Haßfurt

Die Suche nach dem schönsten Gottesacker der Bundesrepublik

Wertvolle Epitaphen werden in Gleisenau bewahrt.
Foto: Meissner | Wertvolle Epitaphen werden in Gleisenau bewahrt.

Bis Donnerstag kann jeder Interessierte den Friedhof vorschlagen, der seiner Meinung nach der Schönste ist. In ganz Deutschland sind die Menschen aufgerufen, ihre Vorschläge einzureichen. Begründete Meinungsäußerungen nimmt die Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge (GBV) auf ihrem Internetportal entgegen. Eine prominente Jury um Freiburgs Erzbischof Dr. Robert Zollitsch wird den Sieger küren und den Preis am 29. Oktober im Rahmen eines Friedhofskulturkongresses in Bad Windsheim offiziell verleihen. Das Gremium wird die vorgeschlagenen Friedhöfe aus gestalterischer, historischer und kultureller Sicht bewerten.

Das Thema Friedhof ist populär. Für Bestatter, Steinmetzen, Gärtner und andere Berufsgruppen hat es schon lange existenzielle Bedeutung. Designer oder Texter entdecken gerade ein neues Feld für sich und bieten Trauernden ihre Dienstleistung an. Für viele Kommunen rücken die Friedhöfe aus finanziellen Aspekten in den Fokus, denn es sind Entscheidungen erforderlich, damit sich die Gottesäcker in Zukunft wirtschaftlich tragen. So ergeben sich auch im Heimatlandkreis Chancen für Konzepte, die den Friedhof attraktiv machen und den Bedürfnissen der Hinterbliebenen gerecht werden.

Gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Einstellung vieler Menschen zur Trauerkultur. Auf Friedhöfen, die bisher ausschließlich Erdbestattungen möglich machten, werden zeitgemäße Urnenanlagen geschaffen. Eine erste gemeinschaftliche Urnenanlage im Kreis ist vor zweieinhalb Jahren in Haßfurt auf dem neuen Friedhof entstanden. Auch andere Haßberggemeinden haben diese Neuerung umgesetzt. Von erdverbundenen Urnengräbern – wie am Rande des Breitbrunner Kirchhofs oder auf dem neuen Teil des Königsberger Friedhofs – bis zu schließfachähnlichen, in die Höhe gehenden Anlagen reichen die Varianten. In Dampfach und Steinach denkt der Gemeinderat gerade über die Gestaltung seines Friedhofs nach, um Urnenbestattungen zu ermöglichen. In Untermerzbach führen allzu farbenfrohe Kiesumrandungen dazu, dass der Rat der Gemeinde regeln will, wie viel Kies in welchen Farben aufgebracht werden darf, damit der Friedhof ein angemessenes Bild abgibt. Und überall steht die Frage nach der Barrierefreiheit im Raum.

Kann eines der Begräbnisfelder im Heimatlandkreis zum schönsten Friedhof der ganzen Republik avancieren? Sollte es ein historischer sein, wie etwa der in Königsberg mit der schönen, alten Friedhofskirche aus dem 15. Jahrhundert? Oder ist es ein Friedhof, wie der in Zeil, den die Golgatha-Kapelle aus dem Jahr 1623 ziert? Die Figurenarbeit eines Zeiler Steinmetzen hat hier die Jahrhunderte, wie auch Grabstellen vieler Zeiler Bürger, überdauert. Ist ein Friedhof besonders schön, der naturnah liegt und dem Bäume Schatten spenden, wie der in Roßstadt? Oder einer, der wertvolle Epitaphen bewahrt, wie der Königsberger, der Gleisenauer und weitere? Andererseits könnte die Lage hoch über dem Dorf mit Blick in die Flur, wie in Breitbrunn, Lußberg, Roßstadt oder Zeil, dem Friedhof zum Prädikat „Schönster“ verhelfen.

Es könnte auch ein Gottesacker von herausragender Bedeutung sein, der Grabstätten verdienter Bürger beherbergt, wie sie auf dem alten Haßfurter Friedhof neben der Ritterkapelle und auf fast allen Kirchhöfen im Landkreis zu finden sind. Dort, wo Mausoleen oder pompöse Grabmale prominenter Familiendynastien den Charakter des Friedhofs prägen, werden Besucher besonders beeindruckt sein. Das könnte etwa in Eltmann mit den fremdländisch anmutenden Grabstätten der ehemaligen Steinfürsten Vetter oder in Unterhohenried an den Grabsteinen des Henry von Swaine und dessen Freifrau der Fall sein.

In vielen Gemeinden werden jüdische Friedhöfe gepflegt. Sie legen Zeugnis jüdischen Lebens ab und werden oft von ausländischen Touristen besucht, die das einstige Umfeld ihrer verstorbenen Angehörigen kennenlernen möchten. Auch Ehrenhaine, die an Kriegsopfer erinnern, sind eine Art Friedhöfe. Es gibt sie in allen Städten und Gemeinden, und gerade dieser Tage, da der Beginn des Ersten Weltkrieges 100 Jahre zurückliegt, rücken sie verstärkt in den Mittelpunkt. Das größte Kriegerdenkmal im Steigerwald wurde 1929/30 hoch über Unterschleichach errichtet und mahnt bis heute die Lebenden. Besonderen Reiz kann ein moderner Friedhof haben, wenn er ansprechend bepflanzt ist oder Bänke zum Verweilen einladen. Ob historisch oder neu angelegt, naturnah, traditionell, Kulturgeschichte erzählend oder mahnend, jeder der genannten und ungenannten Friedhöfe im Landkreis könnte auf seine Art für die ihn aufsuchenden Menschen „der schönste Friedhof“ sein.

Wettbewerb der Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge

Seit 2011 werden die schönsten Friedhöfe Deutschlands mit einem „Award“ (deutsch: Preis, Auszeichnung) ausgezeichnet. Friedhöfe sind ein wichtiger Teil der deutschen Kulturgeschichte und sollen von der medialen Aufmerksamkeit profitieren.

2013 wurde der Johannisfriedhof in Nürnberg zum schönsten Friedhof in Deutschland gewählt. Den zweiten Platz belegte der Urnenhain Tolkewitz in Dresden, gefolgt vom Friedhof am Petersberg in Neef in Rheinland-Pfalz.

2012 siegte der Friedhof im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf. Der zweitschönste deutsche Friedhof war der Münchner Waldfriedhof. Auf dem 3. Platz landete der Mainzer Hauptfriedhof.

Wer einen besonders schönen und außergewöhnlichen Friedhof nominieren oder sich als Friedhofsträger für den Award bewerben möchte, kann dies bis 31. Juli über die Webseite www.bestattungen.de/award-2014 tun oder per Post an die GBV Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge mbH, Stichwort: Award, Arndtstraße 25, 22085 Hamburg. Die Teilnahme ist kostenlos.

Urnenanlage auf dem neuen Friedhof in Haßfurt.
Foto: Meissner | Urnenanlage auf dem neuen Friedhof in Haßfurt.
Pompöse Grabmale der Steinfürsten Vetter in Eltmann.
Foto: Meissner | Pompöse Grabmale der Steinfürsten Vetter in Eltmann.
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