Aidhausen

Aidhäuser Dorfladen gewinnt bundesweiten Wettbewerb

Bei "Gemeinsam stark sein" können Bürger für ihr Lieblingsprojekt abstimmen. Dabei wusste das Gesamtkonzept als Laden und Mehrgenerationenwerkstatt zu überzeugen.
Mit dem Dorfladen (Archivbild von 2011) hat die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land in Aidhausen einen neuen Dorfmittelpunkt geschaffen. Besonders wichtig dabei war die Teilhabe der Bevölkerung.
Foto: Alois Wohlfahrt | Mit dem Dorfladen (Archivbild von 2011) hat die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land in Aidhausen einen neuen Dorfmittelpunkt geschaffen. Besonders wichtig dabei war die Teilhabe der Bevölkerung.

Dorfläden, Mehrgenerationenhäuser, Cafés – all das sind Einrichtungen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in vielen Dörfern entstanden sind und von den Kommunen gefördert und unterstützt werden. Ziel ist es, die Dörfer zu beleben, indem Einkaufs- und Treffmöglichkeiten geschaffen werden, für die die Menschen nicht in die nächstgrößere Stadt fahren müssen. In Aidhausen finden sich gleich mehrere dieser Ideen unter einem Dach wieder: In einem Gebäude vereint gibt es einen Dorfladen, eine Mehrgenerationenwerkstatt, ein Café, einen Paketshop, eine Bü-cherei und einen Lieferservice. Auch Ausstellungen, Vorträge oder VHS-Kurse, Spielenachmittage sowie wöchentliche Seniorenessen finden in den Räumlichkeiten statt. Mit diesem Angebot hat der Aidhäuser Dorfladen nun den bundesweiten Wettbewerb "Gemeinsam stark sein" gewonnen.

Mehr als 5000 Menschen haben abgestimmt

Ins Leben gerufen hat diesen Wettbewerb im Jahr 2010 die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume. LEADER-, ILE- und Vital-Regionen können dabei originelle Projekte ins Rennen schicken, Bürger dürfen dann online abstimmen, welches davon gewinnen sollte. In diesem Jahr stand der Wettbewerb unter dem Motto: "Täglich gut versorgt". "An der Online-Abstimmung nahmen über 5000 Menschen teil", heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zum diesjährigen Wettbewerb. Laut dem Schreiben hat es 27 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet gegeben.

"Es ist uns wichtig, dass solche Projekte, die von Ehrenamtlichen getragen werden, gefördert werden", betont der Aidhäuser Bürgermeister Dieter Möhring. Er freue sich mit den Menschen, die sich in der Einrichtung engagieren und hoffe darauf, dass diese auch weiterhin ihre Gemeinde unterstützen.

Keine Chance für kleine Orte?

Dabei sei Möhring erst skeptisch gewesen, ob es überhaupt etwas bringen würde, sich bei dem Wettbewerb zu bewerben, berichtet Philipp Lurz, Allianzmanager der Gemeinde-Allianz Hofheimer Land, der den Bürgermeister auf "Gemeinsam stark sein" aufmerksam gemacht hatte. Möhring habe die durchaus begründete Befürchtung geäußert, dass eine so kleine Gemeinde wie Aidhausen kaum Chancen auf einen Preis hätte, der nicht von einer Experten-Jury vergeben wird, sondern durch eine Abstimmung, an der sich jeder Bürger beteiligen kann. Denn wenn man davon ausgeht, dass die meisten Stimmen von Menschen abgegeben werden, die ein Projekt aus dem eigenen Heimatort unterstützen wollen, wird eine große Einwohnerzahl zum klaren Vorteil.

Alles unter einem Dach: In diesem Gebäude in Aidhausen finden sich neben dem Dorfladen auch noch eine Mehrgenerationenwerkstatt, ein Café und eine Bücherei.
Foto: Gudrun Klopf | Alles unter einem Dach: In diesem Gebäude in Aidhausen finden sich neben dem Dorfladen auch noch eine Mehrgenerationenwerkstatt, ein Café und eine Bücherei.

Dennoch bewarb sich die Hofheimer Allianz mit dem Aidhäuser Gesamtprojekt aus Dorfladen und Mehrgenerationenwerktstatt, und konnte bald den ersten Erfolg verbuchen. Denn jedes Bundesland durfte nur eine begrenzte Zahl an Projekten ins Rennen schicken - wie viele, das gibt ein Schlüssel vor, der auch die Größe der Länder mit einbezieht. Damit, dass der Freistaat Bayern unter anderem die Aidhäuser auswählte, war schon einmal die erste Hürde genommen.

Bei der Prämierung streikte die Technik

"Dann haben wir angefangen, die Werbetrommel zu rühren", berichtet Philipp Lurz. Über Soziale Medien und andere Kanäle machte die Hofheimer Allianz auf den Wettbewerb aufmerksam und forderte die Bürger zur Abstimmung auf, wobei der Allianzmanager zugibt: "Wir haben uns keine großen Chancen ausgerechnet."

Die Prämierung fand dann – coronabedingt – online statt. Die Hofheimer Allianz bekam zunächst die Nachricht, dass der Aidhäuser Dorfladen unter den Top 3 des Wettbewerbs gelandet sei und wurde damit zur virtuellen Preisverleihung eingeladen. "Der Glanz fehlt ein bisschen", beschreibt Philipp Lurz die Stimmung bei dieser Telefonkonferenz; eigentlich hätte die Preisverleihung im Januar auf der Internationalen Grünen Woche stattfinden sollen. Dazu kam noch, dass die Technik nicht ganz funktionierte. So bekam er zwar die Nachricht mit, dass Aidhausen auf Platz 1 gelandet war, aber: "Ich konnte nicht antworten und keinen Jubelschrei loslassen." Die Freude sei aber trotzdem groß gewesen.

Preisverleihung wird nachgeholt

Insgesamt zeigte sich bei der Preisverleihung auch, dass der Freistaat Bayern bei der Auswahl der Projekte für den bundesweiten Wettbewerb in diesem Jahr ein glückliches Händchen hatte: Auch der 3. Preis wanderte nach Bayern, nämlich an den Verein "Allgäuer Bäcker". Platz 2 ging an die Marktscheune Meckesheim (Baden-Württemberg).

Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, die den Wettbewerb ausrichtet, betont allerdings: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Demnach soll eine richtige Preisverleihung nachgeholt werden, nämlich beim LEADER-Treffen im April.

Ein weiterer Grund zur Freude für den Allianzmanager: Es war kein knapper, sondern sogar ein recht deutlicher Vorsprung, mit dem der Aidhäuser Dorfladen seinen Sieg holte. Rund 1500 Menschen stimmten für das Projekt. Das sei besonders beeindruckend, wenn man diese Zahl ins Verhältnis setzt zur Einwohnerzahl von Aidhausen: Im Dorf selbst wohnen nur etwa 750 Menschen und auch die gesamte Gemeinde hat weniger als 2000 Bürger.

"Wir sind stolz auf unseren Dorfladen"

Als Preis hat der Aidhäuser Dorfladen damit ein Catering gewonnen, das beispielsweise für ein Helfer-Fest genutzt werden kann. Und die Zahl der Helfer ist groß: Auf der Internetseite der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume, auf der die Wettbewerbsteilnehmer vorgestellt werden, heißt es im Beitrag zum Aidhäuser Dorfladen, dessen "Schlüssel zum Erfolg" sei auch, dass mehr als die Hälfte der Aidhäuser Haushalte Teilhaber sind. Die Beteiligung der Bevölkerung reicht von der finanziellen Unterstützung bis zur Hilfe bei Arbeiten wie Dachdecken oder Streichen.

"Wir sind sehr stolz, dass wir gewonnen haben", sagt Mitarbeiterin Michele Klavdianos, die verriet, sie sei von dem Sieg total überrascht gewesen. "Wir sind stolz auf unseren Dorfladen."

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