Westheim

Oswald Kuhn aus Westheim feierte seinen 95. Geburtstag

Die Kunst diente Oswald Kuhn Zeit seines Lebens als Elixier. Der Westheimer Künstler feierte am Samstag seinen 95. Geburtstag.
Foto: Christiane Reuther | Die Kunst diente Oswald Kuhn Zeit seines Lebens als Elixier. Der Westheimer Künstler feierte am Samstag seinen 95. Geburtstag.

Auf die Frage „Ist es ein Glück so alt zu werden?“, weiß Oswald Kuhn im ersten Augenblick keine Antwort. Aus Sicht des Seniors sei das Leben im Alter schwerer zu ertragen. Umsorgt von der Familie feierte der allseits bekannte Westheimer Künstler am Samstag seinen 95. Geburtstag. Coronabedingt nahm er viele Glückwünsche am Telefon entgegen.

Trotz der einen oder anderen körperlichen „Baustelle“ lässt er sich nicht unterkriegen und blickt stolz auf sein Lebenswerk. Auch im hohen Alter lässt sich der Jubilar noch gerne von dem Motto leiten: “95 Jahre und kein bisschen leise“.

Oswald Kuhn ist in dem Haus, in dem er heute noch im Knetzgauer Gemeindeteil Westheim wohnt, geboren und aufgewachsen. Neben Glück und Pech im Leben wurde er aus seiner Sicht oft vom Glück gestreichelt: „Bei der Geburt war ich einer von Zweien, der überlebte“. Mit 17 Jahren rief der Vater Staat den damals jungen Burschen in den Krieg. Fünf Jahre sollten es sein, von denen er drei davon in Kriegsgefangenschaft in Russland verbrachte.

Nach der Kriegsgefangenschaft wog er nur noch 44 Kilo 

Im Januar 1948 kehrte Oswald Kuhn nach Westheim zurück und wog nur noch 44 Kilo. Er übernahm die Landwirtschaft der Eltern und gründete mit seiner Frau Inge eine Familie. Dem damals jungen Ehepaar wurden drei Töchter und zwei Söhne geschenkt. Oswald Kuhn zeigt sich stolz auf seine Großfamilie, zu der sich im Laufe der Zeit acht Enkel und acht Urenkel gesellten. Mit seiner Frau Inge, die vor zwei Jahren verstarb, war der 95-Jährige 67 Jahre verheiratet.   

Oswald Kuhn arbeitete nach eigenen Angaben gerne als Bauer: „Ein halbes Leben Bauer, ein halbes Leben Künstler und in den letzten Jahren auch noch Schriftsteller“. Die Kunst war offensichtlich Lebenselixier für den Allrounder. Das Händchen dafür wurde ihm schon in die Wiege gelegt. „Ich habe jede freie Minute genutzt, um zu malen und zu schnitzen“, erzählt der Senior. Sein großes Ideal war der niederländische Maler Vincent van Gogh.

Die Kunst halt über die schlimmste Geldnot hinweg

Das Talent, Bilder zu malen und Figuren zu schnitzen, die sich verkaufen ließen, hatte offensichtlich über die schlimmste Geldnot hinweg geholfen, wie in einer vom Jubilar selbst verfassten Biografie zu lesen ist. Vor allem das Schnitzen von Muttergottes-Figuren hatten es dem 95-Jährigen im Laufe seines Lebens angetan. Sein besonderer Stolz ist ein Kunstwerk aus dem Jahre 1974, gearbeitet aus dem Rüsterholz der Ulme.

Aber auch dem liebevollen und detailgetreuen Restaurieren von alten Schränken widmete sich der Künstler Zeit seines Lebens. Als Atelier diente der ehemalige Kuhstall, in dem zur Blütezeit der Landwirtschaft 29 Kühe standen und versorgt wurden. Das ganze Anwesen samt Haus und insbesondere die Scheune haben sich über Jahrzehnte hinweg, die geprägt waren vom künstlerischen Schaffen, in ein „Museum mit ansprechender Kunst“ gewandelt.

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