Haßfurt

Eltmann: Wie ein kleines Stück "Abfall" für wohlige Wärme sorgt

Das Ehepaar Bötsch aus der Wallburg-Stadt hat seine Heizung von Gas auf Pellets umgestellt. Gründe für den umweltfreundlichen Wechsel gibt es zuhauf.
Freut sich über die neue Heizung: Conny Bötsch. Das Pelletlager befindet sich in der geräumigen Garage. Von dort werden die kleinen Holz-Presslinge über eine Saugleitung zum Heizkessel transportiert.
Foto: Matthias Lewin | Freut sich über die neue Heizung: Conny Bötsch. Das Pelletlager befindet sich in der geräumigen Garage. Von dort werden die kleinen Holz-Presslinge über eine Saugleitung zum Heizkessel transportiert.

Wenn es draußen "usselig" zugeht, kalter Regen, Schnee oder gar Hagel die Fensterscheiben malträtiert, macht man es sich gerne auf der Couch gemütlich. Für die Wohlfühltemperatur im Wohnzimmer sorgt ja die Heizung, und für das "gute Gewissen" bei der heimischen Öko-Bilanz die Art des Brennstoffes. Denn die spielt bei der Energiewende eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bis zum Jahr 2050 will die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand realisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, werden energieeffizientere Gebäude und ein höherer Anteil erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch benötigt. Ein Mittel, diesem Ziel einen großen Schritt näher zu kommen, ist die Pelletheizung.

Ein Ansinnen, mit dem bei Conny und Rainer Bötsch aus Eltmann offene Türen eingerannt wurden. Die Gasheizung des Ehepaares gab im vergangenen Oktober nach rund 24 Jahren den Geist auf, also musste eine Alternative her – und die sollte möglichst ohne fossilen Brennstoff auskommen. "Wir haben uns schon länger mit dem Thema befasst, bei Bekannten und Freunden nachgefragt, welche Erfahrungen die mit Pellets haben", betont Conny Bötsch, dass der Wechsel von Gas zu Pellets definitiv keine Hauruck-Entscheidung, sondern wohl überlegt war.

23 Kilo pro Tag

Als dann auch noch Energieberater Günther Lieberth den Daumen nach oben reckte, war schnell klar, aus welcher Richtung die neue Wärmequelle kommen sollte, zumal ein Umbau der bestehenden Leitungen nicht nötig war. Seit 1. Dezember strahlt nun die neue Pellet betriebene Heizung ihre Wärme in das Haus der beiden Eltmanner. Täglich fließen seitdem etwa 23 Kilogramm der kleinen Holz-Presslinge in den Heizkessel. Pro Heizperiode werden rund drei bis vier Tonnen Brennmaterial veranschlagt, die Kosten liegen dafür bei rund 600 bis 800 Euro pro Jahr. Ein Preis, bei dem Gas nicht mithalten kann. Da müsste etwa ein Euro pro Quadratmeter und Monat gerechnet werden, bei 150 Quadratmetern Wohnfläche kommt da auch schon mal ein Tausender zusammen. Hinzu kommt, dass die Kosten für Pellets in den letzten Jahren deutlich geringer gestiegen sind als beispielsweise Gas und vor allem Öl.

Vier Saugsonden am Boden des Pelletlagers transportieren die Pellets über Rohre in den Heizkessel.
Foto: Conny Bötsch | Vier Saugsonden am Boden des Pelletlagers transportieren die Pellets über Rohre in den Heizkessel.

"Außerdem sind wir da nicht abhängig vom russischen Gas" nennt Conny Bötsch ein weiteres Argument, das für sie eine wichtige Rolle spielt. Ebenso wie die Regionalität des Brennstoffs. "Ihre" Pellets kommen aus Tauberbischofsheim, sind von der Produktion bis zum Verbrauch also gerade einmal gut 100 Kilometer unterwegs. "Und Bäume werden für die Pellets ebenfalls nicht gefällt."

Abfallprodukt

Denn in Pelletheizungen werden nur kleine gepresste Holzspäne verbrannt. Diese bestehen aus den Resten der holzverarbeitenden Industrie, wie Sägemehl, Hobelspänen oder Schleifstaub, die sonst kaum weiteren Nutzen hätten – ein reines Abfallprodukt also. Zur Herstellung einer Tonne Holzpellets werden etwa fünf bis acht Kubikmeter Sägemehl benötigt. Zudem gelten Pellets als besonders nachhaltig, da bei ihrer Verbrennung nur die Menge an CO2 freigesetzt wird, die während der Wachstumsphase der Bäume in das Holz eingelagert wurde. Übrig bleibt lediglich ein kleiner Rest Asche. Mehr als drei- bis viermal pro Jahr muss der Aschebehälter von der Größe einer kleineren Schublade aber nicht entleert werden.

Drei bis vier Tonnen Pellets pro Jahr fasst das Lager in der Garage. Die Pellets werden eingeblasen, der dabei entstehende Staub direkt wieder abgesaugt.
Foto: Matthias Lewin | Drei bis vier Tonnen Pellets pro Jahr fasst das Lager in der Garage. Die Pellets werden eingeblasen, der dabei entstehende Staub direkt wieder abgesaugt.

Rund 24 000 Euro hat Familie Bötsch für die neue Heizung aufbringen müssen. Die staatliche Förderung beträgt 35 Prozent, "netto" bleibt den beiden Eltmannern also eine Investition von etwa 16 000 Euro. Durch die Förderung werden die erhöhten Investitionskosten gegenüber einer Gasheizung wieder aufgefangen.

In diesen Kosten enthalten ist auch das Lager für die Holzpellets. Das findet im Hause Bötsch seinen Platz in der Garage. Von dort werden die kleinen Holzteile automatisch angesaugt und über Rohre in den Heizkessel transportiert. Die Pellets werden lose angeliefert, per Druckluft in das Lager geblasen. Der dabei entstehende Staub wird sofort über eine zweite Leitung wieder abgesaugt. 

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Vor allem in Altbauten überzeugt die Pelletheizung durch niedrige Verbrauchskosten und erhält dementsprechend staatliche Fördergelder. Bei Neubauten kommen hingegen immer öfter Wärmepumpen zum Einsatz, weiß auch Heizungsbauer Markus Gebhardt aus Knetzgau. "Die sind besonders effizient, vor allem, wenn sie in der Kombination mit einer Photovoltaikanlage betrieben werden," so Gebhardt. Ölheizungen hingegen liegen zwar aktuell noch auf Platz drei bei den Heizungstrends, verlieren aber immer mehr von ihrer jahrzehntelangen Beliebtheit. Biomasseheizungen wie Pelletheizungen holen hingegen immer mehr auf, auch wenn die Anschaffungskosten noch recht hoch sind. Diesen Nachteil spielt eine Pelletheizung durch sehr geringe Verbrauchskosten aber zuverlässig binnen weniger Jahre wieder ein.

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Für Günther Lieberth, Energieberater im Landkreis Haßberge, sind Pelletheizungen aber nur unter bestimmten Bedingungen die beste Alternative. "Wer eine neue Heizung plant, sollte vor der Anschaffung erst einmal andere Dinge beachten", hebt der Fachmann die Bedeutung der Energie-Einsparung hervor. Ältere Häuser könnten allein schon durch eine energetische Sanierung viel gewinnen. "Wenn die im Raum erzeugte Wärme schnell nach außen wandert, nutzt die beste Heizung nicht", schwört Lieberth auf eine effektive Dämmung. Sollte das allerdings nicht möglich sein, "brauche ich natürlich mehr Energie für die Heizung." Und dann wäre eben eine Pelletheizung die richtige Wahl.

Wichtig sei dann allerdings auch, dass man nicht auf Billiganbieter zurückgreift, deren Pellets oftmals den ökologischen und auch genormten Ansprüchen hinterherhinken. "Das spart nur kurzfristig Geld, die modernen Pelletöfen merken sofort, dass da Pellets verwendet werden, die beispielsweise nicht die richtige Größe haben, können verstopfen, verschmutzen und dann Störungen melden," warnt der Energieberater.

Besonders in den letzten Wochen konnten Conny und Rainer Bötsch ihre neue Heizung richtig genießen. Bei Temperaturen deutlich unter null Grad konnten die Pellets richtig zeigen, was sie so drauf oder besser gesagt drin haben. Der Gemütlichkeit im Wohnzimmer stand nichts im Wege.

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