WÜRZBURG

Sind Fensterheber eine Todesfalle?

Wird der elektrische Scheibenheber eines Fahrzeugs automatisch zur Todesfalle, wenn ein Auto von der Fahrbahn abkommt und in einen Fluss oder See stürzt? Führt der Kontakt mit dem Wasser automatisch zum Kurzschluss, der alle Funktionen außer Betrieb setzt? Diese Fragen werden jetzt heftig diskutiert nach einen Verkehrsunfall vor einer Woche, bei dem zwei Frauen, Mutter und Tochter, mitten in Würzburg im Hochwasser des Mains landeten und sich durch die Seitenfenster retten konnten. Sie hatten gekurbelt in ihrem älteren Modell.

Unfall am Main       -  Polizei und Rettungskräfte waren am Dienstag am Mainkai im Einsatz, nachdem dort ein Auto in den Fluss gestürzt war. Die beiden Insassen konnten sich wie durch ein Wunder selbst retten.
Foto: FOTO Theresa Ruppert | Polizei und Rettungskräfte waren am Dienstag am Mainkai im Einsatz, nachdem dort ein Auto in den Fluss gestürzt war. Die beiden Insassen konnten sich wie durch ein Wunder selbst retten.
Glück in jeder Hinsicht hatten die beiden ohnehin. Ein 79jähriger hatte den Kleinwagen der beiden in Höhe der Alten Mainbrücke beim Ausfahren aus einem Parkhaus seitlich gerammt und in den Main katapultiert. Das Auto war zunächst aus einer gefährlichen Seitenlage wieder in eine stabile Lage gekippt und kurze Zeit auf der Flut geschwommen. Geistesgegenwärtig hatte die Mutter in der katastrophalen Situation noch die Kommandos gegeben: „Abschnallen, Fenster runter, raus und schwimmen“. Der Main hatte Minuten später das Auto „geschluckt“. Die beiden Frauen, 18 und 52 Jahre alt, konnten sich retten.

Nachdem der erste Schock verflogen war, kam das Nachdenken. Per Zufall hatten sie nicht den neueren Volvo der Familie benutzt, wie ursprünglich angenommen, sondern einen älteren Kleinwagen. Da konnten die Fenster noch per Hand gekurbelt werden. Hätten sich die Fenster auch noch öffnen lassen bei moderner Technik mit einem Fensterheber? Wie schnell kommt es im Wasser zu einem Kurzschluss?


Dass die beiden Frauen alles Glück der Welt hatten, bestätigen uns auch zwei Experten. Manfred Oppitz von der TÜV-Niederlassung Würzburg und Günther Götz von der Technischen Beratung des ADAC Nordbayern in Nürnberg sagten unisono, einen sofortigen Zusammenbruch der gesamten elektrischen Anlagen im Auto durch einen Kurzschluss werde es bei einem Unfall dieser Art nicht geben. Tests speziell zu den Fensterhebern, mit denen heute fast jeder Neuwagen ausgestattet ist, kannten zwar beide nicht. Laut Günther Götz gibt es aber Versuche mit Fahrzeugen die ins Wasser gebracht wurden und noch sehr lange die Lichter brannten.

Solange ein Fahrzeug noch auf dem Wasser schwimmt, ist ein Kurzschluss ohnehin kein Thema, so Oppitz. Die Gefahr droht erst, wenn es ganz unter Wasser ist. Dann spielen die Seitenfenster zur Rettung in der Regel aber eine andere Rolle. Ein korpulenter Mensch könnte ohnehin nicht, wie im vorliegenden Fall, durch das Seitenfenster aussteigen. Die Fenster müssten dann geöffnet werden, um das Wasser in den Innenraum zu lassen und Druckausgleich zu schaffen, damit sich die Türen öffnen lassen. Manfred Götz geht außerdem von einer relativ niedrigen Kurzschluss-Gefahr aus, bei der geringen 12-Volt-Spannung eines Fahrzeugs sei diese zumindest nicht unmittelbar.

Die Probleme liegen nach Aussagen der Fachleute ohnehin woanders. Die richtige Reaktion sei natürlich, abschnallen und raus so schnell es geht. In der Regel kann aber nicht richtig reagiert werden, weil die Betroffenen verletzt sind, einen Schock haben oder in Panik geraten und deshalb oft falsch reagieren. Dann wird es schwierig, wenn man wirklich nur Sekunden Zeit hat, so Oppitz.

Noch einmal anders ist die Situation, wenn das Auto kippt und mit dem Dach zuerst ins Wasser fällt, was im vorliegenden Fall durchaus hätte passieren können, wenn der Main nicht Hochwasser geführt hätte. In einem solchen Fall wird es schon ein echtes Problem wenn nicht gar unmöglich, sich aus dem Gurt zu lösen, weil der Körper mit seinem ganzen Gewicht darin hängt. Dann ist es auch deutlich schwieriger, sich zu orientieren und auch noch richtige Entscheidungen zu treffen.

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