Es sieht fast aus wie im richtigen Unterricht, wenn derzeit die Realschulkonrektorin Christine Gehringer ihre fünfte Klasse vor sich hat. Freilich gibt es aktuell keinen Präsenzunterricht, aber die Digitalisierung macht es möglich, dass die Videokonferenz zumindest optisch dem normalen Schulalltag ähnelt. Aber auch ansonsten hat die Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule in Haßfurt sehr viel getan, um auch im Lockdown gut über die Runden zu kommen.
"Wir unterrichten jeden Tag digital von 8 bis 13 Uhr ganz normal nach Stundenplan", sagt Realschuldirektor Dr. Hartmut Hopperdietzel, der das Konzept zusammen mit weiteren Mitgliedern der Schulleitung am Freitag bei einem Pressetermin vorstellte. Auf Anregung der Elternbeiratsvorsitzenden Melanie Geuppert und ihres Stellvertreter Klaus Müller wurden auch Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, und Landrat Wilhelm Schneider eingeladen.

Der Themenbereich "Größen und Masse" im Fach Mathematik stand gerade auf dem Unterrichtsplan, als die beiden Politiker Christine Gehringer über die Schulter schauten. Hier durften die Fünftklässler Kuscheltiere, Smartphone und Mathebuch daheim abwiegen, um ein Gefühl für das Gewicht zu bekommen. "Die Kinder sind begeistert, dass wenigstens in dieser Art der Unterricht stattfinden kann", sagte die Lehrerin. Auch ihr Kollege Philip Schubert, der gerade die Klasse 9d in Informationstechnologie unterrichtete, kann den Erfolg nur bestätigen. Auch die älteren Schüler sind ganz bei der Sache, wenn es wie zum Beispiel an diesem Vormittag um Formveränderungen an geometrischen Körpern ging.
Der digitale Unterricht an der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule ist eine Verknüpfung von zwei Komponenten, wie Anke Männer erklärte. Die Lehrerin, auch Mitglied der Schulleitung, erklärte, dass der Unterricht mit dem Programm Microsoft Teams läuft und auch Inhalte eingebunden werden, die unter MEBIS gespeichert sind. "Seit dem ersten Tag läuft unser digitaler Unterricht sehr stabil", so Männer. Bewusst habe man sich für Microsoft Teams als einzige Anwendungsplattform entschieden, damit die Schüler nicht den Überblick verlieren.
Staatsministerin Dorothee Bär erklärte, dass sie sich beim Bayerischen Kultusministerium für den Erhalt von Microsoft Teams eingesetzt habe. Auch einen Digitalisierungsschub habe es in der Krise gegeben. Mit einem Budget von 6,5 Milliarden Euro für die Digitalisierung an den Schulen sei das Rahmenpaket gut aufgestellt, mit dem der Bund die Länder hierbei unterstützen will, so Bär.
Als Vorzeigeschule bezeichnete Landrat Wilhelm Schneider die Haßfurter Realschule: "Das Geld das wir ausgegeben haben, ist wohl investiert." Der Landkreis als Sachaufwandsträger sei immer bestrebt, die Schulstandorte Haßfurt, Hofheim und Ebern auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Allerdings sieht der Landrat auch Defizite. Als Beispiel nannte er die Ausstattung der Lehrer mit Laptops. So würden bei 180 Lehrkräften nur 119 Geräte vom Freistaat bezahlt. Aber auch für den Rest erachtet Schneider eine staatliche Förderung als notwendig.

Natürlich gibt es auch an der Dr.-Auguste-Kirchner-Realschule den ein oder anderen Schüler, der bisher noch keinen eigenen Laptop oder PC zu Hause hatte. Schulleiter Hopperdietzel erklärte die Lösung, die gefunden wurde, um wirklich allen Schülern den digitalen Unterricht zu ermöglichen. Wirtschaftlich bereits abgeschriebene, ältere PCs bereiteten die Systembetreuer der Schule auf und so konnte man den Familien für "einen Apfel und ein Ei" einen Computer anbieten, der für ganze 20 Euro nun für jeden erschwinglich war. Und auch die Kinder zeigen sich jetzt ganz stolz, ihren eigenen PC zu haben, so Hopperdietzel.
Durchgehend vor dem Laptop
Obwohl eigentlich alles gut läuft an der Realschule, sieht der Schulleiter doch einige Stellschrauben, an denen man noch drehen könne. So gebe es zum Beispiel Kritik daran, dass die Schüler praktisch den ganzen Vormittag durchgehend vor dem Laptop sitzen. Freilich gebe es auch Pausen, so wie sie im Stundenplan üblich sind. Die meisten Schüler loggten sich aber nach einer Unterrichtsstunde gleich in die nächste ein, um sich vor dem offiziellen Beginn noch mit ihren Mitschülern auszutauschen - so wie es eben auch auf dem Pausenhof im richtigen Leben stattfinden würde.
Ablenkung ist größer
Auch die Ablenkung vom Unterrichtsgeschehen ist natürlich zu Hause ganz anders als im Klassenzimmer. So gebe es zum Beispiel auch Schüler, die sich zwar eingeloggt haben, aber nebenher mit anderen Dingen beschäftigten. Um dies abzustellen, habe man die Kamerapflicht eingeführt. Das heißt, dass sich Schüler und Lehrer ständig sehen. Ein Problem sei allerdings, dass noch nicht alle Geräte daheim mit einer Webcam ausgestattet seien, so Hopperdietzel.
Alles in allem klappt es aber sehr gut, sagte Melanie Geuppert als Vertreterin der Eltern. Sie habe sich unter den Schülern umgehört und diese meinen, dass die Lehrer beim Digitalunterricht "noch menschlicher rüberkommen". Schließlich seien beide Seiten, Schüler und Eltern, bereit, neue Wege zu gehen.
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