Fürnbach

Fürnbachs goldene Spitze strahlt in neuem Glanz

Am Abend hatte Fürnbach sein Kirchturmkreuz wieder zurück. Es erstrahlt nun in neuem Glanze.
Foto: Isabel Zier | Am Abend hatte Fürnbach sein Kirchturmkreuz wieder zurück. Es erstrahlt nun in neuem Glanze.

Der Fürnbacher Kirchturm war in den vergangenen Wochen weitestgehend in Eigenleistung teilrenoviert worden. In einer Andacht am Freitagnachmittag wurde das restaurierte Turmkreuz nun gesegnet und zusammen mit Zeitzeugnissen wieder auf der Spitze montiert.

Ungewohnter Anblick

Am Freitag läuteten um kurz vor 16 Uhr die Glocken der Fürnbacher Kirche zum Gottesdienst. Doch wer dann zum Kirchturm nach oben schaute, hatte einen seltenen Anblick: Das Kreuz auf der Spitze fehlte. Ganze fünf Wochen lang war es nicht am gewohnten Platz. Denn das Kirchturmkreuz und auch der Kirchturm selbst mussten dringend erneuert werden.

Der Bau der Kirche „Allerheiligen“ in Fürnbach stammt noch von 1711. Er wurde 1960 erweitert und zwei Jahre später folgte die Turmerrichtung. Das inzwischen in die Jahre gekommene Turmkreuz war ganz verrostet und auch die Schallgitter des Turms kaputt. Das einfache Kreuz wurde damals zusammen mit einer eiförmigen Halterung, die eher provisorisch aus einzelnen Metallstücken zusammengeschweißt worden war, auf dem Turmdach angebracht. Diese längliche Metallkonstruktion, auf dem nun jahrzehntelang das Kreuz befestigt gewesen war, erinnerte den Mesner Siegfried Nüßlein heute eher an „eine aufgeplatzte Kaffeebohne“ als an eine Kugel und soll in Zukunft auf dem Friedhof als Mahnmal dienen.

Vier Fürnbacher, die tatkräftig an den Renovierungsarbeiten mitgewirkt hatten, trugen das neue Kreuz auf den Dorfplatz.
Foto: Isabel Zier | Vier Fürnbacher, die tatkräftig an den Renovierungsarbeiten mitgewirkt hatten, trugen das neue Kreuz auf den Dorfplatz.

Die jetzige Montage sollte nicht wieder so unbemerkt wie damals vor 58 Jahren vonstatten gehen, sondern dieses Mal feierlich und würdevoll – auch wenn durch Corona nur im kleinen Rahmen. Bei einer Segnungsfeier sollte das sanierte Kreuz mitsamt der neuen vergoldeten Kugel vor den Augen der Einheimischen mit Zeitzeugnissen bestückt und wieder auf der Spitze angebracht werden.

Ein "Finger gen Himmel"

Mit musikalischer Unterstützung der „Steigerwaldklänge Fürnbach“ trugen vier Fürnbacher, die an den  Renovierungsarbeiten beteiligt waren, das aufgebesserte und vergoldete Kirchturmkreuz und die dazugehörige Kugel auf einem Tragegestell auf den Dorfplatz vor der Kirche. Dort eröffnete Pfarrer Kurt Wolf den Gottesdienst im Freien. Er sprach von Kreuz und Turm, die "wie ein Segen über uns und als Finger gen Himmel und Gott" stehen.

Der Kirchenpfleger Siegfried Nüßlein befüllte wenig später eine kupferne Kapsel, die bis zur nächsten Restaurierung in der Kugel verbleiben soll, mit verschiedenen Zeitzeugnissen: Neben der aktuellen Geldwährung, der Tagesausgabe einer Lokalzeitung, dem Sonntagsblatt, dem Pfarrblatt, einem Foto und dem Liedblatt des Gottesdienstes gab er auch eine Art Chronik hinein. Das handgeschriebene Dokument skizziert die Geschichte des Dorfs, der Kirche und ihrer Mitglieder.

Um Kreuz und Kugel samt Kapsel an ihren Platz zu bringen, montierten Arbeiter der Firma Tröppner die Teile auseinander, wickelten sie ein und zogen sie außen am Baugerüst nach oben.
Foto: Isabel Zier | Um Kreuz und Kugel samt Kapsel an ihren Platz zu bringen, montierten Arbeiter der Firma Tröppner die Teile auseinander, wickelten sie ein und zogen sie außen am Baugerüst nach oben.

Pfarrer Wolf segnete Kreuz und Kugel und richtete herzliche Dankesworte an Nüßlein. Nur dank dessen Hartnäckigkeit, unter anderem in der Kommunikation mit der Diözese Würzburg, sei es - so Pfarrer Wolf - zu dieser Instandsetzung gekommen. Denn erst durch herunterfallende Teile des Schallgitters habe die Diözese die Notwendigkeit der Sanierungsarbeiten erkannnt und die Teilrenovierung als „Notbaumaßnahme“ eingestuft. Sie stellte einen Zuschuss von 20 Prozent in Aussicht. Mit der Antwort aus Würzburg – dass lediglich das Nötigste erneuert werden kann – habe sich Nüßlein aber nicht zufrieden gegeben.

Selbst ist der Fürnbacher

Die Fürnbacher ergriffen daraufhin selbst die Initiative: Die Renovierungsarbeiten wurden, mit Ausnahme der Turmkreuzrestaurierung und wie schon 1962 beim Turmbau, ehrenamtlich und in Eigenregie durchgeführt. Es erging daher ein Spendenaufruf zur Finanzierung. Großer Dank galt deshalb den Sponsoren und allen Helfern, darunter Wolfgang und Siegfried Nüßlein, Harald Aumüller, Walter Schug, Alexander Schneider und Richard Klug, die allesamt maßgeblich zur Renovierung beigetragen hatten. Und auch die Gemeinde Rauhenebrach hatte einen Zuschuss von zehn Prozent geleistet.

Gespannt verfolgten die Zuschauer die letzten Handgriffe an Kreuz und Kugel, bevor diese in die Höhe gezogen und auf der 16 Meter hohen Kirchturmspitze montiert wurden.
Foto: Isabel Zier | Gespannt verfolgten die Zuschauer die letzten Handgriffe an Kreuz und Kugel, bevor diese in die Höhe gezogen und auf der 16 Meter hohen Kirchturmspitze montiert wurden.

Am Ergebnis der Restaurierung erfreute sich Nüßlein besonders: Die Größe und der Glanz des sanierten 2,10 Meter hohen Kreuzes seien überwältigend; eine derartige Möglichkeit, das Kreuz aus der Nähe zu betrachten, war für ihn einmalig. „Wir sind alle Zeitzeugen“, rief er den Anwesenden ins Gedächtnis. Und auch die Fürnbacher waren sich sicher: So ein historisches Ereignis sollte man sich nicht entgehen lassen.

Mitarbeiter der Firma Tröppner zogen Kreuz und Kugel samt Kapsel nach der Segnung am Turm vorsichtig nach oben. Und um kurz nach 17 Uhr war es dann soweit: Das Turmkreuz erstrahlte auf der Spitze in neuem Glanz. Zum Abschluss der Andacht spendete Pfarrer Wolf den Schlusssegen, das Te Deum erklang und die Glocken läuteten erneut.

Die Arbeiter der Firma Tröppner schlossen oben die Fixierungsarbeiten ab, während die Zuschauer unten zum gemütlichen Teil der Veranstaltung übergingen. Und da das Gerüst schon einmal stand, nutzten auch Bürgermeister Matthias Bäuerlein und Pfarrer Kurt Wolf die Gelegenheit und erklommen ebenfalls die Kirchturmspitze, um aus 16 Meter Höhe auf Fürnbach herunterzuschauen.

Nun kann das Kreuz mindestens 50 weitere Jahre auf sein Dorf herabblicken und den Turm der Kirche zieren.

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