Mariaburghausen

Grabplatten des fränkischen Adels in der alten Klosterkirche

Die Grabplatte der Agatha von Guttenberg in der Sepultur der ehemaligen Klosterkirche der Zisterzienserinnen zu Mariaburghausen. Die Verstorbene, dargestellt im Frontalrelief, trägt eine prächtige weltliche Bekleidung aus dem Jahre 1570.
Foto: Albin Schorn | Die Grabplatte der Agatha von Guttenberg in der Sepultur der ehemaligen Klosterkirche der Zisterzienserinnen zu Mariaburghausen.

„0 got Erbarm dig mein.“ Diesem Fürbitt-Gebet begegnet der Besucher in der Sepultur der ehemaligen Klosterkirche Mariaburghausen auf der Sandsteingrabplatte der Novizin Agatha von Guttenberg. Sie lebte demnach noch in der Vorbereitungszeit auf die Ablegung des Ordensgelübdes der Klostergemeinschaft.

Die Steinplatte mit dem Frontalrelief der Verstorbenen – einer wohl jungen Frau, in einem prachtvollen wallenden und fein herausgearbeiteten Gewand – ist Ausdruck einer wohlhabenden Adelsfamilie. Die eingehauene Umschrift in Fraktur auf dem Rahmen beschreibt das Todesjahr Anno Domini 1570 und den Todestag: Montag 9. Januar der „tugendhaftigen Jungfrau Agatha von Guttenberg“. Sie endet mit der Bitte „der Gott gnädig sein wolle. Amen“.

Oberfränkische Adelsgeschlechter

Dass die Besucher aus der Fränkischen Schweiz sich dieser Reliefplatte besonders zuwandten, erklärt sich aus den vier Wappen der Adelsgeschlechter der Klosterfrau. Diese bezeugen ihre Herkunft und führen zu fränkischen, meist oberfränkischen Adelsgeschlechtern. Noch heute bewohnen die von Aufseß die Burgen von Unteraufseß und Oberaufseß.

17 Burgen erbauten sie. Ihr Wappen schmückt eine Rose mittig auf einem Querbalken am Rahmen unten rechts. Gegenüber, links, ist das Wappen gleichfalls eines oberfränkischen Geschlechts zu erkennen, derer von Giech. Am oberen Rahmen – links – zeigt sich das Wappen der Familien von Guttenberg, gegenüber, in der rechten oberen Ecke, das Wappen des Rittersgeschlechts von Rüssenbach.

Die Grabplatte der von Guttenberg ist im südlichen Seitenschiff der Kirche in den Ziegelboden eingelassen. Ende des 12. Jahrhunderts galt diese Regel, damit sich Besucher nicht verletzen. Später wurden fast alle Grabplatten in die Wände des Gotteshauses eingesetzt. Mariaburghausen ist hierin eine Ausnahme.

Statuten der Zisterzienser

Die Gedenk- und Erinnerungsmale an einer Grabstätte in geweihter Erde und in der Nähe zu Reliquien der Heiligen sollten wohl den Toten näher zu Gott bringen. Nach den Statuten der Zisterzienser und Zisterzienserinnen durften nur Wohltäter und Stifter in Klöstern bestattet werden.

Eine Bruderschaft der „Elenden Kerzen“ wurde 1478 im Kloster mit einem festen Regelwerk gegründet. Sie hatte ausschließlich Vorsorge-Charakter für das eigene Seelenheil, für das aller Gutmeinenden innerhalb und außerhalb des Klosters – zu Hilfe und Trost unserer eigenen Seelen, der unserer Vorfahren und Eltern, besonders aber aller armen Seelen, denn diese rufen und schreien täglich: Erbarmt euch über uns!

So zitiert Rainer Wailersbacher in seinem Buch „Kloster Kreuzthal-Mariaburghausen 1237/43-1582“ aus der Fundationsurkunde der Bruderschaft.

Die Besucher vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis aus Scheßlitz in der Fränkischen Schweiz  - hier vor dem Eingangsportal zur Grablege -  zeigten sich beeindruckt von den historischen Erinnerungsmalen.
Foto: Albin Schorn | Die Besucher vom heimatgeschichtlichen Arbeitskreis aus Scheßlitz in der Fränkischen Schweiz - hier vor dem Eingangsportal zur Grablege - zeigten sich beeindruckt von den historischen Erinnerungsmalen.
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