Fatschenbrunn

Fatschenbrunn: Weihnachtsgottesdienst einmal anders

Ein Gottesdienst im Freien, und das mitten im Winter. So konnten zahlreiche Gläubige trotz Corona-Abstandsregeln an der Messe teinehmen.
Weihnachtsgottesdienst unter freiem Himmel: Die Fatschenbrunner Musikanten sorgten für die perfekte musikalische Umrahmung.
Foto: Christian Licha | Weihnachtsgottesdienst unter freiem Himmel: Die Fatschenbrunner Musikanten sorgten für die perfekte musikalische Umrahmung.

Auch wenn einige Pfarrgemeinden im Landkreis ihren Weihnachtsgottesdienst abgesagt hatten: Im Oberauracher Ortsteil Fatschenbrunn hielten Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung an der Tradition fest. Sie veranstalten dort alljährlich eine Einführung in die Heilige Nacht, die freilich im Corona-Jahr 2020 anders ablief als gewohnt. Unter freiem Himmel mit Maskenpflicht und Sicherheitsabstand genossen dennoch die Gläubigen die besondere Kirchenveranstaltung.

Kerzen zeigen den Abstand an

Ein großer Christbaum stand in der Mitte des Hutzelhofes von Franz Hümmer, der sein landwirtschaftliches Anwesen zur Verfügung stellte. War es doch seine Schwiegertochter Ruth Hümmer-Hutzel, die als Pfarrgemeinderatsvorsitzende zusammen mit ihrer Gremiumskollegin Monika Thierstein durch die stimmungsvolle 30-minütige Zusammenkunft führte. Rund 50 Personen waren gekommen, die sich im großen Hof versammelten. Am Boden standen Kerzen in Gläsern, die den teilnehmenden Familiengruppen den richtigen Abstand wiesen.

Im großen Hutzelhof konnten die rund 50 Anwesenden die traditionelle Einführung in die Heilige Nacht erleben. Kerzen am Boden zeigten ihnen die Plätze, an denen sie mit ausreichendem Abstand stehen konnten.
Foto: Christian Licha | Im großen Hutzelhof konnten die rund 50 Anwesenden die traditionelle Einführung in die Heilige Nacht erleben. Kerzen am Boden zeigten ihnen die Plätze, an denen sie mit ausreichendem Abstand stehen konnten.

Mit einer Kurzfassung der Heiligen Geschichte, einem "sprechenden" Christbaum, der Weihnachten aus seiner Sicht erzählte, sowie Fürbitten und Gebeten, kam in der Dämmerung des Nachmittags die richtige Stimmung auf. Dazu konnte sich jeder am Friedenslicht seine eigene Kerze entzünden. Auch wenn auf Gesang coronabedingt verzichtet werden musste, sollte die Musik nicht zu kurz kommen. Die Fatschenbrunner Musikanten unter der Leitung ihres Dirigenten Horst Aumüller sorgten für eine festliche Umrahmung.

Und wie gefiel den Anwesenden dieser besondere Heiligabend? "Ich hatte Angst, dass das Ganze ins Wasser fällt. Aber kaum hatte die Musik angefangen zu spielen, schaute sogar die Sonne heraus", beschrieb Felix Ortegel das Glück der Fatschenbrunner, die Veranstaltung trotz des allgemein regnerischen Wetters trocken überstehen zu dürfen. Zusammen mit seiner Frau Angelika und den Kindern Lorenz (8), Luise (6) und Benjamin (3) war der Familienvater gekommen, der seit diesem Jahr auch Ortssprecher des 274-Einwohner-Dorfes ist.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ruth Hümmer-Hutzel (rechts) und ihre Gremiumskollegin Monika Thierstein (links) führten durch die stimmungsvolle Zusammenkunft.
Foto: Christian Licha | Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ruth Hümmer-Hutzel (rechts) und ihre Gremiumskollegin Monika Thierstein (links) führten durch die stimmungsvolle Zusammenkunft.

"Wenn man live dabei sein kann, kommen doch schon die Tränen ein bisschen in die Augen", erklärte Angelika Ortegel den Unterschied zu einem Gottesdienst im Fernsehen, den sich die Familie angeschaut hätte, falls der kirchliche Heiligabend in Fatschenbrunn ausgefallen wäre. Kerstin Pfaff, die zusammen mit ihrem 13-jährigen Sohn Nicklas den Abend mit der Familie ihrer Schwester Angelika Ortegel verbrachte, sprach den Verantwortlichen ein großes Dankeschön aus und lobte die perfekte und vorschriftsmäßige Organisation unter Coronabedingungen.

Ein Veranstaltungstechniker macht das Beste aus seiner Situation

Einer, der ebenfalls in das Geschehen auf dem Hutzelhof Hümmer involviert war, ist Mario Pfaff. Der selbständige Veranstaltungstechniker sorgte ehrenamtlich für den richtigen Sound und stellte dafür seine Tonanlage kostenfrei zur Verfügung. Für ihn war es kein leichtes Jahr: Alle gebuchten Veranstaltungen fielen aus und die wenigen, die ersatzweise stattfanden, wie zum Beispiel die Open-Air-Kinoveranstaltungen in Sand und Zeil, waren für Pfaff umsatzmäßig kein nennenswerter Ersatz. Zwar bekam er die Soforthilfe vom Staat, durfte diese aber nur für Geschäftskosten verwenden, nicht für seinen Lebensunterhalt.

Der selbstständige Veranstaltungstechniker Mario Pfaff stellte in seinem Heimatdorf kostenfrei die Tonanlage für das Weihnachtsevent zur Verfügung.
Foto: Christian Licha | Der selbstständige Veranstaltungstechniker Mario Pfaff stellte in seinem Heimatdorf kostenfrei die Tonanlage für das Weihnachtsevent zur Verfügung.

Aber da der 46-Jährige keiner ist, der die Hände in den Schoß legt, sondern sich immer zu helfen weiß, packte er anderweitig mit an. Mit einer stundenweisen Beschäftigung am Landratsamt hält er sich über Wasser. Am Anfang als Einweiser an der Corona-Teststelle und jetzt aktuell als "Türsteher" bei der Zulassungsstelle, wo er die Besucher vom Eingang zum Schalter begleitet und für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen sorgt.

Der achtjährige Lorenz und seine sechsjährige Schwester Luise freuten sich besonders, dass das Team von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung einen Korb Mandarinen an den Ausgang gestellt hatte, an dem sich jeder bedienen konnte.
Foto: Christian Licha | Der achtjährige Lorenz und seine sechsjährige Schwester Luise freuten sich besonders, dass das Team von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung einen Korb Mandarinen an den Ausgang gestellt hatte, an dem sich jeder ...

"Ich lasse mich impfen, wenn ich an der Reihe bin", sagt Pfaff, dessen Hoffnungen darauf beruhen, eine mindestens 60-prozentige Impfabdeckung zu bekommen. Nur so könne dem Virus Einhalt geboten werden und die Inzidenzwerte sinken, so dass wieder ein einigermaßen normales Leben möglich sei. Gleichzeitig ruft der Ein-Mann-Unternehmer dazu auf: "Haltet Euch bitte alle an die Corona-Regeln, denn da steckt schon viel Sinn dahinter."

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