Haßfurt

Kommentar: Virus-Panik im Landkreis Haßberge

Die Corona-Ausbreitung gibt Anlass zur Sorge. Aber müssen Menschen immer gleich mit irrationalen Aktionen reagieren, statt überlegt zu handeln?
Im Fasching war das Coronavirus noch Anlass für Scherze. Mittlerweile löst es auch im Kreis Haßberge Panik aus.
Foto: René Ruprecht | Im Fasching war das Coronavirus noch Anlass für Scherze. Mittlerweile löst es auch im Kreis Haßberge Panik aus.

Das Coronavirus ist im Landkreis Haßberge angekommen. Nach diesem ersten Satz dürfte wahrscheinlich schon die Hälfte der Leser ausgestiegen sein. Die einen, weil sie bei der bloßen Erwähnung von Corona Panikattacken bekommen, die anderen, weil sie die Zeitung in die Ecke geschmissen haben mit den Worten: "Ich kann's nicht mehr hören" – oder lesen.

Im Landkreis Haßberge begann die Corona-Ausbreitung gleich mit einer Behördenpanne: Da gab es eine Pressekonferenz zum ersten Fall im Landkreis. Dort wurde erst erklärt, dass es sich bei der Betroffenen um eine Schülerin der Eltmanner Realschule handelte. Und welche Menschen wann und wo mit ihr Kontakt hatten und deshalb nun auch gefährdet sind – bis dann in die Pressekonferenz die Nachricht hineinplatzte: Kommando zurück! Es wurden zwei Proben vertauscht! Betroffen ist stattdessen eine Schülerin aus Hofheim. Vorsorglich wurden dann in beiden Städten sämtliche Schulen dicht gemacht. Wieder einen Tag später kam dann die nächste Korrektur: Es war doch die Eltmannerin, die positiv getestet wurde.

Oder war das alles eine geschickte Taktik, um die Viren zu verwirren? Denkt sich so ein Coronavirus dann: "Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Und vor allem wo bin ich? In Eltheim? Oder in Hofmann? Nein, das ist mir zu blöd, ich geh nach Schweinfurt!" So ein Virus (oder in dem Fall eher Wirrus) ist ja auch nur ein Mensch.

Zwischenzeitlich ging es auch im Haßfurter Krankenhaus rund: Ein Patient hatte Symptome, die nicht nach Corona aussahen, wurde aber dennoch darauf getestet – und zwar positiv. So wurden die Ärzte und Pfleger, die ungeschützten Kontakt zu dem Patienten hatten, erst einmal aus dem Verkehr gezogen, bis die Entwarnung kam: Der Patient ist doch nicht infiziert.

Derweil dreht die Bevölkerung durch. Klopapier gibt es schon lange nicht mehr zu kaufen, Nudeln nur noch vereinzelt. Ein Discounter im Landkreis hatte im Lager wohl noch eine Palette mit Toilettenpapier mit Weihnachtsmotiven übrig, die dann noch einmal in den Verkauf kam. Ob die Polizei bald anfängt, nach Klopapier-Schmugglern zu fahnden? Jetzt triumphiert die ältere Generation, die täglich beim Frühstück ihre gedruckte Zeitung liest und noch nicht auf reinen Online-Medien-Konsum umgestiegen ist: Mit einer Digitalnachricht kann man sich im Zweifelsfall nicht den Hintern ...

Bei all den skurrilen Geschichten rund um die Corona-Panik und sinnlose Hamsterkäufe gibt es allerdings einen wirklich bedenklichen Punkt: Wir sehen, wie schnell Menschen zu vollkommen irrationalen und teilweise illegalen Mitteln greifen. Beispielsweise wurde deutschlandweit mehrfach Patienten mit ernsthaften Erkrankungen das für sie wichtige Desinfektionsmittel geklaut, das gegen Corona eigentlich gar nicht hilft. Um eine gefühlte Gefahr zu besiegen, sind manche Menschen also bereit, den Tod anderer billigend in Kauf zu nehmen. Wenn schon die abstrakte Angst vor einer Krankheit, die in den meisten Fällen harmlos verläuft, solche Folgen hat, wie werden die Leute dann wohl in einer echten Krise durchdrehen? 

Bitte nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, sich über die Corona-Gefahr lustig zu machen. Aber vielleicht sollte die Menschheit sich mit weniger Panik und mehr Verstand vor der Bedrohung schützen.

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