Ebern

Ebern: Selbsthilfegruppe für Frauen mit Brustkrebs gegründet

Viele BH's an einer Leine: Brustkrebs war auch einer der Themenschwerpunkt am unlängst stattgefundenen Internationalen Frauentag.
Foto: Axel Heimken, DPA | Viele BH's an einer Leine: Brustkrebs war auch einer der Themenschwerpunkt am unlängst stattgefundenen Internationalen Frauentag.

Seit Januar dieses Jahres gibt es in Ebern die Selbsthilfegruppe „Busenfreunde-Ebern.“ Es handelt sich um eine Selbsthilfegruppe für Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind. Gegründet haben diese Gruppe die 37-jährige Patricia Walter zusammen mit der 49-jährigen Melanie Joppek, beide aus Ebern. Patricia Walter erhielt am 18. November 2019 die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs, Melanie Joppek einen Monat zuvor. Greifbar sei das zunächst für beide nicht gewesen.

Für Patricia brach ihre heile Welt zusammen, ihr Leben hat sich seitdem grundlegend geändert. Eines betonte sie damals: „Ich bin sehr dankbar, dass mich mein Mann mich von Anfang an begleitet hat, das tat gut und solche Termine sollte man niemals alleine wahrnehmen.“ Patricia zeigte sich in der Folgezeit als eine tapfere Frau, die offensiv mit ihrer Krankheit umging und noch umgeht. Sie hat sich nicht zurückgezogen, versteckt, nein sie stellt sich dem bis zum heutigen Tag und hat keinerlei Probleme über ihr Schicksal zu sprechen.

„Das ist gut so, ich bin daran gewachsen“, sagt die Mutter von zwei Töchtern. Aufmerksam auf Patricia geworden ist durch einen Artikel in unserer Zeitung im Juli 2020 auch Melanie Joppek aus Ebern, die ebenfalls mit einer Brustkrebsdiagnose konfrontiert wurde. Die beiden Frauen haben sich getroffen und recht bald entschieden, für den Bereich Ebern die Selbsthilfegruppe „Busenfreunde Ebern“ zu gründen. „Solche Gruppen gibt es zwar schon, aber relativ weit im Umkreis von Ebern entfernt. Wir sind aktuell auch schon neun betroffene Frauen in der Gruppe“, sagt Patricia Walter, die auch eine WhatsApp Gruppe für die „Busenfreunde“ erstellt hat.

Bisher fanden schon vier Gruppentreffen, pandemiebedingt virtuell  statt. „Ich freue mich darauf, wenn wir uns in der Gruppe persönlich treffen und kennenlernen können“, sagt Patricia. Neun Personen sei eine gute Gruppenstärke, aber es könnten sich auch weitere betroffene Frauen melden. Die Kontaktaufnahme mit der Gruppe ist über viele Wege möglich, zum Beispiel über den Kontakt auf der Internetseite www.busenfreunde-ebern.de oder auch einfach über Facebook.

Im Austausch stehen Patricia und Melanie Joppek bereits mit der Bayerischen Krebsgesellschaft, Krebsberatungsstelle Bamberg, mit Bettina Prechtl als Leiterin und anderen Selbsthilfegruppen. „Die Gründung der neuen Selbsthilfegruppe "Busenfreunde"` in Ebern ist eine Bereicherung für betroffene Frauen in der Region“, sagt Bettina Prechtl.

Die Bayerische Krebsgesellschaft betreut und unterstütze die Selbsthilfe in Bayern schon seit vielen Jahren durch Fortbildungen für neue Gruppenleiterinnen aber auch mit umfassenden und hilfreichen Informationen. Bettina Prechtl sieht es als ein wichtiges Anliegen, engen Kontakt zu den Gruppen zu halten, auch um transparent zu machen, mit welchen Anliegen sich Betroffene an die Beratungsstelle wenden können.

„Wir sind keine Trauerkloßgruppe, sondern Frauen im Alter von 33 bis 60 Jahren, die auch viel lachen."
Patricia Walter, „Busenfreunde-Ebern“

„Der Austausch untereinander und die Hilfe und Unterstützung, die sich die Betroffenen in den Gruppen im persönlichen Kontakt zukommen lassen, bleibt auch im Zeitalter der sozialen Medien ein nicht zu ersetzender, unschätzbarer Wert“, sagt die Leiterin der Krebsberatungsstelle Bamberg. Besonders gelungen findet sie den Namen „Busenfreunde“, den sich die Selbsthilfegruppe in Ebern mit Patricia Walter an der Spitze gegeben hat.

Es sei ein großes Glück und ein fundamentaler Baustein unserer Gesellschaft, dass Menschen wie Patricia Walter die Initiative ergreifen und auch in die Verantwortung gehen, eine solche Gruppe zu starten, lobt Bettina Prechtl. „Frau Walter geht mit viel Elan und Engagement, unkompliziert aber konstruktiv an diese Aufgabe heran, dass sie nur gelingen kann“, zeigt sich Prechtl überzeugt und sagt: „Wir freuen uns sehr auf eine gute, enge Zusammenarbeit und Vernetzung.“

Patricia verweist auch auf die Kontakt- und Informationsstelle (KOS) für Selbsthilfe des Landkreises Haßberge, die von Monika Strätz-Stopfer verantwortet wird, von der sie auch hilfreiche Unterstützung erfährt, wie auch von der Krebsberatungsstelle Bamberg mit fachlichem Hintergrund. „Mir hat es immer gut getan mit jemandem über meine Krankheit zu sprechen und deshalb ist es gut, dass wir das auch in unserer Gruppe tun können. Wir sind ein bunt gemischtes Völkchen, das passt wunderbar“, so Patricia Walter und Gruppen seien gerade in der jetzigen Zeit wertvoll.

Melanie Joppek hat ihre Diagnose im Oktober 2019 erhalten und das gesamte Prozedere über 18 Wochen Chemo bis Ende März 2020 hinter sich gebracht und sich Ende April einer OP unterzogen. „Als ich den Artikel über Patricia im Juli 2020 gelesen habe, habe ich mich ermuntert gefühlt mit ihr Kontakt aufzunehmen“, sagt Melanie. Sie haben sich getroffen, und: „Bei unserem ersten Treffen hatte ich das Gefühl als würde ich Patricia schon ewig kennen.“

Bei dieser Unterhaltung war beiden schnell klar: „Wir gründen eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit und nach Brustkrebs“, so Melanie Joppek.  Sie hofft mit und in dieser Gruppe Frauen mit gleichem Schicksal Hilfe und Unterstützung bieten zu können. Beide freuen sich darüber, dass seit der Gründung und insbesondere der Veröffentlichung der Internetseite und der Facebookseite auch schon Spenden für die Gruppe eingegangen sind.  

Die beiden „Frontfrauen“ haben noch einiges vor, was auch Geld kostet. „Es soll ein Flyer der Gruppe entstehen und wenn es Corona zulässt werden wir Wanderungen und Ausflüge ins Auge fassen, oder auch fachliche Veranstaltungen organisieren“, sagt Patricia. Deshalb ist die Gruppe über jede Spende dankbar. Die junge Frau lacht und sagt: „Wir sind keine Trauerkloßgruppe, sondern Frauen im Alter von 33 bis 60 Jahren, die auch viel lachen. Das Ganze findet natürlich im geschützten Raum statt.“ Persönliche Treffen, so wieder möglich, sollen monatlich oder bei Bedarf auch öfter stattfinden. 

Brustkrebs ist mit über 69000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die Diagnose ist erst einmal ein Schock. Gut, wenn man damit nicht alleine ist, meinen Patricia und Melanie unisono. Wie kann man Selbsthilfe definieren? Hier zitiert Patricia Walter die ehemalige Leiterin der Selbsthilfegruppe Dillingen: Schwierigkeiten überwinden, Erkennen und Handeln, Leben gestalten, Beziehungen aufbauen, sich selbst bestimmen, Teilnehmen und verstehen, Hilfe geben und annehmen, Informationen sammeln, Lebensmut schöpfen, Fähigkeiten stärken, Erfahrungen nutzen. Alles das wollen wir tun und in unserer Selbsthilfegruppe vermitteln, sagen Patricia Walter und Melanie Joppek.

Das Spendenkonto der Selbsthilfegruppe: Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, IBAN: DE60 7935 0101 0021 870969, BIC: BALADEM1KSW.

Melanie Joppek: Bei unserem ersten Treffen hatte ich das Gefühl als würde ich Patricia schon ewig kennen und freue mich riesig darüber, auch anderen betroffenen Frauen eine Möglichkeit des Austausches, in hoffentlich baldigen persönlichen Treffen, bieten zu können. 
Foto: Mirijam Hümmer | Melanie Joppek: Bei unserem ersten Treffen hatte ich das Gefühl als würde ich Patricia schon ewig kennen und freue mich riesig darüber, auch anderen betroffenen Frauen eine Möglichkeit des Austausches, in hoffentlich ...
Mit beeindruckender Offenheit und Selbstbewusstsein spricht Patricia Walter über ihre Krankheit und will mit der von ihr und Melanie Joppek gegründeten Selbsthilfegruppe „Busenfreunde Ebern“ anderen Betroffenen Frauen Hilfe, Gesprächs- und Austauschmöglichkeiten geben.
Foto: Helmut Will | Mit beeindruckender Offenheit und Selbstbewusstsein spricht Patricia Walter über ihre Krankheit und will mit der von ihr und Melanie Joppek gegründeten Selbsthilfegruppe „Busenfreunde Ebern“ anderen Betroffenen ...
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Haßberge und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Ebern
Brustkrebs
Die Bayerische
Emotion und Gefühl
Facebook
Pandemien
Selbsthilfe
Selbsthilfegruppen
Social Media
Webseiten
Weltgeschichtliche Epochen
WhatsApp
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!