WÜRZBURG

Gurlitt-Grafiken im Kulturspeicher zu sehen

Fund aus dem Depot: Diese Lithografie von Oskar Kokoschka aus dem Jahre 1922 zeigt Lily Christiansen-Agoston. Das Werk ist eine Schenkung von Wolfgang Gurlitt.
Foto: Kulturspeicher | Fund aus dem Depot: Diese Lithografie von Oskar Kokoschka aus dem Jahre 1922 zeigt Lily Christiansen-Agoston. Das Werk ist eine Schenkung von Wolfgang Gurlitt.

Jeder Künstler sah Wolfgang Gurlitt (1888–1965) ein wenig anders. Bei Edvard Munch lächelt der Berliner Kunsthändler verhalten. Lovis Corinth zeigt ihn im Jahr 1917 zwei Mal von vorn. Als Zauberprinz verkleidet stellte ihn Oskar Kokoschka dar. Max Pechstein und die Künstlerin Renée Sintenis haben sich in ihren Bildnissen auf den Kopf Gurlitts beschränkt; Sintenis fing die Physiognomie mit nur wenigen Strichen ein.

Seit Freitag wird der „Würzburger Kunstfund“ in Raum vier der Städtischen Galerie im Museum im Kulturspeicher erstmals präsentiert und ist bis 19. Januar 2014 zu sehen. Die insgesamt neun Grafiken – überwiegend Lithografien – sind nach Hinweisen dieser Zeitung und mehrfachem Suchen in den vergangenen Tagen nach und nach im Depot wieder aufgetaucht. Dazu zählt auch der sitzende Wolfgang Gurlitt von Max Pechstein aus dem Jahr 1919 oder ein Porträt von Lily Christiansen-Agoston von 1922, die mit Gurlitt eng befreundet war. Ein zweites Werk zeigt nicht den Kunsthändler, sondern eine allegorische Szene. Sie stammt von Alfred Kubin.

Die im Depot über Jahrzehnte vergessenen Grafiken sind ein Geschenk Wolfgang Gurlitts aus dem Jahr 1957. Er ist der Cousin von Hildebrand Gurlitt, der seinem Sohn Cornelius über 1400 Gemälde und Grafiken vererbt hatte und die seit knapp drei Wochen als „Münchner Kunstfund“ für Schlagzeilen sorgen.

Auch die Würzburger Grafiken finden bundesweit Beachtung. Nicht nur, weil momentan alles, was mit dem Namen „Gurlitt“ verbunden ist, Interesse weckt. Es ist auch der Umstand ihrer Entdeckung. Im Depot im Kulturspeicher lagern 30 000 Kunstwerke, die wenigsten wurden bislang inventarisiert.

Es gibt nur zwei Kunsthistorikerinnen: die Museumsleiterin Marlene Lauter und ihre Stellvertreterin Henrike Holsing. Aufgrund der öffentlich gewordenen Personalknappheit hat der Würzburger Stadtrat nun Geld für eine befristete Stelle bewilligt, um den Bestand zu erfassen. Dafür hatte sich Kulturreferent Muchtar Al Ghusain bereits vor Jahren eingesetzt, jetzt setzte er sich durch.

Demnächst wird es also nicht mehr zu Überraschungen kommen, wenn das Museum eine Anfrage erreicht – wie kürzlich geschehen: Im Main-Post-Archiv befindet sich ein Bericht von Juli 1957. Darin wird die „großartige Schenkung“ Wolfgang Gurlitts von neun Grafiken erwähnt.

Themen & Autoren / Autorinnen
Christine Jeske
Alfred Kubin
Edvard Munch
Galerien und Ateliers
Kunsthändler
Marlene Lauter
Max Pechstein
Muchtar Al Ghusain
Museum im Kulturspeicher
Oskar Kokoschka
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!