Bramberg

Bramberg: Warum der Wald nie verschwindet, aber bald anders aussieht

Eine Tour durch das Revier bei Ebern bot die Forstverwaltung an. Die Teilnehmer bekamen vom Förster und dem Betriebsleiter teils Erschreckendes zu hören.
Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner vor gefälltem Käferholz.
Foto: Martin Schweiger | Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner vor gefälltem Käferholz.

Ein Ereignis in seiner Zeit als Förster in Südbayern wird Revierförster Jochen Haala wohl für immer in Erinnerung bleiben. Damals stürzte in einem Waldstück ein Ast auf ein Auto. Die Insassen, eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern, kamen dabei ums Leben. Haala erzählte dieses tragische Unglück anlässlich des Waldbegangs am Samstag rund um die Burgruine Bramburg.

Er wollte damit verdeutlichen, dass auch von unseren heimischen Wäldern durch die Trockenheit und das damit einhergehende Baumsterben eine immer größere Gefahr ausgeht, wenngleich die Gefahr auf Straßen und auch auf Waldwegen eher überschaubar ist.

Der Förster ist immer in der Haftung

Denn der Gesetzgeber schreibt den Förstern eine "Verkehrssicherungspflicht" vor, nach der sie dafür zu sorgen haben, dass Äste oder sogar ganze Bäume nicht auf Straßen und Wege fallen. Daher ist Haala regelmäßig mit Mitarbeitern des Straßenbauamt unterwegs, um morsche oder abgestorbene Bäume am Straßenrand zu fällen. Für die Mithilfe des Amts bedankte sich Haala ausdrücklich. Denn falls doch etwas passiert, haftet der Förster, so Haala.

Gefährlicher wird es im Wald selbst. Vor allem von abgestorbenen Buchen gehe eine größere Gefahr aus. Deren Äste würden schneller abbrechen. Daher weise er seine Forstarbeiter an, immer Helme zu tragen, sagte der Förster aus Bundorf. "Die Gefahr wird unterschätzt", warnte er die Teilnehmer des Rundgangs, aber auch Pilzsammler oder Wanderer.

Der Klimawandel macht richtig große Probleme

Den Grund für die steigende Gefahr nannte Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner von der Staatlichen Forstverwaltung in Bad Königshofen. Der Staatswald rund um Bramberg bedeckt 2200 Hektar Fläche und leidet unter Trockenheit und Hitze. "Die acht wärmsten Jahre der Wetteraufzeichnungen, die es seit 1881 gibt, lagen im vergangenen Jahrzehnt", sagte Stölzner. Die Trockenheit habe parallel dazu zugenommen. So stünde den Bäume bis zur einer Tiefe von 150 Zentimetern im Boden immer weniger Wasser zur Verfügung. Dies habe sich an Fällungen von Buchen gezeigt. Während im Frühjahr nach der Fällung noch Wasser aus dem Stamm lief, sei das Holz von kürzlich gefällten Bäume so trocken, dass keinerlei Wasser mehr austrat.

Revierförster Jochen Haala (Dritter von rechts) führte durch den Wald bei Bramberg.
Foto: Martin Schweiger | Revierförster Jochen Haala (Dritter von rechts) führte durch den Wald bei Bramberg.

Durch den Klimawandel würden sich in ganz Bayern neue "Waldgesellschaften" bilden, die wir so jetzt noch nicht kennen. Die "Waldgesellschaften" der vergangenen 200 bis 300 Jahre, in denen das Klima relativ stabil war, würden verschwinden. "Bestände sterben ab und es werden sich neue bilden", meinte Stölzner.

Den Wald werde es weiterhin geben, allerdings mit Baumarten, deren Zusammensetzung wir noch nicht kennen. Arten, die mit dem wärmeren Klima und der Trockenheit zurechtkommen, würden überleben, andere aussterben.

Der Wind aus dem Osten zerstörte viele junge Bäume

Das Problem des Försters sei: "Was pflanzen wir dahin?" Bei der Pflanzung von Eichen werden 6700 Jungbäume auf dem Hektar gepflanzt. Dagegen werden nur 1000 bis 2000 Douglasien pro Hektar gepflanzt. Die Pflanzbedingungen im Frühjahr seien optimal gewesen, ergänzte Haala. Der Boden sei feucht gewesen.

Doch nach dem Pflanzen habe drei Wochen lang ein trockener Ostwind geweht, den viele Sprösslinge nicht überlebten. Eine einzige Frostnacht im Mai dieses Jahres habe vielen jungen Buchen den Garaus gemacht. Was zudem fehle, sei die "Winterfeuchte", meinte Stölzner. Es fehle die Schneeschicht, die beim Abtauen im Frühling langsam die Feuchtigkeit an den Boden abgibt.

Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner verweist auf durch Pilze blau verfärbtes Holz. Dies stellt jedoch keine Qualitätsminderung dar.
Foto: Martin Schweiger | Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner verweist auf durch Pilze blau verfärbtes Holz. Dies stellt jedoch keine Qualitätsminderung dar.

Niederschläge werde es immer geben. Viel davon käme jedoch gar nicht im Waldboden an, sondern würde weggeschwemmt. Die unter der Trockenheit leidenden Bäume könnten dann kein Harz mehr bilden, um sich gegen den Käferbefall zu wehren.

Gefälltes Käferholz, das nicht rechtzeitig aus dem Wald entfernt werden kann, muss mit Insektiziden bespritzt werden, um zu verhindern, dass die Käfer gesunde Bäume befallen. Das Käferholz wird häufig zu Hackschnitzeln verarbeitet. Weil in Nordbayern mittlerweile die Kapazitäten von Betrieben, die Holz zu Hackschnitzeln häckseln, ausgereizt sind, wird das Holz nach Südbayern transportiert, wo es mehr regnet und die Waldschäden überschaubar sind. Der Transport kostet 20 bis 25 Euro pro Festmeter Holz. Hinzu kommen die Kosten für die Produktion der Hackschnitzel, die noch einmal 20 bis 25 Euro pro Festmeter kosten. Der Verkaufspreis liege dann bei rund 50 Euro.

Blaues Holz verkauft sich schlecht

Von Käfern befallenes Fichtenholz sei häufig blau eingefärbt. Das Holz sei deswegen jedoch nicht schlechter. Der Kunde würde es im Baumarkt jedoch nicht kaufen, weshalb der Preis für blau gefärbtes Holz wesentlich niedriger sei. Geld sei daher derzeit nicht zu verdienen mit dem Holzverkauf. "Es geht derzeit nur darum, den Wald zu retten", meint Stölzner.

Im Großen und Ganzen sei der Wald im Revier Bramberg gut aufgestellt. 21 verschiedene Baumarten seien vertreten, was eine seltene Vielfalt sei, sagte Haala. Je größer die Vielfalt, desto besser sei der Wald gegen den Klimawandel gewappnet. Zudem gebe es keine kahlen Flächen oder "katastrophale Bestände". Durch die "Dauerwaldbewirtschaftung" seien im Wald Bäume in allen Größen vertreten und so der Nachwuchs gesichert.

Atlaszeder und Libanonzeder sollen in Zukunft gepflanzt werden um die Artenpalette aufzufrischen. Förster Haala hofft außerdem darauf, dass sich die Buchen genetisch dem Klimawandel anpassen – und dann kein Gefahrenpotenzial mehr darstellen.

Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner zeigt Schäden durch Käferbefall.
Foto: Martin Schweiger | Forstbetriebsleiter Heiko Stölzner zeigt Schäden durch Käferbefall.
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