Hassfurt/Ueschersdorf (bd) Hobby und Beruf zu verbinden, ist der Traum vieler Pferdenärrinnen. Heike Schmitz und Sabine Brix haben ihn verwirklicht: Sie bieten Therapeutisches Reiten an.
Schon mit neun Jahren saß die Haßfurterin Heike Schmitz im Sattel. Drei Jahre später kam das erste Pferd auf den Hof. Mit 15 begann sie, Pony-Freizeiten zu betreuen. Ihr Berufswunsch: "Sozialpädagogin und irgendwas mit Pferden machen".
Zielstrebig setzte sie diesen Wunsch um. Während ihres Sozialpädagogik-Studiums machte sie eine dreijährige Ausbildung zur Reitpädagogin, die sie durch Jobben als Erzieherin und durch Reitstunden finanzierte. Mittlerweile hat die 28-Jährige eine Stelle in einer Heilpädagogischen Tagesstätte. Dabei bietet sie auch Therapeutisches Reiten auf dem Hof ihrer Eltern an.
Der Umgang mit einem lebendigen Wesen ist dabei wichtiger als Reiten zu lernen. "Selbstständigkeit, Beziehungsarbeit, Umgang mit Aggression," nennt Schmitz als Ziele bei den meist verhaltensauffälligen Jugendlichen. Die Pferde übernehmen dabei eine Erzieher-Rolle. "Wenn die Pferde motzen, wird es akzeptiert, wenn ich Kritik übe, oft weniger", sagt Schmitz.
Das stellt hohe Anforderungen an die Tiere. Deshalb hat Heike Schmitz ihre beiden Pferde gründlich ausgebildet. "Die Pferde müssen viel einstecken", so Schmitz. Da brauchen die zierliche braune Stute Leonie, mit ihren 19 Lenzen immer noch topfit, und ihre etwas stämmigere Kollegin Maggie auch ihren Ausgleich, einen zünftigen Ausritt zum Beispiel.
Die Themen und Formen beim Therapeutischen Reiten sind bei Mädchen und Jungen verschieden. In einer "Mädchenstunde" wird oft einfach das Pferd schön gemacht und geratscht. So ganz nebenbei werden Themen wie Hygiene oder Umgang mit Gefühlen und Wünschen behandelt. Für die Jungs geht es mehr um die Frage "Wie setze ich mich durch"? Und das bedeutet Bodenarbeit im so genannten Round Pen, einem eingezäunten runden Reitplatz.
Ein Pferd vom Boden aus nur durch die Körpersprache zu dirigieren, ist ein Schwerpunkt in der Arbeit von Sabine Brix aus Ueschersdorf. Nicht zuletzt durch den "Pferdeflüsterer" Monty Roberts wurde diese Methode der Verständigung mit Pferden bekannt. Ohne Zügel oder Leine kann man die Gangart und die Richtung bestimmen. "Sogar aus zehn Meter Abstand", berichtet Sabine Brix, "lässt sich das Pferd lenken". Das setzt ein sicheres Auftreten und gute Körperarbeit voraus. Deshalb kann die Psychotherapeutin diese Methode in der Reittherapie, die sie unter anderem für Kinder und Jugendliche der Heilpädagogischen Tagesstätte der Bettenburg an-bietet, gut einsetzen: Ängste werden abgebaut, das Selbstvertrauen wächst.
"Die Arbeit mit den Pferden ist etwas, das mich aufbaut, eher Kraft gibt als nimmt", sagt Sabine Brix. Aber sie sieht die Sache auch nüchtern: Ich hätte die Pferde nicht, wenn ich nicht das Therapeutische Reiten anbieten würde". Über diesen Nutzen würden die Kosten wenigstens zum Teil wieder hereingeholt.