Ebern

Linksbündnis Haßberge kritisiert Neuausrichtung der Haßberg-Kliniken

Kommunalpolitiker der Linken sehen in den Plänen eine Gefahr für das Haus Ebern. Im Gesundheitssystem dürfe es nicht nur um Profit gehen.
Kritiker fürchten, dass das Haus Ebern einer Neuausrichtung der Haßberg-Kliniken zum Opfer fallen könnte.
Foto: Peter Schmieder | Kritiker fürchten, dass das Haus Ebern einer Neuausrichtung der Haßberg-Kliniken zum Opfer fallen könnte.

Vor gut zwei Monaten hatten der Landkreis Haßberge und die Haßberg-Kliniken bekannt gegeben, wie sich die beiden Krankenhäuser in Haßfurt und Ebern für die Zukunft ausrichten wollen. Doch an den Plänen für umfangreiche Veränderungen gab es viel Kritik, vor allem was das Krankenhaus in Ebern angeht. Nun äußert auch das Linksbündnis Haßberge heftige Kritik an der Planung des Landkreises.

Vom Krankenhaus zum Altenheim?

So wollen die Verantwortlichen aus Politik und Klinikvorstand die Haßberg-Kliniken vor allem durch eine stärkere Spezialisierung auf den Weg in die Zukunft bringen. So soll die stationäre Chirurgie, die es derzeit an beiden Häusern gibt, komplett nach Haßfurt verlagert werden. Dagegen soll das Haus Ebern mehr auf die Bedürfnisse älterer Patienten ausgerichtet werden, indem im Krankenhaus auch Altenpflege-Plätze geschaffen werden.

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Auch wenn Politik und Klinikleitung von einem Vorteil für beide Standorte sprechen, sind viele Kritiker nicht überzeugt; sie sehen in den Plänen eine Abwertung des kleinen Krankenhauses in Ebern. Denn während es in Haßfurt ein Bereich der medizinischen Versorgung ist, der ausgebaut werden soll, werde das Haus Ebern auf diese Art vom Krankenhaus zum Altenheim umgewandelt.

Die Bevölkerung demokratisch beteiligen

Das Linksbündnis verstehe die Empörung, die auch in verschiedenen E-Mails an die Partei zum Ausdruck gekommen sei. "So fragen sich Bürgerinnen und Bürger, warum es nicht zu einer Diskussion im Vorfeld mit Mitarbeitern des Krankenhauses und interessierten Menschen, zum Beispiel im Rahmen einer Bürgersammlung gekommen ist", heißt es in der Pressemitteilung der Partei. "Grundsätzlich sollte gelten: An der Krankenhausplanung sind Bürgerinnen und Bürger sowie Beschäftigte demokratisch zu beteiligen." So seien viele in der Bevölkerung verärgert, dass sie über die geplanten Veränderungen aus der Presse erfahren haben.

Kritik an der Landes- und Bundespolitik

Zwar heißt es in der Pressemitteilung des Linksbündnisses auch, dass die "Misere weitgehend nicht von der Kommunalpolitik zu verantworten" sei. "Seit Einführung der Fallpauschale haben besonders kleinere Einrichtungen das Problem, nicht in die roten Zahlen zu kommen", heißt es in dem Schreiben. Durch "Profitlogik und Kostendruck" im Gesundheitssystem komme es zu Problemen wie Personalmangel und Pflegenotstand – nicht erst seit Corona, wie das Linksbündnis betont. "Ein Systemwechsel hin zu einer gemeinwohlorientierten, bedarfsgerechten und kostendeckenden Finanzierung – also ein Selbstkosten-Deckungsprinzip - des Gesundheits- und Pflegesystems wäre angebracht."

Unstrittig sei auch, dass kleineren Krankenhäusern die Luft ausgehe. So bekämen Kliniken der Grund- und Regelversorgung keine oder kaum Ausgleichszahlungen für die Behandlung von Corona-Patienten, die großen Häusern jedoch gewährt würden, kritisiert das Linksbündnis weiter die Bundes- und Landespolitik.

Landkreis Haßberge ist nicht ganz machtlos

Doch das alles bedeute nicht, "dass ein Landkreis völlig machtlos den übergeordneten Maßnahmen ausgeliefert ist". Als Beispiel nennt das Linksbündnis den Einsatz von Mandatsträgern aus dem Kreis Haßberge in München und Berlin für den Fortbestand des Betriebes der Firma Schaeffler in Eltmann. "Hier sollten die Mandatsträger nicht locker lassen, dieses Engagement auch für das Krankenhaus in Ebern einzubringen", heißt es in der Pressemitteilung – besonders mit Blick darauf, "welche Partei denn die Regierungsverantwortung und damit auch die Verantwortung für die Entwicklung im Gesundheitssektor trägt". Der Blick allein auf die Wirtschaftlichkeit eines Krankenhauses greife zu kurz, denn es gehe um Menschen und nicht nur um Zahlen.

Nach Einschätzung des Linksbündnisses werden mit den anstehenden Veränderungen die Wege zur medizinischen Versorgung länger. Die Notfallversorgung werde dadurch wesentlich eingeschränkt und der Landkreis verliere an Lebensqualität.

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