Haßfurt

Haßbergkreis: Ist der Fasching heuer wirklich mausetot?

Die großen Faschingsveranstaltungen müssen heuer ausfallen. Wie gehen die Narren mit der Situation um? Haben sie sich vielleicht coronakonforme Alternativen überlegt?
Kein Faschingszug, weder in Zeil am Main (im Bild) noch sonst wo: Der Corona-Lockdown sorgt dafür, dass die närrischen Tage in diesem Jahr ausfallen. Wie gehen die Faschingsvereine im Landkreis Haßberge mit dieser Situation um? Die Redaktion hat nachgefragt.
Foto: Ralf Naumann, Montage MP | Kein Faschingszug, weder in Zeil am Main (im Bild) noch sonst wo: Der Corona-Lockdown sorgt dafür, dass die närrischen Tage in diesem Jahr ausfallen.

Das Faschingswochenende steht vor der Tür. Es ist der Höhepunkt einer jeden närrischen Session. Doch aufgrund der Coronapandemie und des Lockdowns ist jetzt an ausgelassenes Faschingstreiben nicht zu denken. Für den Landkreis Haßberge hatten die Bürgermeister schon Anfang September entschieden, dass es im Herbst und Winter keine öffentlichen Großveranstaltungen geben wird. Somit war auch die Session in Haßgau, Maintal und Steigerwald offiziell abgesagt. Aber fällt der Fasching tatsächlich komplett aus? Und wie gehen die Närrinnen und Narren mit der Situation um? Die Redaktion hat sich im Landkreis Haßberge umgehört.

Elf weise Hasen hoffen auf das nächste Jahr

Es hätte ihre erste Session als Sitzungspräsidentin der Elf weisen Hasen Haßfurt werden sollen. Sandra Lohs hatte erst vergangenes Jahr das Amt von Martin Eck übernommen. Fünf Sitzungen waren geplant mit insgesamt 1200 bis 1500 Besuchern. Aber: "Wir halten die Entscheidung der Bürgermeister, keine Veranstaltungen zuzulassen, für gut und richtig", sagt Lohs. "Es gibt keine Sitzungen, auch nicht online." Diese Möglichkeit hatte der Verein schnell verworfen. "Nur mit Einzelvorträgen, ohne Gardetänze und ohne Publikum - das wäre nicht das, was uns ausmacht", erklärt Lohs, die zudem Ärger unter den Akteuren befürchtet hätte, die dabei hätten auftreten dürfen, während andere außen vor geblieben wären.

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Dabei hatten die Garden im Sommer schon trainiert, bevor die Absage kam. "Die Trainierinnen sind aber in gutem Kontakt mit der Vereinsführung und auch mit den Mädels", sagt Lohs. Es habe keine Austrittswelle gegeben, alle Beteiligten hätten die Entscheidung nachvollziehen können. Lohs hofft, dass auch das Publikum den Elf Weisen Hasen treu bleibt und dass sich die Lage in den kommenden Monaten positiv entwickelt. Wie es sich für Narren gehört, ist Sandra Lohs optimistisch: Die Stadthalle ist für 2022 schon reserviert.

Keine Faschingsgaudi, keine Ausgaben

Mit mehreren tausend Besuchern und etwa 60 Gruppen und Wagen ist der Faschingszug des Sander Faschingskomitees alljährlich der größte im Landkreis Haßberge. 1000 bis 1100 Teilnehmer waren in den zurückliegenden Jahren mit dabei. Die Party im großen Festzelt am Altmain war für viele Besucher ein Höhepunkt des Faschingswochenendes. "Wir haben uns geeinigt, dass wir gar nichts machen", erklärt Stefan Flachsenberger vom Organisationsteam. Große finanzielle Nachteile sieht er dadurch aber nicht auf seinen Verein zukommen. Schließlich hat der Verein ohne Faschingsgaudi auch kaum Ausgaben.

"Die Faschingswagen kommen dann eben im nächsten Jahr zum Einsatz."
Armin Deinhart, Faschingskomitee Trossenfurt-Tretzendorf

Faschingszug mit anschließender Party im Oberaurachzentrum - so sind es die Faschingsfreunde im Steigerwald gewohnt. Wie Armin Deinhart vom Faschingskomitee berichtet, säumten in den vergangenen Jahren beim Gaudiwurm bis zu 3000 Zuschauer die Straßen in Trossenfurt und Tretzendorf. Das durch Corona bedingte Alternativprogramm verzeichnet schon vor dem Faschingswochenende mehr als doppelt so viele Zuschauer: Der SC Trossenfurt/Tretzendorf hat sich nämlich etwas einfallen lassen und postete am vergangenen Sonntag auf Facebook ein kurzes Video, das den "57. Gaudiwurm Trossenfurt/Tretzendorf" mit Playmobil-Figuren zeigt. Angeführt wird der Zug von einem Wagen, der einen Faschingskrapfen über einen mit Konfetti bedeckten Fliesenboden zieht. Zu den Klängen des Narhalla-Marsch filmt die Kamera an weiteren Wagen und Fußgruppen entlang. Aber auch große Wagen wurden in Oberaurach in den vergangenen Monaten bereits wieder gebaut, wie Deinhart weiß. "Die Faschingswagen kommen dann eben im nächsten Jahr zum Einsatz", ist das Komiteemitglied guter Dinge für die Zukunft.

Bunt geschmückte Fenster in Ermershausen

Einen „Faschingszug to go“ wird es in Ebern geben, dort sind die Faschingsmotto-Plakate der vergangenen Jahre in diversen Schaufenstern ausgestellt. Und etwas Ähnliches haben sich auch die Faschingsfreunde aus Ermershausen ausgedacht. Die Ermetzia hat ihre Mitglieder und die Bewohner aufgefordert, vom Faschingswochenende bis Aschermittwoch in den Häusern Fenster bunt zu dekorieren - beispielsweise mit Luftschlangen, Fingerfarben, Papier, Beleuchtung, Faschingsorden, Fotos aus vergangenen Jahren oder Faschingskostümen. Angelehnt ist die Aktion an den Aufruf des örtlichen Trachtenvereins im Dezember, Fenster weihnachtlich zu dekorieren. Das war auf große Resonanz gestoßen, weiß Stefan Lüdecke, Kassier bei der Ermetzia. Und auch für die Faschingsfenster habe er schon einige Anmeldungen erhalten.

"Seit Herbst sind die meisten Bürger sehr reserviert und vorsichtig."
Stefan Lüdecke, Kassier der Ermetzia Ermershausen

Ansonsten werden sich die Ermershäuser Narren bedeckt halten. Zumal Ermershausen schon im Oktober ein regelrechter Corona-Hotspot im Landkreis war mit vergleichsweise hohen Infektionszahlen. „Seit Herbst sind die meisten Bürger sehr reserviert und vorsichtig", sagt Lüdecke. Für die Ermetzia selbst ist die Absage finanziell nicht das große Problem, handelt es sich dabei doch um eine Untergruppe der SpVgg Ermershausen. "Wir haben dieses Jahr keine Ausgaben für Kostüme und Orden", sagt Lüdecke. Schwerer trifft die Situation den Sportverein, der trotz der Absagen und des aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht mageren Jahres 2020 diverse Fixkosten hat - insbesondere für den Unterhalt der vereinseigenen Mehrzweckhalle. 

Im Landratsamt in Haßfurt waren am 'närrischen Donnerstag' die Hexen unterwegs. Da musste die extra lange Krawatte von Landrat Wilhelm Schneider dran glauben.
Foto: Moni Göhr/Landratsamt Haßberge | Im Landratsamt in Haßfurt waren am "närrischen Donnerstag" die Hexen unterwegs. Da musste die extra lange Krawatte von Landrat Wilhelm Schneider dran glauben.

Genauso wie Büttensitzungen und Faschingszüge gehören auch die Hexen zum Fasching dazu. Und die ließen sich diesen Donnerstag den Spaß von Corona nicht überall verderben. Die Mitarbeiterinnen des Landratsamtes Haßberge beispielsweise gingen auf die Jagd nach Krawatten, wie das Landratsamt mitteilt. Mit Scheren und aufgeklappten Zollstöcken verbreiteten Heike Firsching, Ramona Hauck, Kerstin Wolf und Heike Wirsing gute Laune. Unter Einhaltung der Abstandsregeln gelang es den Hexen, die extra lange Krawatte von Landrat Wilhelm Schneider abzuschneiden.

Eltmanner Hexen gehen unter die Zeitungsmacher

Auch das Organisationsteam des Weiberfaschings in Eltmann wollte sich nicht mit der Absage aller Narretei in der Wallburg-Stadt abfinden. Die Akteurinnen achten bei ihren Sitzungen in der Stadthalle beim Weiberfasching immer darauf, dass bei den Vorträgen jedes männliche Mitglied des Stadtrats und auch Bürgermeister Michael Ziegler Ziel des Spotts wird. Die Truppe um Julia Amon hat deshalb – Corona hin oder her – auch in den vergangenen Monaten "Munition" gegen diese Herren der Schöpfung gesammelt und sie in Form einer Zeitung verewigt. Die gab es diesen Donnerstagnachmittag am Eltmanner Marktplatz und am Wertstoffhof zu kaufen, Restexemplare liegen ab Freitag bei Getränke-Wiesneth, im Versicherungsbüro Kremer und im "Buntstift" aus, wie Julia Amon die Presse informierte.

Überraschungsaktion in Knetzgau

In Knetzgau hatten die Hexen zum Anfang der Session versucht, trotz Corona noch ein bisschen Heiterkeit in den Alltag der Faschingsfreunde zu bringen. Per Video erklärten sie am 11. November, bis Aschermittwoch das Zepter beim KCV Knetzgau schwingen zu wollen und spekulierten zumindest "auf eine kleine Sause".

Doch die Entwicklung der Pandemie hat auch den Hexen den Zahn gezogen. "Es darf ja nichts sein im Lockdown", sagt Sieglinde Holgersson aus dem Vorstandsteam gegenüber dieser Redaktion noch am Montag. Am Mittwoch sickerte allerdings durch, dass zwei kleine Hexenabordnungen am Altweiberfasching durch Knetzgau ziehen und unter anderem die Senioren in St. Martha beschenken sowie dem Bürgermeister am Rathaus einen kurzen Besuch abstatten wollen - alles ohne Publikum. Für den Großteil der Faschingsakteure ist das freilich weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Keine falschen Signale senden

Alles andere aber  wäre unverantwortlich. Das sieht auch Thomas Stadelmann so. Mit Herzblut ist Zeils Bürgermeister als Sitzungspräsident beim Fasching dabei, seine Frau ist Anführerin der Hexen aus der Fachwerkstadt. "Natürlich hätte meine Frau zu mir ins Rathaus kommen und mir die Krawatte abschneiden können. Aber wir in Zeil haben beschlossen, dieses Jahr nichts zu machen", sagt Stadelmann. Das wäre ein falsches Signal in dieser Zeit gewesen, wo Gastronomie und Geschäfte geschlossen sind und so mancher um seinen Arbeitsplatz bangt. So gibt es in Zeil heuer weder Senioren- noch Hexenfasching und schon gar nicht den großen Umzug am Faschingssonntag.

Eine kleine Entschädigung dafür ist der Sonntagsgottesdienst mit der Büttenpredigt von Pfarrer Michael Erhart, der um 10 Uhr auch auf Youtube live aus der Zeiler Pfarrkirche St. Michael übertragen wird. Und auch in Ebelsbach will zumindest die Kirche ein wenig Frohsinn verbreiten. Ebenfalls um 10 Uhr am Sonntag lädt dort Diakon Joachim Stapf zu einem besonderen Gottesdienst ein, zu dem die Gläubigen auch verkleidet kommen dürfen. Das Tragen einer Maske ist in der Kirche ohnehin Pflicht.

Polizei ist vorbereitet

Die Polizei indes befürchtet nicht, dass es am Wochenende im Landkreis zu großen Problemen mit uneinsichtigen Narren kommen wird. Trotzdem sind sich die Ordnungshüter bewusst, dass es den ein oder anderen Zwischenfall geben könnte. "Wir werden Verstößen gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nachgehen wie sonst auch", sagt Kurt Etzel von der Polizeiinspektion Haßfurt.

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