Bamberg

Corona: So lief der Impfstart in Bamberg

Als erste Bambergerin bekam Heimleiterin Christine Lechner von Dr. Klaus Weiner den Corona-Impfstoff gespritzt.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Als erste Bambergerin bekam Heimleiterin Christine Lechner von Dr. Klaus Weiner den Corona-Impfstoff gespritzt.

Und dann ging alles sehr schnell. „Am Heiligen Abend haben wir vom Gesundheitsamt die Info bekommen, dass wir dran sind“, sagte Christine Lechner, Leiterin des Seniorenzentrums Albrecht Dürer in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Bamberg-Forchheim. „Dran“ als erste stationäre Einrichtung in Bamberg mit der Corona-Impfung.

Schon am Sonntag rückte also ein mobiles Impfteam ins Seniorenzentrum ein – vor dem Haus zunächst begrüßt von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg), Landrat Johann Kalb (CSU) und seinem Stellvertreter Bruno Kellner, Gesundheitsamt-Leiterin Dr. Susanne Paulmann, den Vertretern der Sozialstiftung MVZ am Bruderwald, Dr. Tobias Pfaffendorf und Isabella Dietel-Curtis. Auch eine Handvoll Impfgegner hatte sich zum Auftakt der Bamberger Corona-Impfaktion eingefunden. „Die Gesellschaft wird ausgeschlossen!“ beklagte einer von ihnen überlaut und heftig, nachdem Karl-Heinz Seib, Zweiter Vorstand des Diakonischen Werkes, dieses Grüppchen vom Grundstück zurück auf den Bürgersteig verwiesen hatte.

Ins Haus durfte ohnehin nur derjenige, der einen negativen Corona-Test vorweisen konnte. „Wir sind bis jetzt alle gesund geblieben und haben keinen einzigen Corona-Fall“, zeigte sich Heimleiterin Lechner dankbar für diese Fügung. Und auch dafür, dass immerhin zehn Pflegerinnen einer Impfung am Sonntag zugestimmt hätten und 45 Bewohner im Alter von 59 bis 103 Jahren von insgesamt 65: „Freiwillig, selbstbestimmt und informiert“, wie Christine Lechner betont.  Bewohnerin Rosina Weber zum Beispiel wartete an ihrer offenen Zimmertür, ob sie an der Reihe ist. „Na klar lasse ich mich impfen! Wenn’s schöner macht!“ lachte die gepflegte Dame fröhlich.

Doch Frau Weber musste sich noch gedulden. Um „ein Signal an andere zu geben, die noch unschlüssig sind, setze ich mich als erste für die Spritze hin!“ kam ihr Christine Lechner zuvor. So kam es dann auch. Dr. Klaus Weiner, ärztlicher Leiter des Bamberger Impfzentrums in der Brose Arena, schritt zur Tat, assistiert von Ärztin Dr. Kirstin Froese.

„Na klar lasse ich mich impfen! Wenn’s schöner macht!“
Rosina Weber, Bewohnerin Seniorenzentrum Albrecht Dürer

Es ist aber nicht eben mal nur ein Pieks, der verabreicht wird. Bevor der Biontech/Pfizer-Impfstoff intramuskulär in den desinfizierten Oberarm gespritzt wird, muss er aufbereitet werden: „Ein Aufwand im Logistikbereich“ bringt Arzt Weiner allein schon die notwendige Kühltemperatur von minus 70 Grad Celsius ins Spiel.

Dann das Auftauen auf Raumtemperatur, um den Stoff spritzfertig zu machen, das Einbringen von Kochsalzampullen in die Impffläschchen, das mehrfache Wechseln von Kanülen bei diesem Vorgang, das zehnmalige Schwenken zum Vermischen der Flüssigkeiten. „Uns bleibt dafür ein Zeitfenster von sechs Stunden“, weiß Dr. Weiner wie die ausführenden Medizinischen Fachangestellten (MFA) von der Empfindlichkeit des Impfstoffes.

Was der Mediziner nicht prophezeien kann, ist die Wirksamkeit der ganzen Aktion: „Wir hoffen, dass der Geimpfte auch geschützt ist, eine Langzeitbeobachtung fehlt noch“, sagt Weiner, der weniger zum praktischen Impfen der Altenheim-Bewohner gekommen ist, als vielmehr für die Aufklärungsgespräche vor jedem Impfen. Entsprechende Aufklärungsbögen, die ständig aktualisiert werden, haben die Pflegerinnen und die Senioren bereits vorher erhalten.

Doch letzten Fragen nach möglichen Nebenwirkungen weichen weder Weiner noch seine Kollegin Froese aus. Es könne für ein, zwei Tage Schmerzen an der Impfstelle geben, oder ein Frösteln und allgemeine Abgeschlagenheit. Auch allergische Reaktionen könnten bei Disposition nicht vollends ausgeschlossen werden. Fest steht jedoch, dass nach 21 Tagen eine zweite Impfung erforderlich ist.

Noch offen ist dagegen, wie schnell Bamberg „durchgeimpft“ sein kann. „Das wird von der Impffreudigkeit der Bevölkerung abhängen“, vermutet Dr. Weiner. Und wohl auch davon, wie viele Impfdosen in die Stadt gelangen. An diesem Sonntag waren es lediglich 94 für das Seniorenzentrum Albrecht Dürer und ein Altenpflegeheim im Landkreis.

Am Dienstag, 29. Dezember, sollen 1000 Dosen geliefert werden, deren größter Teil für das Personal im Klinikum verwendet werden soll. Wann es dann für wen im Impfzentrum losgehen kann, muss sich zeigen: „Wir informieren die Öffentlichkeit, wenn es soweit ist“, so Judith Weingart, Sprecherin der Stadt Bamberg.

Ein Fläschchen birgt fünf Impfdosen.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Ein Fläschchen birgt fünf Impfdosen.
Die Ärzte Klaus Weiner und Kirstin Froese traten den Impfwilligen in Schutzkleidung gegenüber.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Die Ärzte Klaus Weiner und Kirstin Froese traten den Impfwilligen in Schutzkleidung gegenüber.
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