Sand am Main

Bürgerversammlung: Kanalsanierungen und Energiewende werden Sand lange beschäftigen

Bürgermeister Bernhard Ruß am PC.
Foto: Alexander Krines | Bürgermeister Bernhard Ruß am PC.

Einsam, aber nicht allein war Bürgermeister Bernhard Ruß in der ersten virtuellen Informationsveranstaltung der Gemeinde Sand. 72 Teilnehmer hatten sich laut einer Pressemitteilung der Gemeinde zur Videokonferenz eingewählt, eine Größenordnung, wie sie sonst bei gut besuchten Bürgerversammlungen erreicht wird.

„Die Sanierung der Wasserleitung und der Kanäle und damit verbunden die Erneuerung der Straßen wird uns in den nächsten Jahren, ja vermutlich ein ganzes Jahrzehnt fordern: organisatorisch und finanziell,“ machte Ruß bei der Einleitung zum ersten Projekt deutlich, dass eine große Herausforderung auf die Bürger und die Verantwortlichen in der Gemeinde zukommt.

Die Grundzüge der Planung von ProTerra stellte Büroinhaber Hugo Barthel vor. Die Untersuchung habe ergeben, dass der Kanal so stark beschädigt ist, dass eine Ausbesserung mit Inlinern nicht möglich sei und deshalb eine komplette Erneuerung anstehe. Wegen der beengten Verhältnisse in dem Bereich müsse ein Teil des Kanals weiterhin auf Privatgelände verlegt werden. Die Trasse sei jedoch optimiert und im Vergleich zur alten deutlich reduziert worden.

Bauzeit: Mai 2021 bis Mitte 2022

Die Bauzeit für den Tiefbau schätzt der Planer auf den Zeitraum von Mai 2021 bis Mitte 2022. Die Baustelle würde in der Straße Am Sportfeld und in der Nikolausgasse beginnen und danach in der Pfarrgasse und im Kirchweg fortgesetzt. Noch 2022 oder eventuell 2023 folge der Straßenbau. Auf Nachfrage von Mark Werner erklärte der Planer, dass die alten Kanäle im Bestand verbleiben, aber verfüllt würden. Die Kosten dafür seien eingerechnet, wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Zur Finanzierung erläuterte Bürgermeister Ruß, dass der Bau von Wasser- und Abwasserleitungen eine Gemeinschaftsaufgabe sei, an der sich alle Bürger beteiligen müssten. Bei einer Kostenschät-zung von drei Millionen Euro für das Gesamtprojekt müsse, ähnlich wie bei der Kläranlage im Jahre 2000 oder der Kanalerweiterung (2007) ein Teil der Kosten über Ergänzungsbeiträge aufgebracht werden. Mit der Erhebung solcher Bescheide sei nicht vor 2022 zu rechnen.

Ruß: Energiewende ist eine große Herausforderung

„Mit dem Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie und dem angekündigten Ende der Kohleförde-rung kommt der Energieerzeugung aus regenerativen Quellen eine besondere Bedeutung zu,“ leitete Bürgermeister Ruß zum zweiten großen Thema über. Die Energiewende sei eine große Herausforderung. Sie könne nur gelingen, wenn neben der Einsparung von Energie die Gewinnung aus regenerativen Quellen vorangetrieben werde. Neben dem Energiemix sei dabei eine dezentrale Erzeugung und Versorgung anzustreben.

Photovoltaik-Flächen waren auch Thema der Online-Bürgerversammlung.
Foto: Planungsbüro ProTerra | Photovoltaik-Flächen waren auch Thema der Online-Bürgerversammlung.

Ein Standbein der Energiewende, so Ruß weiter, sei die Erzeugung von Strom aus Sonnenergie. Da der Gemeinde nicht nur daran gelegen sei, Flächen zur Energiegewinnung auszuweisen, sondern selbst bzw. die Bürger der Gemeinde und des Landkreises an der Wertschöpfung zu beteiligen, habe sie sich mit der Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte (GUT) im Landkreis Haßberge in Verbindung gesetzt. Die GUT, eine kommunale Gesellschaft, die vom Landkreis Haßberge und den Gemeinden des Landkreises Haßberge getragen wird, erarbeite ein Gesamtkonzept der Energiegewinnung und -nutzung im Landkreis Haßberge. Photovoltaik sei ein Baustein dazu.

Deshalb ging Marco Siller von der GUT bei seinem Vortrag zunächst auf den Energienutzungsplan für den Landkreis ein, in dem der Energiebedarf und die Energieerzeugung dargestellt sind. Bei dem Energiemix zur Stromerzeugung werde eine Leistung von 200 Megawatt Peak (MWp) aus Freifeld-Photovoltaik-Anlagen angestrebt. Siller: „Das sind im Schnitt zehn MWp installierte Leistung und zehn Hektar Landverbrauch in jeder Gemeinde.“ Ziel im Landkreis sollte es sein, mindestens 20 Bürgerbeteiligungsanlagen mit einer Gesamtleistung von 200 MWp errichten und über die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) betreiben zu können.

Auf Flächen nördlich der Autobahn konzentriert

Für Sand wurde zunächst das Potenzial entlang der Autobahn untersucht. Bei näherer Untersuchung habe sich herausgestellt, dass die Flächen südlich der Autobahn als Landschafts- und Vogel-schutzgebiete ausgewiesen bzw. Biotopflächen seien. Aus diesem Grund habe man sich verstärkt auf die Flächen nördlich der Autobahn konzentriert. Auf einer Fläche von rund zehn Hektar könne dort Freifeld-Photovoltaik entwickelt werden. Für acht Hektar habe die GUT Nutzungsverträge abschließen können. Die übrige Fläche möchten private Investoren entwickeln, geht aus der Mitteilung hervor.

Auf Nachfrage von Arnold Mühlfelder erklärte BEG-Vorstandsmitglied Gunter Häckner, dass sich  Bürger mit 1000 bis 50 000 Euro an der Genossenschaft beteiligen könnten. In einem bestimmten Zeitkorridor hätten Bürger aus Sand als erste die Möglichkeit zum Beitritt. Geplant sei eine Eigenkapitalrendite von mindestens drei Prozent.

Als nächste Schritte nannte Siller den Aufstellungsbeschluss für eine Bauleitplanung durch die Gemeinde Sand am Main. Baubeginn wäre frühestens Ende 2021, Anfang 2022 möglich. Einlagen in die Genossenschaft könnten voraussichtlich ab Mitte 2021 erfolgen, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Haßberge und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Sand am Main
Atomenergie
Bau
Bauleitplanung
Bernhard Ruß
Energiebedarf und Energieverbrauch
Energiegewinnung
Energiewende
Sanierung und Renovierung
Straßenbau
Stromerzeugung
Tiefbau
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!