Haßfurt

Die Schleichach-Orte sind am besten versorgt

Abschalten Fehlanzeige: Viele erholen sich im Urlaub kaum       -  Der Handyempfang miserabel und das Internet als lahme Ente? Die Gemeinde Oberaurach hat ihre Bürger eingeladen, um über Mobilfunk und Breitbandversorgung zu informieren und diskutieren.
Foto: DPA | Der Handyempfang miserabel und das Internet als lahme Ente? Die Gemeinde Oberaurach hat ihre Bürger eingeladen, um über Mobilfunk und Breitbandversorgung zu informieren und diskutieren.

Internet zu langsam, Handy-Empfang miserabel, diese beiden Beschwerden bekommen Bürgermeister Thomas Sechser und die Gemeinderatsmitglieder seit Jahren bei den Bürgerversammlungen in Trossenfurt, Tretzendorf und Hummelmarter zu hören. Der DSL-Ausbau läuft bereits, nun könnte auch das Funkloch in Sachen Handy „gefüllt“ werden, denn die Telekom plant den Ausbau ihres Netzes durch eine Sendeanlage am Ortsrand von Trossenfurt. Zu dem Thema fand am Montag eine Bürgerversammlung statt.

Bürgermeister Thomas Sechser begrüßte dazu gut 30 interessierte Bürger, Karin Ehrhardt von der Telekom und Dr. Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt, die die Details erläuterten und für Fragen zur Verfügung standen. Thomas Sechser blendete zunächst zurück in das Jahr 2006, als in Trossenfurt beziehungsweise Tretzendorf schon einmal ein Handymast gebaut werden sollte. Gegen das Vorhaben auf einem gemeindlichen Grundstück wandte sich eine Bürgerinitiative mit rund 700 Unterschriften und so stellte die Gemeinde das Grundstück doch nicht zur Verfügung.

Seitdem hat sich viel verändert im Nutzungsverhalten der Bevölkerung. So hätten schon Bürger, die damals unterschrieben haben, vehement bei ihm eine bessere Versorgung eingefordert, weil man beispielsweise beruflich auf die Erreichbarkeit per Handy angewiesen sei, erklärte der Bürgermeister. Die rasante Entwicklung im Mobilfunk erläuterte auch Karin Ehrhardt, die Ansprechpartnerin für Kommunen und Bürger, wenn es um den Mobilfunkausbau geht. Die verstärkte Nutzung von Smartphones fordere weitaus höhere Datenmengen, als es bei Beginn des Netzausbaus denkbar war. Deshalb seien die Netzbetreiber auch eher mit der Optimierung vorhandener Standorte beschäftigt als mit der Schließung von Lücken wie jetzt in Trossenfurt und Tretzendorf.

Anhand einer Übersichtskarte zeigte sie die Versorgung in Oberaurach auf. Die beste Versorgung haben die Schleichach-Orte (Sendeanlagen in Unter- und Oberschleichach) sowie Kirchaich und Dankenfeld (Sendeanlage zwischen Dankenfeld und Priesendorf), in Trossenfurt und Tretzendorf tun sich große Lücken auf, in manchen Bereichen hat man auf der Straße noch Empfang, im Haus aber nicht mehr. Am schlechtesten versorgt sind Hummelmarter und Fatschenbrunn. Diese beiden kleinen Orte haben auch schlechte Chancen, noch von einem Mobilfunkanbieter versorgt zu werden, das gestand auch Karin Ehrhardt ein. Die Fatschenbrunner helfen sich jetzt selbst durch den Aufbau eines freien W-Lan-Netzes im ganzen Ort.

Die Telekom hat in Trossenfurt und Tretzendorf einen Standort gesucht, von dem aus möglichst flächendeckend für ein gutes Netz gesorgt werden kann. Dieser Standort befindet sich oberhalb des alten Sportplatzes auf einem Grundstück des SC Trossenfurt-Tretzendorf. Da sowohl die Topografie, als auch Bewuchs und Bebauung Einfluss auf das Netz haben, fand vor zwei Wochen ein Hubwagentest statt. Dieser brachte das Ergebnis, dass ein 15 Meter hoher Mast mit einem gut sechs Meter hohen Antennen-Aufsatz genügen würde, um Trossenfurt und Tretzendorf gut zu versorgen. „In Hummelmarter wird leider nicht viel ankommen“, bedauerte Ehrhardt. Warum die Telekom nicht auf den Masten für den Behördenfunk (BOS) gegangen sei, wurde gefragt. Dieser Standort sei zwar gut, um in der Fläche Funkverbindung zu gewährleisten, aber für ein Mobilfunknetz für hohe Datenmengen sei er nicht geeignet, entgegnete Ehrhardt.

Dr. Thomas Kurz erläuterte zunächst Grundsätzliches zu elektromagnetischen Feldern und Mobilfunksendeanlagen. Mittlerweile sei die Forschung dazu sehr umfangreich, 21 000 Studien gebe es über die Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern, die von Fachgremien wie dem ICNIRP, der Weltgesundheitsorganisation WHO oder den nationalen Strahlenschutzkommissionen ausgewertet würden.

Elektromagnetische Felder bringen bei einer gewissen Stärke Wassermoleküle in Bewegung, was Wärme produziert. Was bei der Speise in der Mikrowelle erwünscht ist, soll dem menschlichen Organismus natürlich erspart bleiben. Niederfrequente elektromagnetische Felder sind überall in der Umwelt vorhanden, etwa Licht oder auch Wärme. Bei hochfrequenten Feldern gelte es, gewisse Abstände einzuhalten, wofür Grenzwerte festgelegt wurden. Diese Grenzwerte lägen weit unterhalb einer nachgewiesenen Beeinflussung des menschlichen Organismus beziehungsweise der Wasser-Moleküle, so Dr. Kurz. Und auch der Grenzwert werde bei weitem nicht ausgeschöpft. Auf die Frage, warum in der Schweiz ein wesentlich niedrigerer Grenzwert gelte, erklärte er, dass dieser Grenzwert vor 20 Jahren sehr vorsichtig festgelegt wurde. Damals sei die Datenlage auch noch sehr dünn gewesen. „Aber auch 89 Prozent der deutschen Sendeanlagen halten nicht nur die deutschen, sondern auch die Schweizer Grenzwerte ein, da kann ich sie beruhigen“, erklärte Dr. Kurz.

Grundsätzlich habe die Wissenschaft mittlerweile geklärt, dass von den Sendeanlagen die geringste Gefährdung ausgeht. Wer sich um seine Gesundheit sorge, müsse sich die Endgeräte genauer ansehen. Allerdings könne auch nicht definitiv gesagt werden, dass ein Festnetztelefon weniger Strahlenbelastung bringe als ein Handy oder ein Tablet im W-Lan. Das liege immer an der Stärke des Netzes. In einem starken Handy-Netz könne dieses weniger Belastung bringen als ein schnurloses Telefon, das weit von der Basisstation entfernt benutzt wird. Viele Detailfragen wurden im direkten Gespräch mit den Fachleuten beantwortet.

Abschließend wollten die Anwesenden natürlich wissen, wann das Funkloch in Trossenfurt und Tretzendorf ein Ende haben soll. Dazu erklärte Karin Ehrhardt, dass nun zunächst der Bauantrag gestellt werden muss, dazu gehören dann alle Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, die Umsetzung werde insgesamt wohl ein Jahr dauern.

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