Goßmannsdorf

Erfahrene Originale und motivierter Nachwuchs

Herbert Jung (links) hat bei der Theatergruppe des TSV Goßmannsdorf alle Fäden in der Hand: Er wählt die Stücke aus, führt Regie und spielt mit Leidenschaft auf der Bühne mit. Mit im Bild Michael Hömer bei der Probe zum aktuellen Stück „Die ausgebuffte Rentner-WG”.
Foto: Gudrun Klopf | Herbert Jung (links) hat bei der Theatergruppe des TSV Goßmannsdorf alle Fäden in der Hand: Er wählt die Stücke aus, führt Regie und spielt mit Leidenschaft auf der Bühne mit.

Ab wann tatsächlich in Goßmannsdorf Theater gespielt wurde, weiß heute niemand mehr genau. Zunächst im alten Kindergarten, später im „Hömer-Saal“ des Gasthofes „Schwarzer Adler“ und seit 1995 im Sportheim, brachte die Theatergruppe des TSV 1862 Goßmannsdorf die Menschen zum Lachen. Nicht nur heute fördert die Goßmannsdorfer Bühne immer wieder besondere schauspielerische Talente zutage.

Auch früher schon gab es begnadete Spieler, die dem Publikum noch immer im Gedächtnis sind. Adolf Müller sei so einer gewesen, erinnert sich Mechthild Schätzlein, die selbst seit über 20 Jahren auf der Bühne steht. Sie habe noch genau das Bild vor Augen, wie er auf der Bühne plötzlich aus einem befeuerten Wurstkessel, von Kopf bis Fuß kohlschwarz, auftauchte. „Wenn der seinen Text nicht mehr wusste, tat er so, als würde er Fliegen fangen“, lacht Herbert Jung. Dabei habe Adolf Müller sich fuchtelnd Richtung Souffleur bewegt, wo er Hilfe suchte.

Zehn Vorstellungen

Ab 1955 belegen prall gefüllte Ordner das Theaterleben in Goßmannsdorf. Haarklein hat Herbert Jung neben dem Titel des Stückes und den Namen der Mitspieler, auch die Anzahl der Proben und Vorstellungen mitsamt der geleisteten Stundenzahl aufgelistet. Von ursprünglich einer Aufführung stieg die Zahl im Laufe der Jahre auf inzwischen zehn Vorstellungen.

Im vergangenen Jahr habe man beispielsweise auf 23 Proben insgesamt 71,5 Stunden lang das Stück einstudiert und etwa 50 Stunden vor Publikum gespielt. Bühnenausstattung, Kleidung und Utensilien zusammensuchen, Werbung, Kartenvorverkauf und Vieles mehr – da kommen summa summarum locker zwischen 120 und 140 für jeden zusammen. Ohne die Zeit für's Lernen, versteht sich.

Als Försterbub hatte Herbert Jung 1971 seinen ersten Einsatz. Seit er 1999 Alois Dietz als Regisseur ablöste, ist der 63-Jährige quasi „Mädchen für alles“ – er führt Regie, steht selbst auf der Bühne und organisiert das ganze Drumherum. 40 bis 50 Schwänke und Krimikomödien wälzt Jung jährlich auf der Suche nach dem perfekten Stück.

Rollen authentisch besetzen

Viele Kriterien müssen erfüllt sein, damit sich der anspruchsvolle Regisseur für ein Werk entscheidet. Es muss auf die kleine, dreieckige Bühne passen, die Anzahl der Mitspieler muss stimmen und es muss bis zum Schluss spannend bleiben. „Entscheidend ist aber, ob ich alle Rollen authentisch besetzen kann.“

Neuzugang Jonathan Mücke bestätigt: „Wenn die Rollen zum Spieler passen, fühlt sich auch jeder darin wohl und bringt sie glaubhaft rüber.“ Der 18-Jährige, der bereits auf dem musischen Gymnasium Theaterluft schnupperte, ist mit Feuereifer dabei. „Das ist meine Welt“, schwärmt er, sehr zur Freude seiner Tante Mechthild Schätzlein. Die Tradition des Theaterspielens bringe die Menschen zusammen und sei es wert, erhalten zu werden, ist der Nachwuchsschauspieler überzeugt.

Neue auf der Bühne

Neben Jonathan stehen heuer gleich zwei weitere „Neue“ auf der Goßmannsdorfer Bühne. Während Jonas Jung in die Fußstapfen seines Vaters tritt, hatte Verena Mühlschlegel bisher keinerlei Verbindung zu Goßmannsdorf. Sie geriet eher zufällig in die letztjährige Vorstellung. War davon dann aber so begeistert, dass sie in der Pause schnurstracks hinter die Bühne marschierte und darum bat, in die Truppe aufgenommen zu werden.

Jedes Jahr kämen Zuschauer auf ihn zu, die künftig mitspielen wollten, sagt Jung. „Aber, wenn es dann im nächsten Jahr soweit ist, machen sie einen Rückzieher.“ Nicht so die 23-jährige Verena. Sie wird in der kommenden Theatersaison als polnische Putzfrau auf der Bühne stehen. Das gebrochene Deutsch beherrscht sie bereits perfekt. „Manchmal ist es nach dem Proben schwer, das wieder abzulegen“, lacht sie.

„Für uns ist das jetzt super“, ist Herbert Jung vom Ansturm der Jugend begeistert. Viele Jahre habe es den Goßmannsdorfern an Nachwuchs gemangelt. Vor zwei Jahren sei dann mit Susanne Mehling der Durchbruch gekommen.

Lust zum Mitmachen

„Wenn mal eine Jüngere dazukommt, dann bekommen andere auch Lust zum Mitmachen“, weiß Jung aus Erfahrung.

Der griff in der Vergangenheit schon auch mal zu ungewöhnlichen Methoden, wenn ihm für das ausgewählte Stück Schauspieler fehlten. „Du musst beim Theater mitspielen. Ich brauche dich unbedingt“, bettelte er vor 15 Jahren Heinz Schätzlein an. Dass dieser gerade im warmen Wasser seiner Badewanne lag, störte den Theaterleiter bei seinen Überredungsversuchen wenig. „Da konnte er mir wenigstens nicht entkommen.“ Nach einem Tag Bedenkzeit stimmte Schätzlein zu.

Auch wenn er seinen Wirkungskreis inzwischen als „Allrounder“ hinter die Bühne verlegt hat, ist er dem Goßmannsdorfer Theater bis heute treu geblieben. Auf seine Frau Mechthild fällt die Wahl stets, wenn es die Rolle eines Originals zu besetzen gilt. „Ich rede auf der Bühne, wie mir der Schnabel gewachsen ist“, lacht sie. Sie sei auf der Bühne einfach sie selbst, „so wie sie daheim auch ist“, bestätigt Herbert Jung.

Jeder hat seine Paraderollen

Ein jeder habe seine Paraderollen, versucht der Regisseur stets, die Rollen optimal zu besetzen. Aber nicht nur in dieser Hinsicht ist Jung Perfektionist. Auf der Bühne, die mit ihrer dreieckigen Form jedes Jahr aufs neue eine Herausforderung sowohl für das Bühnenbild als auch für das Agieren der Schauspieler ist, muss alles stimmen. „Vom Schnaps bis hin zur Wurst ist bei uns alles echt“, versichert Jung. Und selbst, wenn es die Rolle einmal verlangt, zehn Schnäpse hintereinander zu trinken, gilt: Augen zu und durch.

Stücke aussuchen, ab Oktober wöchentlich zwei Proben, schlaflose Nächte, Stress – „wieso tust du dir das an“, habe er sich schon öfters gefragt, gibt Herbert Jung zu. Aber das Miteinander auf und hinter der Bühne und vor allem die Resonanz des Publikums mache alles wieder wett, spricht Jung nicht nur sich, sondern seinen Mitstreitern aus der Seele.

Mit der Kriminalkomödie „Die ausgebuffte Rentner-WG“ unterhält die Goßmannsdorfer Theatergruppe in diesem Jahr das Publikum im Sportheim. An den Sonntagen, 6., 13. und 20. Januar beginnen die Vorstellungen jeweils um 17 Uhr. Am Freitag 4., Samstag 5., Donnerstag 10., Freitag 11., Samstag 12., Freitag 18. und Samstag 19. Januar jeweils um 19 Uhr. Karten gibt es unter Tel. (0 95 23) 13 23.

Alles im Blick haben die Rentner der „ausgebufften Rentner-WG”.
Foto: Gudrun Klopf | Alles im Blick haben die Rentner der „ausgebufften Rentner-WG”.
Das gute Miteinander auf der Bühne und die Begeisterung des Publikums, eint altgedienten Hasen und Nachwuchsspieler der Goßmannsdorfer Theatergruppe.
Foto: Gudrun Klopf | Das gute Miteinander auf der Bühne und die Begeisterung des Publikums, eint altgedienten Hasen und Nachwuchsspieler der Goßmannsdorfer Theatergruppe.
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