Haßfurt

Haßbergkreis: 77-Jähriger wegen Sozialbetrugs verurteilt

Die bewegende Geschichte eines Rentners führte vor Gericht zu einem abgemilderten Urteil. Um eine Strafe kommt der Mann trotzdem nicht herum.
Knapp 3400 Euro muss ein 77-Jähriger aus dem Maintal an das Sozialamt zurückzahlen. Hinzu kommen noch 600 Euro Strafe.
Foto: Symbolbild dpa/Christin Klose | Knapp 3400 Euro muss ein 77-Jähriger aus dem Maintal an das Sozialamt zurückzahlen. Hinzu kommen noch 600 Euro Strafe.

Fast 3400 Euro an Sozialleistungen erhielt ein Rentner aus dem Maintal im Jahr 2019 vom Landratsamt Haßberge ausbezahlt, ohne einen Anspruch darauf zu haben. Der 77-Jährige hatte damals gearbeitet und Geld verdient, was er jedoch der Behörde verschwieg. Als der Betrug aufflog, erhielt er einen Strafbefehl über 60 Tagessätze zu 40 Euro, also 2400 Euro, gegen den er Einspruch einlegte.

Am Donnerstag musste er sich daher am Amtsgericht verantworten, wo er in seinem Plädoyer sehr weit ausholte. Seine Ehefrau sei seit dem Jahr 2014 krank und bereits neun Mal operiert worden, ließ er das Gericht wissen. Dabei sei die Hälfte ihrer Leber entfernt worden. Zweimal habe er sie bereits bewusstlos aufgefunden. Sein Gewerbe habe er daher abgemeldet. Er selbst sei im Besitz eines Herzschrittmachers. Das Studium seines Sohns habe er auch noch mitfinanzieren müssen. Sein Wohnhaus sei nach einem Wasserschaden eine bessere Ruine. Die Heizung sei ausgefallen, die Not sei groß.

Gericht kommt dem Angeklagten entgegen

Vom Landratsamt fühle er sich diskriminiert. Er sei dort derb behandelt worden, "wie auf einem Truppenübungsplatz". "Ich kann mit solchen Leuten nicht zusammenarbeiten", erklärte er auf der Anklagebank. Er habe kein Geld in der Schweiz und sei kein Betrüger, beteuerte er.

Gleichzeitig gab er zu, vorsätzlich gehandelt zu haben, womit er ein Geständnis ablegte. Er bat die Vorsitzende darum, aus der Strafsache eine "Ordnungssache" zu machen. "Wenn ich die Strafe absitzen muss, stirbt meine Frau", drückte er auf die Tränendüse. Die Richterin belehrte den Angeklagten, dass aus dem Strafbefehl keine Ordnungssache werden könne. Absitzen müsse er die Strafe aber nur, wenn er das Geld nicht zuückzahle. Sie bot ihm an, die Tagessatzhöhe auf zehn Euro zu reduzieren. Er müsse daher nur noch 600 Euro plus Gerichtskosten zahlen sowie natürlich das zu Unrecht erhaltene Geld. Dies nahm der Rentner dankbar an. Er sei hochzufrieden und bedanke sich für das Urteil, schloss er seinen Redeschwall.

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