GRAFENRHEINFELD

2000 AKW-Gegner bei Grafenrheinfeld: "Atomausstieg jetzt"

Atomkraft abschalten – jetzt: Das haben am Sonntag rund 2000 Demonstranten vor der Kulisse des AKW Grafenrheinfeld gefordert.
Foto: Silvia Gralla | Atomkraft abschalten – jetzt: Das haben am Sonntag rund 2000 Demonstranten vor der Kulisse des AKW Grafenrheinfeld gefordert.

„Atomausstieg jetzt“ verkündet ein Transparent im Demonstrationszug, der sich dem Kundgebungsgelände auf den Grafenrheinfelder Mainwiesen (Lkr. Schweinfurt) nähert. Das ist es, worum es den rund 2000 Atomkraftgegnern an diesem frühlingswarmen Sonntagnachmittag geht. Sie wollen nicht warten, bis Ende 2015 das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) vom Netz genommen werden soll – und bis 2022 schließlich der letzte Atommeiler. Mit der Demo wurde gleichzeitig auf den baldigen 27. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 hingewiesen.

Die Demonstranten wollen einen schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft und die raschere Umsetzung der Energiewende. Von zwei Richtungen aus sind sie zum Kundgebungsort marschiert: vom Lidl-Markt in Bergrheinfeld durch den Ort über die Brücke in den AKW-Standort sowie vom östlichen Rand Grafenrheinfelds aus. Der größte Teil der AKW-Gegner kam aus der näheren Umgebung. Mit mehreren Bussen waren aber auch Atomkraftgegner aus München, Freising, dem Bayerischen Wald und anderen Bundesländern angereist. Wie die Polizei mitteilte, verlief die Anti-AKW-Demo friedlich.

„Laufzeitverlängerung = Gefahrzeitverlängerung“ verkündet ein Transparent, „Verantwortung für unsere Enkel statt Konzernprofit“ ein anderes Schild. Nach Ansicht der Veranstalter vom Aktionsbündnis und dem Bund Naturschutz ist das Risiko für einen Super-GAU im KKG weiter gegeben. Babs Günther, Sprecherin des Schweinfurter Bündnisses gegen Atomkraft, forderte, den Meiler – dessen Kühltürme im Hintergrund der Kundgebungsbühne pausenlos Wasserdampf in den Himmel bliesen – sofort vom Netz zu nehmen. „Abschalten, abschalten“ skandierten sofort Hunderte Besucher.

„Eine Bewegung für das Leben“

„27 Jahre nach Tschernobyl und zwei Jahre nach Fukushima wächst der Widerstand gegen die Atomlobby“, rief Richard Mergner (Bund Naturschutz). Es sei eine „Bewegung für das Leben und gegen die Profitgier derer, die mit lebensbedrohlicher Energieversorgung Kohle machen wollen“. Katastrophenpläne für den Ernstfall spiegelten nur eine „Scheinsicherheit“ vor. „Das Restrisiko bis 2022 wollen wir nicht mittragen.“

Mergner und seine Nachredner riefen massiv zur Abwahl von CDU, CSU und FDP bei den Wahlen im Herbst auf. Nur unter öffentlichem Druck hätten diese nach Fukushima den Atomausstieg beschlossen, „aber ohne Grüne und SPD hätten wir kein Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und keinen Einstieg in den Ausstieg der Atomtechnologie“. Und: „Die heutigen Blockierer und Sabotierer der Energiewende sind die gleichen, die früher den Atomausstieg bekämpft haben.“ Uwe Hiksch von den Naturfreunden Deutschland forderte: „Nehmt diese Teufelsreaktoren vom Netz. Jeder Produktionstag bedeute mehr Atommüll. Der Euratom-Vertrag sei so zu ändern, dass künftig kein europäisches Geld mehr in Atomanlagen fließt, auch nicht in tschechische oder französische.

Auch der Grettstadter Öko-Landwirt Paul Knoblach steht hinter einem sofortigen Abschalten der Atomkraftwerke. „Man klagt nicht jeden Morgen, dass man im Schatten der Kühltürme lebt“, sagt er, „aber die Sorgen, dass etwas passieren könnte, sind immer da.“ Der Grafenrheinfelder Meiler soll planmäßig im Jahr 2015 stillgelegt werden. Er ist das älteste deutsche Atomkraftwerk in Betrieb.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Atomausstieg
Atome
Atomenergie
Atomkraftgegner
Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
Atomkraftwerke
Babs Günther
CDU
CSU
Demonstranten
Energiewende
FDP
Lidl
Paul Knoblach
Reaktorkatastrophe von Fukushima
Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
SPD
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (18)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!