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Eltmann: Rosl Pflaum war 31 Jahre "Anwältin der kleinen Leute"

Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler dankte Rosl Pflaum für ihr Engagement im sozialen Bereich und sprach ihr Dank und Anerkennung aus.
Foto: Günther Geiling | Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler dankte Rosl Pflaum für ihr Engagement im sozialen Bereich und sprach ihr Dank und Anerkennung aus.

„Eine besondere Freude war es für mich, wenn ich den Menschen mit Rat und Tat zur beiseite stehen und helfen konnte. All meine Aufgaben erledigte ich ehrenamtlich, gerne und uneigennützig. Das alles machte ich aus Nächstenliebe zu den Menschen, die Hilfe brauchten.“ Dies betonte Rosl Pflaum, die nun nach 31 Jahren ihre Tätigkeit als Versichertenberaterin bei der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern beendete und der für ihr außerordentliches Engagement und soziales Wirken im Ehrenamtsbereich von Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler ein großer Dank ausgesprochen wurde.

Rosina Pflaum wurde 1941 in Nürschan/CSR als fünftes von sieben Kindern geboren und kam im Jahre 1946 im Rahmen einer Aussiedlung nach Eltmann, wo sie erst die Volksschule, dann die Wirtschaftsaufbauschule in Bamberg besuchte und eine Lehre als Industriekauffrau absolvierte. 1961 heiratete sie Hans Pflaum, der 1989 im Alter von 51 Jahren verstarb. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor.

Eine schlechte Erfahrung als Schlüsselerlebnis

Durch das ganze Leben von Rosl Pflaum zieht sich eine besondere soziale Ader, von der viele Menschen profitierten. Dieses soziale Engagement gründete auf einem persönlichen Erlebnis mit einem Arbeitsgerichtsverfahren wegen Kündigung im Mutterschutz im Jahre 1961. „Seinerzeit konnte ich in Erfahrung bringen, wie frustrierend es ist, allein vor Gericht zu stehen. Es stand mir nur eine Frau zur Seite, die mir Mut machte und mich dabei unterstützte, mein Recht zu verteidigen. Dies war für mich Anlass, mich künftig auch für andere Menschen einzusetzen.“

1961 wurde sie als Sachbearbeiterin bei FAG Kugelfischer im Werk Eltmann eingestellt, trat später der Industriegewerkschaft Metall bei und wurde 1972 als Betriebsrätin und Angestelltenvertreterin freigestellt. Zugleich wurde sie auch Mitglied im Gesamtbetriebsrat. „Bei jeder wiederkehrenden Betriebsratswahl konnte ich immer die höchste Stimmenzahl für mich erreichen. Dies gab mir Kraft und Ansporn für die tägliche Arbeit mit etwa 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Metallbereich“, blickt sie hier mit Stolz zurück.

Mit Freude und Leidenschaft im Job

So sei sie 1986 stv. Betriebsratsvorsitzende und Mitglied im Wirtschaftsausschuss geworden und habe dann von 1990 bis 1994 sogar die Verantwortung als Betriebsratsvorsitzende übernommen. Durch die großen Probleme und den „Crash“ bei FAG zu dieser Zeit mit massivem Personalabbau habe sie diese Tätigkeit aber aus gesundheitlichen Gründen dann wieder aufgegeben.

Seit 1989 sei sie nun schon Versichertenberaterin der DRV Nordbayern gewesen. „Diese Arbeit übte ich mit Leidenschaft und Freude aus. Hiermit konnte ich nahezu 13 000 Fragestellern helfen und gute Hilfestellung geben.“ In dieses Amt ist sie von der Gewerkschaft des DGB vorgeschlagen worden, musste dann aber immer wieder nach fünf Jahren neu in dieses Amt gewählt werden. Sie habe sich dabei von dem Spruch leiten lassen: „Wer für den anderen Zeit hat, der macht froh und zuversichtlich. Zeit, die man anderen schenkt, macht Freude.“

Mit sichtbarer Zufriedenheit verweist sie darauf, dass sie im ganzen Landkreis und darüber hinaus bis in die USA um Mithilfe bei Kontenklärungen, Rentenberatungen und Rentenanträgen sowie in Arbeitsamts-, Schwerbehinderten-, Kranken- und Pflegekassenangelegenheiten gebeten wurde.

"Der Anwalt der kleinen Leute"

So habe sie bei Sterbefällen die Hinterbliebenen zu Hause besucht, um die Unterlagen für die Rentenantragstellung und vieles andere mehr zu regeln. Ebenso habe sie alte und kranke Menschen besucht, für sie eingekauft, Briefe geschrieben oder ihnen Hoffnung und Zuversicht bei Krankheit oder in verzweifelten Lebenslagen gegeben. Auch bei Streitigkeiten in Familien habe sie Kontakt mit dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat und Versicherungen gesucht. „Ich wurde oft als der Anwalt der kleinen Leute bezeichnet bzw. derer, die keinen Rechtsschutz nachweisen konnten. So war ich behilflich beim Formulieren und Schreiben von Widersprüchen und Klagen an die Sozialgerichte.“

Als häufigsten Fehler bezeichnete sie es, dass von Rentenversicherungsträgern Kindererziehungszeiten nicht berücksichtig wurden. Dies sei besonders bei älteren Frauen der Fall gewesen, die zwei Kindern hatten. Hier sollte man auch heute noch aufmerksam sein.

In der Kommunalpolitik war sie sehr lange aktiv

Rosl Pflaum gehörte auch über 30 Jahre dem Stadtrat Eltmann und dem Kreistag Haßberge an und leitete fast drei Jahrzehnte die Geschicke des DGB-Ortsverbandes Eltmann. Daneben war sie auch als ehrenamtliche Richterin und als Berufsschulbeirat der Staatlichen Berufsschule Haßfurt tätig und gehört zahlreichen Vereinen an. 15 Jahre lang übernahm sie den wöchentlichen Sprechtag des VdK.

Für ihre Verdienste im sozialen Bereich wurde sie im Jahre 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, erhielt 2008 der Fritz-Soldmann-Urkunde und 2019 die Ehrenamtskarte des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Aus gesundheitlichen Gründen beendete sie nun im Alter von fast 80 Jahren ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Versichertenberaterin der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern. Dabei will sie aber weiterhin bereit sein, Hilfesuchenden zu helfen und sie an die entsprechenden Stellen zu verweisen.

Für die Rentenversicherung sind nun tätig: Karin Wirsing aus Staffelbach, Tel. (0 95 03) 37 37 91 91; Wolfgang Brühl, Eltmann, Tel.: (0 95 22) 95 04 79; Ernst Ullrich, Knetzgau, Tel.: (0 95 29) 98 14 33. 

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