Haßfurt

Kommentar: Warum niemand das Nazi-Erbe antreten sollte

Im Landkreis Haßberge sind Straßen in Haßfurt, Ebern und Oberschleichach nach dem Dichter Nikolaus Fey benannt. Dieser gehörte aber zu den Verbrechern der Nazi-Diktatur.
Die Nikolaus-Fey-Straße in Haßfurt soll umbenannt werden.
Foto: Peter Schmieder | Die Nikolaus-Fey-Straße in Haßfurt soll umbenannt werden.

Aus Chemnitz machte die SED 1953 Karl-Marx-Stadt, 37 Jahre später votierte die Mehrheit der Einwohner dafür, der Stadt wieder ihren alten Namen aus Vor-DDR-Zeiten zurückzugeben. Umbenennungen sind eben manchmal notwendig, um geschichtlichen Ballast zu beseitigen. Ähnlich geschieht es mit Straßen und Plätzen, die den Namen ehemaliger Nazi-Schergen tragen.

Mit personenbezogenen Straßennamen soll eigentlich das Leben und Wirken von Personen gewürdigt werden, die sich besonders um das Wohl der Allgemeinheit verdient gemacht haben. Dazu zählen mit Sicherheit aber nicht die Vertreter der Nazi-Schreckensherrschaft. Eine Umbenennung solcher Straßen macht schon alleine deshalb Sinn, um einer in Zeiten von AfD und Pegida erstarkenden Rechten Paroli zu bieten.

Die wenigsten von uns wissen wahrscheinlich, an wen oder was manche Straßennamen erinnern. Bei Schiller oder Goethe ist das ja noch relativ leicht nachzuvollziehen. Aber wer wusste zum Beispiel, dass die Dannhäuserstraße in Haßfurt nach einem ehemaligen Bürgermeister getauft wurde? Oder die Vater-Reichenberger-Straße nach einem Priester und Publizisten, der sich zum Vater der Sudetendeutschen entwickelte und Widerstand gegen die Nationalsozialisten leistete?

Zu den Nazis gehörte zweifelsohne auch Nikolaus Fey. Im Landkreis sind Straßen in Haßfurt, Ebern und Oberschleichach nach dem rechtsradikalen Dichter benannt. Wohl auch, weil über dessen Beteiligung an Nazi-Verbrechen nichts ans Licht gekommen war, bis vor kurzem Untersuchungen in Würzburg Licht ins braune Dunkel gebracht hatten. Der Haßfurter Stadtrat hat nun beschlossen, dass Schluss sein muss mit der Würdigung des Verbrechers. Allerdings wird das Thema die Haßfurter und ihren Rat noch einige Male beschäftigen. Denn wie soll die bisher nach Fey benannte Straße künftig heißen?

Der sicher gutgemeinte Vorschlag, sie nach dem jüngst verstorbenen Ehrenbürger Albert Meyer zu taufen, scheiterte an der Überlegung, dass die Straße für die Masse an Verdiensten des ehemaligen Staatssekretärs nicht groß genug sei. Damit würde man aber alle anderen Personen der Zeitgeschichte, die als etwaiger Namensgeber in Frage kämen, abqualifizieren als Spender zweiter Klasse.

Zudem könnte sich der Schreiber dieser Zeilen nicht vorstellen, dass die in Erwägung gezogene Cordula Kappner auch nur im entferntesten damit einverstanden gewesen wäre, das Erbe des Nazis Nikolaus Fey anzutreten.

In unmittelbarer Nachbarschaft der zu taufenden Straße blühen Namen wie Nelken-, Veilchen-, Tulpen- oder Efeuweg. Da wird sich doch sicher noch ein sympathisches Pflänzchen finden lassen. Es muss doch nicht jede Straße unbedingt eine Persönlichkeit als Paten haben.

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