WÜRZBURG

Skeptiker bieten eine Million Euro für ein Wunder

Der Wassersucher: Kandidat Klaus Förster (mit dem Biotensor in der rechten Hand) bei dem Versuch, ein unter einer von zehn Pappschachteln verstecktes Wasserglas zu orten.
Foto: GWUP | Der Wassersucher: Kandidat Klaus Förster (mit dem Biotensor in der rechten Hand) bei dem Versuch, ein unter einer von zehn Pappschachteln verstecktes Wasserglas zu orten.

Glauben Sie, dass es Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten gibt? Solche, die Gedanken lesen, Teller schweben lassen oder die Zukunft vorhersagen können? Rainer Wolf von den deutschen Skeptikern hat es mit Leuten zu tun, die paranormalen Erscheinungen zugetan sind. Zu ihm und seinen Kollegen pilgern Damen und Herren, die überzeugt davon sind, sie selbst seien mit übersinnlichen Gaben gesegnet. Angemieteter Versuchsort: Uni Würzburg. Ziel der Kandidaten: Wolf und seinen Mitstreitern von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften beweisen, dass sie übersinnliches Wissen haben. Bis jetzt hat das noch keiner geschafft.

Drei Kandidaten erschienen nicht

Wolf und seine Kollegen glauben nicht an Hokuspokus. Aber sie setzen sich mit ihm auseinander. Sie schenken demjenigen, der in wissenschaftlichen Tests nachweisen kann, dass er paranormale Fähigkeiten besitzt, eine stolze Summe Geld. Dieses Jahr zum ersten Mal im Jackpot: eine Million Euro, ausgelobt von den Skeptikern in Belgien.

Kein Wunder also, dass in den vergangenen Monaten bei Wolfs Skeptiker-Kollegen Martin Mahner immer wieder das Telefon klingelte. Sechs mutige Damen und Herren mit vermeintlich unglaublichen Fähigkeiten wollten im August zum bekannten Würzburger PSI-Test antreten. Ein Kandidat kurioser als der andere. Doch nur drei Herren schafften es überhaupt bis zum Test. Der Rest machte vorher schlapp.

Kandidat Nummer eins schied noch vor seiner offiziellen Anmeldung aus. Seine besondere Fähigkeit war wohl doch nicht so übersinnlich, wie er glaubte. Er behauptete, er könne sich auf einer handelsüblichen Waage um mindestens zehn Kilo leichter machen – mit nachweisbarer Anzeige auf dem Display des Geräts. Einzige Bedingung: Er müsse sich zur Konzentration auf der Waage lediglich etwas einschwingen. Was der Mann offenbar nicht wusste: Elektronische Waagen messen das Gewicht etwa alle 0,5 Sekunden. Eine Waage, die genau dann misst, wenn der Mann gerade mit seinem Körper nach oben schwingt, kann natürlich nicht sein volles Gewicht erfassen. Als die Skeptiker ihm das erklärten, wollte sich der Herr lieber doch nicht mehr für den PSI-Test bewerben.

30 Sekunden lang schweben

Kandidatin Nummer zwei meisterte zwar die Hürde der Anmeldung, sagte aber kurz vor dem PSI-Test wieder ab. Dabei wäre ihre Nummer, sollte sie denn funktionieren, sicherlich spektakulär gewesen. Die Dame erklärte, sie könne 30 Sekunden lang sichtbar in einem Meter Höhe schweben. Den Skeptikern hätten schon zehn Sekunden gereicht, und ein ganzer Meter hätte es auch nicht sein müssen. Eigentlich ein Leichtes für einen Schwebe-Profi. Dann aber machte die Dame unerwartet einen Rückzieher. Nichts war es mit der Schwebe-Nummer.

Nicht viel anders erging es Kandidat Nummer drei. Er behauptete, er könne erahnen, welcher von den 16 Kontakten in einem selbst gebauten Holzkasten mit dem negativen Pol einer Batterie verbunden sei. Doch er wurde vor dem Test krank und büßte seine raffinierte Fähigkeit ein.

Die verbliebenen drei Kandidaten reisten nach Würzburg und unterzogen sich teils stundenlangen Tests, zur Sicherheit mit der Videokamera gefilmt und mit mehreren Versuchsgruppen durchgeführt, die sich während der Tests nicht sehen und sprechen durften. Weder die Kandidaten noch die Skeptiker sollten schließlich schummeln können.

Der erste Kandidat wollte mit einer speziellen Holzplatte sogenannte „Störfelder“ im Raum orten und abwehren. Von 50 Einzelversuchen hatte er aber nur 30 Treffer, wissenschaftlich betrachtet ein reines Zufallsergebnis. Die Skeptiker verlangten mindestens 40 richtige Versuche. Seine Holzplatte war der Wirkungslosigkeit überführt.

Geburtstage sehen und Stein orten

Der zweite Kandidat wollte Wasser orten können. Die Skeptiker stellten also ein Glas Wasser unter einen von zehn verdeckten Behältern und ließen ihn 13 Mal bestimmen, wo es sich befand. Siebenmal musste er richtig liegen. Der Kandidat landete zu seiner eigenen Verwunderung jedoch keinen einzigen Treffer.

Eigentlich wollte er ja noch in einer weiteren Disziplin antreten (er behauptete, er könne Leuten ihr Geburtsdatum ansehen), aber nach dem anstrengenden Wassertest war er dafür zu geschlaucht. Sein Fazit: ein anderes Mal.

Auch der dritte Kandidat brachte nichts zustande. Er wollte einen „strahlenden Kieselstein“ orten, den er selbst mitgebracht hatte. Nun ja, es blieb beim Wollen. Kein einziger Treffer. Warum, das konnte sich der Herr auch nicht erklären. Dass er einer Selbsttäuschung unterlag, wollte er nicht einsehen, genauso wenig wie die anderen beiden angetretenen Kandidaten.

„Die Kandidaten lügen nicht. Sie glauben wirklich, dass sie die Fähigkeiten haben“, erklärt Wolf. „Dieses Einbilden ist aber ein Fantasieerlebnis.“ Der Würzburger PSI-Test sei also in erster Linie nicht ein „kostenloses Lottospiel“ für die Kandidaten, sondern eine Art Hinweis: „Schaut, wie viele Leute es gibt, die glauben, dass sie übersinnliche Fähigkeiten besitzen. Und immer noch ist der Preis da.“

Im kommenden Jahr testen Wolf und Mahner wieder paranormale Fähigkeiten. Ob der Jackpot dann geknackt wird, bleibt zu bezweifeln.

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