Hofheim

Keine Jugendsozialarbeit für die Hofheimer Grundschüler

Keine Jugendsozialarbeit für die Hofheimer Grundschüler       -  Auf der Internetseite der Grundschule Hofheim findet sich derzeit ein Hilferuf: Der Elternbeirat fordert eine Stelle für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) und schildert die höchstdramatische Situation in den Klassen. Nun hat der Jugendhilfeausschuss des Landkreises den entsprechenden Antrag der Schule abgelehnt. Zwar erkennen die Ausschussmitglieder einen Bedarf an Jugendarbeit durchaus an, doch die politische Situation lasse es derzeit nicht zu, die dringend nötige Stelle zu schaffen. Die Beschreibung der Situation liest sich durchaus dramatisch. „Die Hauptproblematik sind Klassen mit massiv sozial-emotional auffälligen Schülern, die einen reibungslosen Unterricht mittlerweile schier unmöglich machen“, heißt es auf der Schul-Website. Die „Inklusion“ dieser Kinder erfordere so viel Zuwendung von den Lehrern, „dass es nicht möglich ist, sich allen Schülern mit ihren individuellen Bedürfnissen angemessen zu widmen“. Erschwerend kämen krankheitsbedingte Ausfälle von Lehrern dazu. Im Antrag an das Jugendamt listen die Schulleiter Helmut Ott und Katharina Janek Fallzahlen auf, die erschreckend klingen: Innerhalb von zehn Schulwochen habe es zehn schriftliche Mitteilungen, fünf Verweise, drei Ausschlüsse vom Unterricht für einige Tage sowie einen vorläufigen Ausschluss als Sicherheitsmaßnahme gegeben. „Im Bereich der Mittagsbetreuung wird 44 von 76 Schülern und Schülerinnen ein erhöhter Förderbedarf zugewiesen.“ Kreisrat Günther Geiling, selbst ein pensionierter Grundschulrektor, betonte die erschreckende Höhe dieser Zahlen: „Dafür müsste ich 100 Jahre arbeiten.“ Allerdings zeigte er sich skeptisch, ob die Zustände in Hofheim tatsächlich so außergewöhnlich schlimm seien und ob nicht von Seiten der Schule Fehler gemacht wurden. Schulamtsdirektorin Claudia Schmidt erklärte, dass eine Häufung von Fällen an einer Schule durchaus möglich sei, dafür würden schon wenige Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen reichen. „Der Ruf einer Schule ist ruck-zuck da, wo er nicht hingehört“, erklärte sie. Rainer Baumgärtner forderte, frühzeitig zu reagieren und die Schüler nicht zu lange ohne professionelle Hilfe zu lassen. Claudia Schmidt gab ihm recht, betonte aber, dass Mittel fehlten. „Wir sind beschäftigt damit, den Unterricht aufrecht zu erhalten“, betonte sie die schwierige Lage ihrer Behörde. Bereits 2017 hatte die Grundschule einen Antrag auf die Einrichtung einer Jas-Stelle gestellt, den der Ausschuss ablehnte – einstimmig. Auch der neue Antrag wurde abgelehnt, diesmal jedoch bei einer Gegenstimme von Ulrike Zettelmeier. Außerdem enthält die Beschlussvorlage der Ausschussmitglieder eine Formulierung, die deutlich macht, dass auch die Politiker den Bedarf anerkennen: „Sofern sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, wird der Antrag auf Einrichtung von JaS an der Grundschule Hofheim erneut im Jugendhilfeausschuss behandelt.“ Hoffnung darauf bestehe durchaus, denn möglicherweise steht eine Änderung der Förderrichtlinien an. Derzeit werden neu geschaffene JaS-Stellen nur gefördert, wenn mehr als 20 Prozent der Schüler Migrationshintergrund haben – das ist in Hofheim nicht der Fall. Allerdings bestehen gute Chancen, dass dieser Grenzwert bald fallen könnte. Landrat Wilhelm Schneider würde das begrüßen. „Bei den Richtlinien besteht Nachbesserungsbedarf“, sagte er. Ein anderer Antrag im Zusammenhang mit der Jugendsozialarbeit an Schulen – ebenfalls aus Hofheim – wurde dagegen einstimmig angenommen: Die halbe Stelle an der Mittelschule wird auf eine Dreiviertelstelle aufgestockt. Diese Änderung ist mit staatlicher Förderung vereinbar, die Schaffung einer neuen Stelle würde keine Förderung erhalten. Theoretisch hätte der Jugendhilfeausschuss die Schaffung einer Stelle an der Grundschule auf eigene Kosten beschließen können. Allerdings kann eine bestehende Stelle nicht nachträglich in die Förderung aufgenommen werden. Würden also tatsächlich Förderrichtlinien zugunsten der Grundschule geändert werden, hätte sich der Landkreis die Chance verbaut, jemals Geld vom Staat dafür zu erhalten, wenn er die Stelle vorerst selbst finanziert. Jugendamtsleiter Christoph Schramm erklärte, es habe Gespräche mit dem Rektor der Schule gegeben, in denen die Problematik ausgiebig besprochen wurde. Denn ähnlich wie auch mehrere Ausschussmitglieder sehe er eine Notwendigkeit, auf die Schulleitung zuzugehen und klar zu machen, dass die Bereitschaft zur Hilfe am Landratsamt durchaus vorhanden sei; es fehle allerdings derzeit an Möglichkeiten.
Foto: Ines Keßler | Auf der Internetseite der Grundschule Hofheim findet sich derzeit ein Hilferuf: Der Elternbeirat fordert eine Stelle für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) und schildert die höchstdramatische Situation in den Klassen. Nun hat der Jugendhilfeausschuss des Landkreises den entsprechenden Antrag der Schule abgelehnt. Zwar erkennen die Ausschussmitglieder einen Bedarf an Jugendarbeit durchaus an, doch die politische Situation lasse es derzeit nicht zu, die dringend nötige Stelle zu schaffen. Die Beschreibung der Situation liest sich durchaus dramatisch. „Die Hauptproblematik sind Klassen mit massiv sozial-emotional auffälligen Schülern, die einen reibungslosen Unterricht mittlerweile schier unmöglich machen“, heißt es auf der Schul-Website. Die „Inklusion“ dieser Kinder erfordere so viel Zuwendung von den Lehrern, „dass es nicht möglich ist, sich allen Schülern mit ihren individuellen Bedürfnissen angemessen zu widmen“. Erschwerend kämen krankheitsbedingte Ausfälle von Lehrern dazu. Im Antrag an das Jugendamt listen die Schulleiter Helmut Ott und Katharina Janek Fallzahlen auf, die erschreckend klingen: Innerhalb von zehn Schulwochen habe es zehn schriftliche Mitteilungen, fünf Verweise, drei Ausschlüsse vom Unterricht für einige Tage sowie einen vorläufigen Ausschluss als Sicherheitsmaßnahme gegeben. „Im Bereich der Mittagsbetreuung wird 44 von 76 Schülern und Schülerinnen ein erhöhter Förderbedarf zugewiesen.“ Kreisrat Günther Geiling, selbst ein pensionierter Grundschulrektor, betonte die erschreckende Höhe dieser Zahlen: „Dafür müsste ich 100 Jahre arbeiten.“ Allerdings zeigte er sich skeptisch, ob die Zustände in Hofheim tatsächlich so außergewöhnlich schlimm seien und ob nicht von Seiten der Schule Fehler gemacht wurden. Schulamtsdirektorin Claudia Schmidt erklärte, dass eine Häufung von Fällen an einer Schule durchaus möglich sei, dafür würden schon wenige Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen reichen. „Der Ruf einer Schule ist ruck-zuck da, wo er nicht hingehört“, erklärte sie. Rainer Baumgärtner forderte, frühzeitig zu reagieren und die Schüler nicht zu lange ohne professionelle Hilfe zu lassen. Claudia Schmidt gab ihm recht, betonte aber, dass Mittel fehlten. „Wir sind beschäftigt damit, den Unterricht aufrecht zu erhalten“, betonte sie die schwierige Lage ihrer Behörde. Bereits 2017 hatte die Grundschule einen Antrag auf die Einrichtung einer Jas-Stelle gestellt, den der Ausschuss ablehnte – einstimmig. Auch der neue Antrag wurde abgelehnt, diesmal jedoch bei einer Gegenstimme von Ulrike Zettelmeier. Außerdem enthält die Beschlussvorlage der Ausschussmitglieder eine Formulierung, die deutlich macht, dass auch die Politiker den Bedarf anerkennen: „Sofern sich die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern, wird der Antrag auf Einrichtung von JaS an der Grundschule Hofheim erneut im Jugendhilfeausschuss behandelt.“ Hoffnung darauf bestehe durchaus, denn möglicherweise steht eine Änderung der Förderrichtlinien an. Derzeit werden neu geschaffene JaS-Stellen nur gefördert, wenn mehr als 20 Prozent der Schüler Migrationshintergrund haben – das ist in Hofheim nicht der Fall. Allerdings bestehen gute Chancen, dass dieser Grenzwert bald fallen könnte. Landrat Wilhelm Schneider würde das begrüßen. „Bei den Richtlinien besteht Nachbesserungsbedarf“, sagte er. Ein anderer Antrag im Zusammenhang mit der Jugendsozialarbeit an Schulen – ebenfalls aus Hofheim – wurde dagegen einstimmig angenommen: Die halbe Stelle an der Mittelschule wird auf eine Dreiviertelstelle aufgestockt. Diese Änderung ist mit staatlicher Förderung vereinbar, die Schaffung einer neuen Stelle würde keine Förderung erhalten. Theoretisch hätte der Jugendhilfeausschuss die Schaffung einer Stelle an der Grundschule auf eigene Kosten beschließen können. Allerdings kann eine bestehende Stelle nicht nachträglich in die Förderung aufgenommen werden. Würden also tatsächlich Förderrichtlinien zugunsten der Grundschule geändert werden, hätte sich der Landkreis die Chance verbaut, jemals Geld vom Staat dafür zu erhalten, wenn er die Stelle vorerst selbst finanziert. Jugendamtsleiter Christoph Schramm erklärte, es habe Gespräche mit dem Rektor der Schule gegeben, in denen die Problematik ausgiebig besprochen wurde. Denn ähnlich wie auch mehrere Ausschussmitglieder sehe er eine Notwendigkeit, auf die Schulleitung zuzugehen und klar zu machen, dass die Bereitschaft zur Hilfe am Landratsamt durchaus vorhanden sei; es fehle allerdings derzeit an Möglichkeiten.

Auf der Internetseite der Grundschule Hofheim findet sich derzeit ein Hilferuf: Der Elternbeirat fordert eine Stelle für die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) und schildert die höchstdramatische Situation in den Klassen. Nun hat der Jugendhilfeausschuss des Landkreises den entsprechenden Antrag der Schule abgelehnt. Zwar erkennen die Ausschussmitglieder einen Bedarf an Jugendarbeit durchaus an, doch die politische Situation lasse es derzeit nicht zu, die dringend nötige Stelle zu schaffen.

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