Riedbach

Riedbach gedenkt seiner jüdischen Gemeinde

Riedbach gedenkt der jüdischen Gemeinde       -  Der jüdische Friedhof Kleinsteinach.
| Der jüdische Friedhof Kleinsteinach.

Die Gemeinde Riedbach will sich mit dem Gedenken an die jüdische Gemeinde im Riedbacher Ortsteil Kleinsteinach am Würzburger Projekt „Gedenkort Aumühle“ beteiligen.

In Kleinsteinach kann man auf eine rund vierhundertjährige Vergangenheit mit jüdischem Leben zurückblicken. Die jüdischen Mitbürger wurden während der NS-Zeit verfolgt, die letzten noch im Ort lebenden Juden wurden im Jahr 1942 über den Würzburger Güterbahnhof in die Vernichtungslager deportiert.

Dies sei der Grund für die Gemeinde Riedbach für eine Beteiligung am Projekt „Gedenkort Aumühle“, so Bürgermeister Bernd Fischer in der jüngsten Sitzung des Riedbacher Gemeinderats. So gab es auch wie erwartet einen einhelligen Beschluss für die Teilnahme an der Aktion. Es werden nun zwei Gedenk-Skulpturen in Form eines Koffers von einem einheimischen Bildhauer angefertigt. Eingeplant wurde hierfür ein Kostenbetrag von 2000 Euro.

Ein Koffer kommt nach Würzburg als Beitrag der Gemeinde, der zweite wird im Umfeld des „Museums jüdische Lebenswege“ in Kleinsteinach seinen würdigen Gedenkort finden.

Das Projekt „Gedenkort Aumühle“

Was ist der „Gedenkort Aumühle“? Der kleine ehemalige Güterbahnhof, der sogenannte Ladehof an der Aumühle in Würzburg, ist der zentrale Ort, von dem aus der größte Teil der in Unterfranken lebenden Juden in den Jahren 1941 bis 1942 deportiert wurden. An der Aumühle mussten 1795 Menschen die Transportzüge besteigen.

Von den insgesamt 2068 direkt aus Unterfranken deportierten Juden überlebten nur 60. Den Ladehof mit seinen Schienen gibt es nicht mehr, erhalten hat sich jedoch mit originalem Pflaster ein Stück des Aufgangs zu den Gleisen von der Schweinfurter Straße – heute ist er eine verwahrloste, als Parkplatz genutzte 80 Meter lange Sackgasse.

Im September 1942 hatten sich die verbliebenen Juden aus ganz Unterfranken in Würzburg im Platz'schen Garten sammeln müssen. Die Strecke vom Platz'schen Garten bis zum Güterbahnhof Aumühle ist seit 2011 als Weg der Erinnerung kenntlich gemacht. Am Platz'schen Garten weist seit November 2010 ein Denkmal auf die Bedeutung des Ortes hin.

Von Anfang an zielte die Konzeption des „Weges der Erinnerung“ auf ein Mahnmal an seinem Ende, das am historischen Ort an dessen tragische Bedeutung erinnert. Hierfür sei geplant, den Rest des historischen Aufgangs zur Aumühle zu nutzen, über den die Menschen auf das Gelände des Ladehofs getrieben wurden. Für die Deportierten war es das letzte Stück Weg, das sie in der Heimat gingen.

Ziel des Erinnerungsorts an der Aumühle ist, über einen längeren Zeitraum einen Gedenkort aufzubauen, an dem die Gemeinden, aus denen die Deportierten kamen, beteiligt sind. Der Erinnerungsort soll als zentrale Gedenkstätte für die jüdischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft für ganz Unterfranken dienen.

109 Orte angesprochen

Alle 109 Kommunen und ihre Ortsteile, in denen sich zu Beginn der NS-Zeit 1933 noch jüdische Gemeinden befanden, werden angesprochen. Der Ort am Aufgang zur Aumühle soll so gestaltet werden, dass er Raum bietet für ein wachsendes Denkmal, das aus einer Trägerkonstruktion und darauf befestigten Gepäckstücken besteht. Hierfür hat der Architekt und Künstler Matthias Braun einen Entwurf vorgelegt.

Jede der angesprochenen Gemeinden wird gebeten, sich mit einem Gepäckstück an dem Denkmal zu beteiligen und einen Zwilling des Gepäckstücks in der eigenen Gemeinde aufzustellen. Über diese Gepäckstücke werden die Gemeinde und das Denkmal miteinander in Beziehung gesetzt. Material, Größe und Aussehen des Gepäckstücks werden innerhalb eines künstlerischen Rahmenkonzepts aufeinander abgestimmt.

Als Träger der Initiative fungiert derzeit ein Kreis um Dr. Josef Schuster als Vertreter der Israelitischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken und Oberbürgermeister Christian Schuchardt für die Stadt Würzburg. Der Bezirk ist durch den Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Klaus Reder vertreten. Die Würzburger Projektgruppe „Wir wollen uns erinnern“ mit dem Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte ist beteiligt, ebenso einige Heimatpfleger aus Landkreisen der Region und je ein Vertreter der Jugendbildungsstätte Unterfranken, des Würzburger Bündnisses für Zivilcourage und des Regierungspräsidenten: Er unterstützt das Vorhaben. Mit Infos vom Johanna-Stahl-Zentrum

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