UNFINDEN

„Gebraut in Unfinden“

(sh) Rauch stieg aus dem Schlot, der Sudkessel wurde früh morgens in Betrieb genommen – und einige der älteren Unfindener erinnerten sich ein klein wenig an die „gute alte Zeit“. Erstmals seit über 50 Jahren braute am Samstag ein Braumeister in Unfinden wieder Bier. Mit viel persönlichem Einsatz hatten die Unfindener ihre alte Brauerei wieder auf Vordermann gebracht. In drei Wochen dürfen sich nun 40 Abnehmer auf ihr erstes Heimatbier freuen.
Hervorragend in das Ortsbild von Unfinden passt das unter Einsatz von vielen Arbeitsstunden renovierte Brauhaus.
| Hervorragend in das Ortsbild von Unfinden passt das unter Einsatz von vielen Arbeitsstunden renovierte Brauhaus.

Wann in Unfinden das Brauhaus gebaut und mit dem Bierbrauen begonnen wurde, das ist nicht sicher bekannt. Dass aber bis ungefähr 1960 im Brauhaus in Unfinden Bier gebraut wurde, das wussten die älteren Üfelder noch, die beim ersten Bierbrauen in Unfinden nach über 50 Jahren dabei waren. Der ehemalige Bürgermeister Ernst Geuß erinnert sich noch daran, dass das Brauen damals ein richtiges Fest fürs ganze Dorf war.

Braumeister kommt zum Essen

Nachbarschaftshilfe war angesagt, es wurde geholfen, um das Bier in Butten nach Hause zu tragen. Zehn Hektoliter waren es seinerzeit, die im Jahr gebraut wurden, und der Braumeister, es waren Sigmund Eller und dann Willi Eller, wurden von den am Bierbrauen beteiligten Familien verköstigt. „Heute müssen wir etwas Besonderes kochen, der Braumeister kommt zum Essen“, an diese Aussage denkt Ernst Geuß heute noch.

 Ganz so ist es in Unfinden heute nicht mehr, obwohl seit Samstag wieder Rauch aus dem Schlot am Brauhaus aufsteigt und in diesem Stadtteil der Stadt Königsberg wieder Bier gebraut wird. Denn das ehemalige Brauhaus dient wieder dem Zweck, für den es eigentlich einmal errichtet worden war. In den letzten Jahren drohte das Haus zu verfallen und zu einem Schandfleck in Unfinden zu werden.

Vor einiger Zeit hatten die Unfindener aber die Idee, das Brauhaus wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Dazu wurde ein Förderverein Brauhaus Unfinden gegründet, wurden Bestandsaufnahmen und Pläne gemacht, die Finanzierung überlegt, dabei auch nach Zuschüssen gesucht und auch welche gefunden, und sich dann an die Arbeit gemacht.

Am Samstag früh um 6 Uhr wurde zum ersten Mal nach über 50 Jahren unter dem Sudkessel im renovierten Brauhaus wieder angeheizt. Braumeister Georg Merklein schaut hier nach dem Rechten.
| Am Samstag früh um 6 Uhr wurde zum ersten Mal nach über 50 Jahren unter dem Sudkessel im renovierten Brauhaus wieder angeheizt. Braumeister Georg Merklein schaut hier nach dem Rechten.

Nur noch weniges Inventar konnte in seinem Urzustand weiter verwendet werden, vieles musste innen und außen erneuert oder restauriert werden. Dabei haben in Unfinden viele fleißige Kräfte zusammen geholfen und ein fast verfallenes Brauhaus in ein innen voll funktionsfähiges und auch außen hervorragend ins Ortsbild passendes neues Brauhaus umgewandelt.

Es war eine Gemeinschaftsarbeit vieler. Unermüdlicher Motor und Antreiber war aber Vorstand Christian Hey, der selbst weit über 1200 Stunden mit eingebracht hat. „Es hat viel Spaß gemacht“, war seine Antwort auf die Frage nach so viel persönlichem Engagement.

Früh um 6 Uhr wurde nun am Samstag zum ersten Mal unter der Aufsicht von Georg Merklein der Sudkessel angeschürt. Der Braumeister aus Reckendorf wachte nicht nur den ganzen Tag darüber, dass das erste Bier im neuen Brauhaus auch gut gelingt. Gleichzeitig gab er seinen vielen Helfern die notwendigen Tipps und verriet ihnen Tricks für die Zukunft.

Dann werden die Unfindener das Brauen selbst in die Hand nehmen. Geplant sind auch verschiedene Biersorten. Für die noch ausstehende offizielle Einweihung wird dann natürlich ein Festbier gebraut werden.

Insgesamt 2300 Liter gebraut

Auf das Bier vom Samstag, es wurden insgesamt 2300 Liter gebraut, müssen die 40 angemeldeten Bierabnehmer noch rund drei Wochen warten. So lange dauert es ungefähr, bis in den Gärtanks im kühlen und dunklen Gärkeller des Brauhauses der Zucker zu Alkohol vergoren ist. Deshalb wurde am Samstag das wieder in Betrieb genommene Brauhaus noch mit Fremdbier begossen.

Vorsitzender Christian Hey war unermüdlicher Motor des Fördervereins Brauhaus Unfinden. Auch beim Brauen half er am Samstag fleißig mit.
Foto: FOTOs (3) snater | Vorsitzender Christian Hey war unermüdlicher Motor des Fördervereins Brauhaus Unfinden. Auch beim Brauen half er am Samstag fleißig mit.
Alle sind heute aber schon gespannt auf den ersten Schluck des ersten Bieres „Gebraut in Unfinden“. Eine Tradition aus der Zeit des Brauens vor über 50 Jahren ließen die Unfindener am Samstag wieder aufleben. Sie machten aus dem Tag des erstens Bierbrauens in ihrem Dorf ein fröhliches Fest für die ganze Dorfgemeinschaft.

Interesse am Bierbrauen zeigte auch die Welle Mainfranken des Bayerischen Rundfunks. So war Korrespondent Norbert Steiche auch unter den Besuchern. Sein Bericht wird am heutigen Montag zwischen 12 und 13 Uhr in der Welle Mainfranken im ersten Programm des Bayerischen Rundfunks zu hören sein.

 
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