung in Österreich zehn Tage in Quarantäne muss.

Was tun, fragen sich die Skifans. Klare Aussage: Nicht betroffen von den neuen Einschränkungen sind Skiwandern, Skilanglauf und Skitouren-Gehen. Letzteres erfreut sich schon länger steigender Beliebtheit. In diesem Corona-Winter ist zu erwarten, dass das Skitouren-Gehen – frei in der Natur und unabhängig vom Skilift – noch mehr Zulauf erfahren wird. 

Unter Skitouren-Gehen versteht man das Besteigen von Bergen auf Ski und die anschließende Talfahrt abseits präparierter Skipisten. Die, die diesen Sport ausüben, schwärmen von Bewegung in weißer Stille abseits von Menschenmengen und überfüllten Pistengebieten. 

Roland Zschorn auf dem  2252 Meter hohen Gipfel des Rauher Kopf  im Schmirntal.
Foto: Roland Zschorn | Roland Zschorn auf dem 2252 Meter hohen Gipfel des Rauher Kopf im Schmirntal.

Der Burgwallbacher Roland Zschorn ist beim Bayerischen Skiverband Leiter des Landeslehrteams Skitour und der zuständige Referent für diese Sportart. Alles, was beim Landesverband das Skitouren-Gehen betrifft, landet auf seinem Schreibtisch. "Das Tourengehen boomt seit Jahren ohne Ende", sagt er. Coronabedingt erfahre es nun weiteren Zuspruch. "Es gehört zu den Wintersportarten, bei denen die Abstands- und Hygieneregeln am einfachsten einzuhalten sind." Man benötige weder eine Seilbahn oder Gondel noch einen Lift und könne so ohne Probleme Kontakt zu anderen Menschen vermeiden. 

Umweltverträgliche Gestaltung

Zschorn schätzt bei diesem Sport das Landschaftserlebnis, das Bewegen in unberührtem Gelände fernab der Massen. Natürlich müsse das Ganze umweltverträglich gestaltet werden, betont der 59-Jährige. "Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Harmonie zwischen Mensch und Natur bestehen bleibt." Weiterhin mag er die körperliche Anstrengung. "Es hat eine besondere Qualität, wenn man einen Berg selbst hinaufsteigt." Zusammengefasst ergibt sich für ihn eine Konzentration auf das Wesentliche: auf die Natur und den Sport – ohne den Rummel drumherum. "Vorgänge wie in Ischgl, bei denen der Schwerpunkt auf der Party liegt, lehne ich komplett ab", sagt Roland Zschorn.

Welche Erfahrungen machen derzeit die Sportgeschäfte in der Rhön? Nicolas Schmiedel ist Geschäftsführer von Sport Walter in Haselbach (Lkr. Rhön-Grabfeld). Er rechnet, sobald der erste Schnee liegt, fest mit einer verstärkten Nachfrage nach Tourenski. Generell steige seit einigen Jahren schon das Interesse an dieser Sportart. "Ich kann mir gut vorstellen, dass in diesem Winter Individualsportarten noch mehr Aufwind erhalten. Das Tourengehen macht sehr viel Spaß. Man kann einfach loslaufen, ist für sich allein, kann abschalten und die Ruhe genießen", sagt Schmiedel. 

Dass das Skitouren-Gehen im Trend liegt, bestätigt auch Nico Mühling, Abteilungsleiter Sport im Hause Pecht in Bad Neustadt. Pecht verkauft zwar selbst keine Tourenski, übernimmt aber Service- und Montagearbeiten. Mühling geht davon aus, dass in diesem Winter Skitouren und Langlauf vermehrt Zulauf erfahren werden. 

Lehrbetrieb unter Corona-Bedingungen

Beim Bayerischen Skiverband wird derzeit viel Zeit und Mühe darauf verwendet, um den Lehrbetrieb auch unter Corona-Bedingungen durchführen zu können. Roland Zschorn etwa arbeitet momentan daran, für die Rhön Möglichkeiten zu entwerfen, zumindest Weiterbildungen für Tourengeher hier durchzuführen. Generell hält Zschorn, der in Landshut geboren wurde und seit 1996 in Rhön-Grabfeld lebt, die Bedingungen für das Skitouren-Gehen in der Rhön für gut.

Durch den Tiefschnee den Guslarferner Gletscher in den Ötztaler Alpen hinab. Nach dem anstrengenden Aufstieg machte die Abfahrt Roland Zschorn jede Menge Spaß. 
Foto: Bertil Jünemann | Durch den Tiefschnee den Guslarferner Gletscher in den Ötztaler Alpen hinab. Nach dem anstrengenden Aufstieg machte die Abfahrt Roland Zschorn jede Menge Spaß. 

Da man nicht auf einen Liftbetrieb angewiesen ist, könne man die Schneetage bei dieser Sportart effektiver nutzen. Jährlich seien hier teilweise 20 bis 30 Tage für Touren möglich. Auch in der Rhön befinde sich sein Hobby im Aufwärtstrend. "Vor rund zehn Jahren wurde ich noch mitleidig angesehen, als ob ich mir keine Liftkarte leisten kann. Ich galt als Exot. In den letzten Jahren hat sich diese Sparte unwahrscheinlich etabliert." Zschorn ist Mitglied im Skiklub Bad Neustadt, der auch Kurse im Skitouren-Gehen anbietet. Im Verein gebe es mittlerweile rund 30 Personen, die eine Vorliebe dafür entwickelt haben.

Lieblingsstrecke in der Rhön

Roland Zschorn ist gerne bereit, seine Lieblingsstrecke in der Rhön zu verraten. Diese beginnt am Dreitannenlift in Haselbach und führt parallel zur Familienabfahrt durch eine kleine Schneise mitten im Wald relativ steil zum Kreuzberg hinauf. Dann fährt der ehemalige Berufssoldat bergab in Richtung Feriensiedlung und läuft anschließend den Arnsberg hinauf, um von dort nach Oberweißenbrunn hinunter zu fahren. Wenn er gut drauf ist, macht er noch einen Abstecher zum Himmeldunkberg. Dort ist aber noch lange nicht Schluss. Er geht nämlich die ganze Strecke wieder komplett zurück. Insgesamt bewältigt Zschorn dabei rund 1200 Höhenmeter und braucht vier bis fünf Stunden.

Mit welchen Gefühlen blickt Roland Zschorn dem Corona-Winter entgegen? "Es ist, als wenn man bei starkem Nebel einen Berg hinunter fährt. Man muss immer schön langsam machen und auf Sicht fahren."

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