Rannungen

Thema spaltet Bürger und Räte

Mehr als 900 Fahrzeuge sind laut einer Verkehrszählung des Kreises täglich auf dem Ebenhäuserweg bei Rannungen unterwegs.
Foto: Isolde Krapf | Mehr als 900 Fahrzeuge sind laut einer Verkehrszählung des Kreises täglich auf dem Ebenhäuserweg bei Rannungen unterwegs.

Die KG 43 auf Eltingshäuser Seite ist so gut wie sicher. Der Landkreis möchte diese Trasse nach Rannungen weiterführen und für Autofahrer eine attraktive Anbindung des östlichen Landkreises gewährleisten. Er hat zudem eine große Umgehung um Rannungen in Aussicht gestellt. Am 26. Juli steht das Thema wieder im Gemeinderat zur Diskussion. Wir befragten Gegner und Befürworter des Projekts.

Zur Erinnerung: Im Mai waren die Bürger zur neuen KG 43 bis Rannungen und zu einer Umgehung befragt worden. 128 von 719 Wahlberechtigten, die sich äußerten, waren für den Bau der Umgehung bis zur bestehenden KG 8. Den Ausbau bis zum Maßbacher Weg könnten sich 281 Rannunger vorstellen. Gar keine Umgehungs wollen 308 Teilnehmer.

Schon zuvor, am 11. April dieses Jahres, hatte der Wirtschafts- und Umwelt-Ausschuss des Kreistags mehrheitlich beschlossen, dass die KG 43 bis Rannungen kommen soll. Zudem wurde festgelegt, dass der Landkreis eine komplette Umgehung bis zum Maßbacher Weg plant und den Bau derselben vorantreibt.

In der Gemeinderatssitzung am 31. Mai hatte man das Thema kontrovers diskutiert. Die Ratsmitglieder hatten sich mehrheitlich (mit 7:5) gegen den Bau einer Kreisstraße 43 entschieden. Mit Schreiben vom 7. Juli bat Landrat Thomas Bold die Kommune um Stellungnahme darüber, ob diese nun die Grundstücke, die sie im Zug des Flurbereinigungsverfahrens für den Bau der KG 43 erwarb, zur Verfügung stellen wird.

Wissen muss man hierzu, dass die KG 43 bereits 2001 im Rannunger Gemeinderat diskutiert wurde. Damals forderten die Ratsmitglieder sogar die Trassenänderung bis zum Gewerbegebiet „Westlich der KG 8“. Der Kreis ging 2002 darauf ein. Später hatte der Gemeinderat dem Ausbau der KG 43 zugestimmt und den Kreis mit der Planung betraut. Im Gegenzug sollte die Gemeinde Flächen für die künftige Straße kaufen. Am Dienstag geht es nun um die Frage, ob die Kommune dem Landkreis diese Flächen zur Verfügung stellt, falls die Nachbargemeinden sich für die neue Trasse aussprechen.

Joachim Weigand gehört zu den Gegnern der Trasse. Er glaubt, es werde dann mehr Verkehr in den Ort hineingelotst. Enttäuscht zeigt er sich, dass der Landkreis „keine Anstrengungen“ mache, mit den Ratsmitgliedern oder mit dem von dieser Kreisstraße stark betroffenen Landwirt Thomas Dömling zu reden. Zudem wollten Vereine wie TSV, Kindergarten-Verein und Waldkörperschaft die Straße nicht.

Harald Klopf (Bürgerliste) sagt ebenfalls nein zur neuen KG 43, weil es im Ort mehr Verkehr geben werde. „Zudem habe ich ein Problem mit der Flächenversiegelung.“ Wenn die Umgehung dennoch kommen sollte, dann aber komplett“ bis zum Maßbacher Weg, so Klopf weiter. Dass jetzt solche Uneinigkeit herrscht, habe seiner Ansicht nach auch damit zu tun, dass die Bürgerbefragung drei Antworten zuließ. Aus diesem Grund habe er auch für einen Bürgerentscheid plädiert.

Laut 2. Bürgermeister Werner Keller (seit März parteilos) sollte man statt die KG 43 zu bauen, lieber die bestehende KG 8 ausbauen. Er befürchtet mit der Trasse eine neue „Zerschneidung der Landschaft“. Ziel der Umgehung sei es, andere Straßen, wie die zwischen Schwarzer Pfütze und Reiterswiesen, dicht zu machen, sagt er. Deshalb erzeuge die Kreis-CSU einen „gewissen Druck“.

„Wir sind schon gestraft mit der Autobahn. Der Landverbrauch für eine weitere Straße ist zu groß“, sagt Ratsmitglied Johannes Beck (Freie Wähler). Eine Umgehungsstraße würde der Gastronomie und den Geschäften in Rannungen zum Nachteil gereichen, „denn die Laufkundschaft bleibt vielleicht weg“. Beck lehnt die Umgehung ab. 900 Fahrzeuge täglich auf dem Ebenhäuserweg rechtfertigten eine Trasse nicht.

„Wir kämpfen schon 30 Jahre für diese Straße“, sagt Wolfgang Röder (parteilos), der drei Legislaturperioden lang im Gemeinderat sitzt. Über Rottershausen und die Schwarze Pfütze zu fahren, ergebe 6,7 Kilometer mehr Strecke als wenn man die neue KG 43 nähme. Bei mehr als 900 Fahrzeugen pro Jahr wären das 120 000 gefahrene Kilometer mehr. „Und das soll jetzt ökologisch sein?“

Sybille Büttner (Bürgerliste) sagt „uneingeschränkt ja“ zur ganzen Umgehung, denn die Lebensqualität steige, wenn der Verkehr aus dem Ort verbannt ist. Wer ihr mit der „Flächenversiegelung“ kommt, dem sage sie, dass man dann auch keine Neubaugebiete mehr ausweisen dürfe.

„Die KG 43 ist für alle Kommunen rundum da, nicht nur für Rannungen“, argumentiert Bürgermeister Fridolin Zehner (CSU). Er sieht den Hauptvorteil für die Zukunft darin, das man junge Familien so am Ort halten kann, weil sie ihre Arbeitsstätten auf einer gut ausgebauten Verbindungsstraße erreichen können.

Auch Harald Leurer (parteilos) glaubt, eine gute Anbindung werte den Ort auf. Er spinnt die Pläne noch etwas weiter: Wenn die Ortsumgehung gebaut würde und sich Maßbach wegen der Engstelle im Ort auch noch für eine Umgehung erwärmte, könnte man beide Trassen am Autobahn-Zubringer bei Poppenlauer zusammenführen. Dann kämen auch die Rannunger schneller als bisher zur Autobahn.

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