Haßfurt

Bewährungsstrafe: Finanzberater verzockte Kundengelder

Er brachte über Jahre mehrere gutgläubige Kunden um deren Erspartes. Das Geld ging bei Sportwetten und in Spielhallen drauf. Das Gericht präsentierte jetzt die Rechnung.
Symbolbild: Ein Finanzberater aus dem Landkreis Haßberge hat über mehrere Jahre immer wieder hohe Geldbeträge von Kunden veruntreut. Das Amtsgericht Haßfurt verurteilt den Mann jetzt zur einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Foto: Oliver Berg, dpa | Symbolbild: Ein Finanzberater aus dem Landkreis Haßberge hat über mehrere Jahre immer wieder hohe Geldbeträge von Kunden veruntreut.

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren seit 2010 hat ein Finanzberater aus dem nördlichen Landkreis das Vermögen seiner Kunden entweder durch hochriskante Geldanlagen vernichtet oder gleich durch Sportwetten oder in Spielhallen verzockt. Am Mittwoch verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht den 46-Jährigen wegen zweifachen Betrugs und Unterschlagung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Fünf der insgesamt acht Anklagepunkte hatte das Gericht zuvor eingestellt. Zugleich ordnete das Gericht die Einziehung von Wertersatz in Höhe von 25 000 Euro an.

Risikoreiche "Hebelgeschäfte"

Mit den größten Schaden verursachte der Angeklagte im Jahr 2015. Um sein Wohnhaus aufzustocken, vertraute ein Ehepaar aus dem Maintal dem Angeklagten 83 000 Euro geliehenes Geld an. Der Finanzberater versprach den Kunden, aus den 83 000 Euro innerhalb eines halben Jahres 200 000 Euro zu machen. Somit wäre der Hausbau finanzierbar. Das Geld wollte er durch ein "Sparmodell" vermehren. Dabei plante er, in sogenannte "Hebelgeschäfte" zu investieren, bei denen ein zehnfacher Gewinn, aber auch ein zehnfacher Verlust erzielt werden kann. Über das Risiko habe sie der Mann, den sie vor Gericht als "Anlügeberater" bezeichnete, nicht aufgeklärt. Um die 83 000 Euro von der Bank als Darlehen zu bekommen, hätten sie und ihr Ehemann das Haus der Eltern beliehen. Nun sei das Geld weg. Den Hausbau hätten sie gestoppt. Als sie den Angeklagten nach dem Verbleib des Geldes ansprachen, habe er sich tausendmal entschuldigt. Er sei spielsüchtig und habe das Geld nicht angelegt, sondern in einer Spielhalle verzockt.

Zehn Prozent Zinsen pro Woche versprochen

"Ich war jung, naiv, dumm und am Ende nervlich kaputt", sagte die 28-jährige Zeugin. Auch 12 000 Euro für einen Leasingvertrag für ein neues Auto hätten sie und ihr Mann dem Angeklagten gegeben. Doch hätten sie weder das neue Auto noch ihr Geld je wieder gesehen. Deshalb erstatteten sie im November 2016 Anzeige. Ein anderes Ehepaar zahlte dem Angeklagten 30 000 Euro. Dafür versprach der Finanzberater zehn Prozent Zinsen pro Woche. Das Geld sollte sich innerhalb eines Jahres verdreifachen, um dann damit ein Darlehen abzulösen. Doch auch aus diesem erhofften Geldsegen wurde nichts. Das Geld war futsch. "Er verkaufte es sehr gut. Ich vertraute ihm", sagte die geleimte Kundin im Zeugenstand.

Seine eigene Lebensgefährtin trieb der Angeklagte in die Privatinsolvenz. Wiederholt besorgte er sich laut Anklageschrift Geld von deren Konto. Für einen Hausbau legte das Paar nach Aussage der ermittelnden Kripo-Beamtin ein gemeinsames Baukonto an. Doch anstatt auf das Konto einzuzahlen, räumte es der Angeklagte leer, indem er einen mittleren fünfstelligen Betrag abhob. Bei einer Hausdurchsuchung sei nichts zu holen gewesen, sagte die Kripo-Beamtin. Der Angeklagte wohne in einem kleinen Zimmer im Elternhaus. Eine Offenlegung seines Vermögens im Jahr 2016 habe ergeben, dass er mittellos ist.

Mann mit Knast-Erfahrung

Ein Unbekannter ist der 44-Jährige bei Gericht nicht. Viermal wurde er bereits wegen Betrugs verurteilt. Eine Geldstrafe saß er im Gefängnis ab, weil er sie nicht bezahlen konnte. Nach eigenen Angaben hat der gelernte Versicherungskaufmann rund 200 000 Euro Schulden. Der Staatsanwalt forderte eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Verteidiger Emil Noglu aus München hielt ein Jahr auf Bewährung für angemessen. In einem Anklagepunkt habe sich sein Mandant selbst belastet und so die Anklage erst ermöglicht. Außerdem habe er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er sei in einer "Alles-wird-gutgehen-Laune" gewesen und habe ein Schneeballsystem betrieben, mit dem er sich selbst ruinierte.

Das Gericht blieb in der Mitte der beiden Anträge. Als Auflage muss der Verurteilte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Richterin Kerstin Leitsch bescheinigte dem Angeklagten eine hohe kriminelle Energie. "Sie haben sich durch die Gegend gemogelt und viele Menschen in Not gebracht", redete sie ihm ins Gewissen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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