Haßfurt

DGB fordert faire Löhne für alle Beschäftigten

Im Landkreis Haßberge mussten im Dezember 2019 zum Stichtag 149 Personen trotz einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zusätzlich aufstockende Leistungen vom Jobcenter in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen – weil ihr Einkommen fürs Leben nicht ausreichte. Das geht aus einer DGB-Auswertung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Jeder Fünfte, der zusätzliche Leistungen erhielt, hatte sogar einen Vollzeitjob. „Vollzeit zu arbeiten und trotzdem zum Amt zu müssen, ist für viele Beschäftigte entwürdigend“, erklärt Frank Firsching, Regionsgeschäftsführer des DGB in Unterfranken. „Der Staat wird dabei als Lückenbüßer für niedrige Löhne missbraucht“, so Firsching weiter.

Zunehmend gehen Arbeitgeber dazu über, Arbeitsplätze nur noch in Form von atypischer Beschäftigung anzubieten, also zum Beispiel in Teilzeit, Minijobs oder Leiharbeit. Dies erhöhe für die Arbeitgeber die betriebliche Flexibilität, führe aber dazu, dass noch mehr Beschäftigte nicht von ihrem Einkommen leben können. Und laut DGB-Pressemitteilung führe es auch zu einem Anstieg derer, die auf Grund des Teilzeitjobs Hilfe durch das Jobcenter beantragen mussten.

92 Beschäftigte in Teilzeitjobs seien im Landkreis Haßberge am Ende des vergangenen Jahres davon betroffen gewesen. „Vor allem bei unfreiwilliger Teilzeit ist das für die Betroffenen bitter, sie wollen mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Dieser Trend muss gestoppt werden“, sagt Frank Firsching.

Viele Fehlanreize

Besonders hoch sei die Aufstockungsquote auch bei Minijobs als Hauptbeschäftigung. Es sei inzwischen nachgewiesen, dass Minijobs als Brücke in existenzsichernde Vollzeitbeschäftigung nicht geeignet seien. Sie böten viele Fehlanreize, die verhindern, dass Betroffene dauerhaft aus dem Hartz-IV-System herauskommen.

118 Minijobber mussten aufstockende Leistungen in Anspruch nehmen, heißt es in der Pressemitteilung. „Das überholte Minijobmodell muss deswegen beendet werden. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode muss dies auf die Agenda der Bundesregierung“, erklärt Sandy Koppitz, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Haßberge.  

Der DGB fordere deshalb: „Wer arbeitet, der soll auch sich und seine Familie davon versorgen können, und zwar jetzt und auch im Alter. Die Bundesregierung muss jetzt alles dafür tun, den Niedriglohnsumpf trocken zu legen. Das heißt, der Mindestlohn muss endlich rauf auf zwölf Euro“, so Koppitz.

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