SCHONUNGEN

Der junge Mann und sein Rathaus

100 Tage im Amt: Schonungens junger Bürgermeister Stefan Rottmann, hier in seinem Büro vor einer Collage der Zeitungsartikel zu seiner Wahl, die ihm Freunde zusammengestellt haben.
Foto: Holger Laschka | 100 Tage im Amt: Schonungens junger Bürgermeister Stefan Rottmann, hier in seinem Büro vor einer Collage der Zeitungsartikel zu seiner Wahl, die ihm Freunde zusammengestellt haben.

Eigentlich ist Stefan Rottmann ja ein Freund des Delegierens und der Arbeitsteilung. Und so möchte er seine beiden Stellvertreter im Amt des Bürgermeisters denn auch in die alltäglichen Freuden und Pflichten einbinden. Aber – das hat er in den 100 Tagen seiner Amtszeit schon gemerkt – so einfach ist das nicht. Manchmal schreit ein Termin förmlich nach dem obersten Rathaus-Chef. Und manchmal liegt ihm die Begegnung mit den Menschen so sehr am Herzen, dass er nicht anders kann, als selbst rauszufahren.

So ist das auch mit den vielen Geburtstagsbesuchen in der Großgemeinde. „Die Leute freuen sich so sehr, wenn sie mich persönlich kennenlernen“, sagt er und erzählt die Geschichte von einem Besuch bei einer älteren Dame. Die saß mit zwei Freundinnen beisammen und als Stefan Rottmann dazukam, packte das Quartett ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel aus und würfelte munter drauf los. „Eine Gaudi ham mir g'habt“, sagt Rottmann, nach zwei Stunden erst sei er gegangen. „Aber schreiben se's net, sonst denken die Leut', ich bleib überall so lang.“ Zu spät. Jetzt ist es raus.

Spontan und unbekümmert

Der 25-Jährige, immer noch jüngster hauptamtlicher Bürgermeister Deutschlands, hat sich viel von der Spontaneität und Unbekümmertheit bewahrt, die ihn wohl auch bei der Wahl im März mit nur drei Stimmen Mehrheit ins Amt gespült hat. Es war eine Zielfoto-Entscheidung gegen seinen CSU-Rivalen Martin Oßwald, den er seitdem „nie mehr gesehen hat“. Rottmann: „Noch nicht einmal eine Gratulation kam da, das finde ich schade.“ Zumal er ansonsten mit eigentlich allen politischen Gegnern seinen Frieden gemacht hat. Oder die mit ihm.

Freilich blies ihm, dem SPD-Mann, im mehrheitlich von der CSU dominierten Gemeinderat erstmal ein scharfer Wind ins Gesicht. Er spielt das herunter und verweist auf die inzwischen gute Kooperation und die angenehme Zusammenarbeit mit dem 2. Bürgermeister Thomas Rösch (CSU). „Das ist doch nur fair“, sagt er wieder so spontan und unverblümt, „die haben die Mehrheit und wir den Bürgermeister“.

Was gab es für einen medialen Wirbel um seine Person nach dem Wahlerfolg; was gibt es jetzt wieder zum 100-Tage-Jubiläum massenweise Anfragen überregionaler Fernsehsender und Zeitungen. Und: Was wurde nicht alles befürchtet, wenn ein so junger, unerfahrener „Spund“ den Chefsessel in der zweitgrößten Landkreis-Gemeinde besetzt. „Da wurde viel Blödsinn kolportiert“, erinnert sich Rottmann, „aber die befürchtete Heuschreckenplage blieb Gott sei Dank aus“.

Dennoch sei sein erster Tag als Bürgermeister für ihn „ein bisschen wie das Millennium“ gewesen. Selbst er war sich nicht so sicher, „ob alles normal weiterläuft oder doch irgendwas zusammenbricht“. Doch dann wurde er von der Belegschaft im Schonunger Rathaus „sehr freundlich und warm empfangen“, erhielt von Vorgänger Kilian Hartmann noch ein paar Tipps und fand sich im Übrigen schnell ins Amt ein. Das Angebot des Vorgängers, bei Problemen oder Fragen kurz bei ihm anzuklingeln, hat er bis heute noch nicht einmal genutzt: „Ich mach' hier mein eigenes Ding.“

Dieses „Ding“ besteht – entgegen der öffentlichen Wahrnehmung – nicht nur in der Begründung einer Schonunger Karnevalstradition mit einem ersten Faschingsumzug 2013, der Bewerbung für das Bayern-3-Dorffest oder der Überarbeitung des Weihnachtsmarkt-Konzepts. Nein: Rottmann will zwar mehr Leben in seiner Gemeinde, vor allem aber auch große Räder drehen. Und die heißen für ihn „Demografischer Wandel“, „Vermarktung der Baugebiete“ und „Ansiedelung von Gewerbe“. Viele Investorengespräche habe er schon geführt, eine Mietbörse ins Gemeindeblatt gehoben und eine neue Imagekampagne für Schonungen angestoßen. „Oberstes Ziel ist es, die 8000 Einwohner auf 81 Quadratkilometern zu halten und gegen den Trend noch zu wachsen“, sagt Rottmann.

„Ich wüsste mich zu wehren“

Seine Bürgermeistertage dauern von 8 bis 22 Uhr. Die Wochenenden sind ausgefüllt. Leidet darunter nicht das Private? „Am Anfang war das für meine Freundin und mich eine Riesenumstellung“, sagt er. Mittlerweile blocke er manchmal seinen Terminkalender, damit ihn die Mitarbeiter nicht mehr so „freihändig verplanen“. Und demnächst soll es zu zweit mal für ein paar Tage zum Wandern gehen, nach Garmisch: „Da kann ich mich entspannen.“ Das Joggen rund um Schonungen hat er aus Zeitgründen aufgegeben, aber erst zwei Kilo zugenommen.

Bleibt die Frage, wie der von den Medien Umgarnte und in der Gemeinde schon Etablierte mit den „CSU-Granden“ in seiner politischen Umgebung zurechtkommt? „Da hatte ich zunächst etwas Bammel“, bekennt der junge Mann, der sich – als Sohn einer Altlast-Betroffenen – viele Jahre in der Solidargemeinschaft umweltbewusster Bürger (SuB) engagierte, „aber die Aufnahme war durchwegs partnerschaftlich“. Inzwischen sagt er selbstbewusst: „Würde man mich ausbremsen, wüsste ich mich zu wehren.“

Stefan Rottmann ist Netzwerker. Er pflegt Beziehungen und einen großen Freundeskreis, saß unlängst beim Weinfest in Mainberg lange mit CSU-Staatssekretär Gerhard Eck zusammen, ist bei der Bayern-SPD gefragt. Er ist Sprecher der Allianz Schweinfurter OberLand und baut gerade – fluktuationsbedingt – seine Gemeindeverwaltung um. Er hat einen rappelvollen Terminkalender und braucht heute „beim Einkaufen doppelt so lang wie früher“, weil ihn alle ansprechen – zu Hause und auch in Schweinfurt. Seine Schlagzahl ist hoch, aber er ist erst 25, hat noch die Kraft der Jugend. Unwahrscheinlich, dass es demnächst ruhiger wird um den Polit-Shootingstar aus Schonungen.

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