WÜRZBURG

Hungerstreik: Druck auf Haderthauer wächst

Nach 15 Tagen Hungerstreik: Drei Iraner mussten bereits im Krankenhaus behandelt werden.
Foto: T. Obermeier | Nach 15 Tagen Hungerstreik: Drei Iraner mussten bereits im Krankenhaus behandelt werden.

Ein zweites Mal haben die iranischen Asylbewerber aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft ihren Hungerstreik am Vierröhrenbrunnen verschärft. Seit diesem Montag trinken alle zehn Flüchtlinge nur noch Wasser. Fünf von ihnen verzichten bereits seit letzter Woche auf Kaffee, Tee und Säfte. „Wir wollen, dass endlich ein Verantwortlicher zu uns kommt und mit uns spricht“, sagte Hassan Hosseinzadeh im Gespräch mit Margarete Bause, der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag.

Gemeinsam mit der Landtagsabgeordneten Simone Tolle und dem Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell besuchte sie am Montag das Camp der Flüchtlinge. „Die Iraner sind zu allem entschlossen“, so Bause. „Sie sehen den Hungerstreik als letztes Mittel.“ Bereits seit 15 Tagen verzichten die Iraner auf Nahrung.

Noch während des Gesprächs musste einer der Flüchtlinge wegen Kreislaufproblemen im Krankenhaus behandelt werden. Es war inzwischen der dritte Vorfall dieser Art. Vor Ort kümmern sich zwei Würzburger Ärzte um die medizinische Versorgung der Iraner. Das Bayerische Rote Kreuz hat den Iranern Räume angeboten, für den Fall, dass sie ihren Streik fortsetzen. „So wären sie vor Witterungseinflüssen geschützt“, erklärte Bundesarzt Dr. Peter Sefrin in einer Pressemitteilung und appellierte dringend an die Iraner, den Streik einzustellen, bevor jemand einen ernsten gesundheitlichen Schaden erleidet.

„Sie haben bereits jetzt ein Zeichen gesetzt. Wir brauchen Sie weiterhin alle am Leben“, sagten auch die Grünen und baten die Asylbewerber, ihren Kampf auf andere Weise fortzuführen. Gleichzeitig kritisierten sie die Haltung der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer. Diese lehnte ein Treffen mit den Flüchtlingen bislang ab. „Die Unterbringung der Asylbewerber liegt definitiv in ihrer Zuständigkeit“, so Bause. „Wir erwarten, dass sie auf die Flüchtlinge zugeht.“ Die gleiche Forderung ging an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das für die Asylverfahren der Iraner zuständig ist.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib besuchte das Camp ein weiteres Mal. „Die fehlende Bereitschaft der Staatsregierung hat die Absicht der Asylbewerber verfestigt, den Hungerstreik fortzusetzen“, so Halbleib in einem Brief an Haderthauer. Ähnliche Töne schlägt der Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn von den Freien Wählern an: „Ich bitte Sie, kurzfristig ein Zeichen zu setzen und zumindest die Probleme dieser Menschen anzuhören“, schreibt er an den bayerischen und den Bundesinnenminister.

Zunächst steht für die Politiker der Dialog im Vordergrund. Politische Veränderungen bräuchten hingegen Zeit. „Die Entscheidung über eine Anerkennung der Flüchtlinge liegt natürlich bei den Gerichten“, so Bause. „Aber wir werden alle Möglichkeiten nutzen, um die Lage der Asylbewerber zu verbessern.“ In einem Antrag an die Staatsregierung fordern die Grünen einen Bericht über die aktuelle Situation in Würzburg sowie geplante Maßnahmen.

Derweil schlägt Haderthauer auch aus der eigenen Fraktion erste Kritik entgegen. „Sie sollte sich vor Ort ein Bild machen“, sagte der CSU-Abgeordnete Hermann Imhof im Bayerischen Rundfunk. Nur wenn man sich ein eigenes Bild mache, werde man betroffen – und dann gehe auch das Handeln schneller.



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