Ebern

Kreis Haßberge: Wie Sterbebegleitung in Zeiten der Pandemie funktioniert

Die Hospizarbeit bedeutet Johanna Muckelbauer aus Kirchlauter viel: 'Es sind Erinnerungen an wunderbare Menschen, die ich  bis zum Tode begleitet habe.'
Foto: Helmut Will | Die Hospizarbeit bedeutet Johanna Muckelbauer aus Kirchlauter viel: "Es sind Erinnerungen an wunderbare Menschen, die ich bis zum Tode begleitet habe."

Hospizarbeit ist nicht einfach. Sie fordert Menschen, die sich dieser Aufgabe widmen, emotional. Sie verlangt Einfühlungsvermögen, psychische und physische Kraft und eine gewaltige Portion Menschlichkeit und Selbstbewusstsein. Sie fordert den ganzen Menschen.

Im Mittelpunkt der Hospizarbeit steht der schwerkranke, sterbende Patient mit seinen Wünschen und Bedürfnissen. Ziel ist es, diese zu erfüllen und dem Sterbenden einen möglichst angenehmen Abschied in harmonischer Umgebung zu ermöglichen, ohne Angst. Die nun schon ein Jahr währende Corona-Pandemie erschwert die Arbeit der Mitarbeiter in Hospizeinrichtungen enorm. Die Corona-Regeln stehen wie eine Wand zwischen den Hospizhelfern und todgeweihten Patienten.

Knapp 60 Ehrenamtliche leisteten vor der Pandemie Hospizarbeit

Claudia Stadelmann, die von Haßfurt aus den Hospizdienst der Malteser im Landkreis Haßberge organisiert, betreut knapp 60 Ehrenamtliche. Sie könnten durch Telefonate mit Angehörigen, aber auch bei den inzwischen wieder möglichen Besuchen in Alten- und Pflegeheimen, auf der Palliativstation sowie im privaten Umfeld, hilfreiche Gesprächspartner sein", sagt sie. Für viele Betroffene sei es wichtig, mit einfühlsamen und verständnisvollen Menschen ins Gespräch zu kommen, um noch Dinge loszuwerden oder aussprechen zu können. Oft falle dies leichter, wenn der Gesprächspartner kein Familienmitglied ist. Dieses Dasein, Zuhören und Mitaushalten sei schon immer ein wesentlicher Baustein der Hospizarbeit.

'Es fehlt einfach die direkte Nähe, wo man ohne Bedenken eine Hand halten oder streicheln konnte', schildert Hospizhelferin Annerose Simon aus Knetzgau eine Auswirkung der Pandemie.
Foto: Helmut Will | "Es fehlt einfach die direkte Nähe, wo man ohne Bedenken eine Hand halten oder streicheln konnte", schildert Hospizhelferin Annerose Simon aus Knetzgau eine Auswirkung der Pandemie.

Von den von Stadelmann betreuten 60 Ehrenamtlichen steht aufgrund der Pandemie zur Zeit aber nur ein Teil zur Verfügung. Jeder müsse für sich genau abwägen, ob er zu einer Risikogruppe zählt und ob er in der momentanen Situation eine Begleitung überhaupt leisten kann. Gesundheitliche Gründe spielten bei der Entscheidung eine genauso wichtige Rolle wie persönliche. Zwei von denen, die auch jetzt im Einsatz sind, sind Annerose Simon aus Knetzgau und Johanna Muckelbauer aus Kirchlauter.

"Es fehlt einfach die direkte Nähe."

Annerose Simon wohnt in Knetzgau, ist 62 Jahre alt und von Beruf Erzieherin. Sie ist seit 17 Jahren in der Hospizarbeit tätig. „Der Kontakt mit Menschen in verschiedenen Lebenslagen hat mir schon immer gefallen. Gerade der Umgang mit Menschen am Ende des Lebens hat mich positiv herausgefordert“, sagt sie. „Ich zähle nicht, wie viele Menschen ich in der letzten Phase ihres Lebens begleitet habe, ich behalte eher Begegnungen in Erinnerung“, erläutet Simon.

„Corona hat auch für mich vieles verändert, schon deshalb, weil die Bedingungen für Besuche infolge der Hygienevorschriften anders wurden. Es fehlt einfach die direkte Nähe, wo man ohne Bedenken eine Hand halten oder streicheln konnte“, sagt Simon. „Die Konzentration auf mein Gegenüber war durch die äußeren Umstände nicht in der gewohnten Art und Weise für mich möglich.“ Trotzdem spüre sie, dass die Menschen ihr Engagement dankbar und erleichtert angenommen haben.

Hospizarbeit im Seniorenheim erfordert Mehrarbeit vom Personal

Mit Pflegeheimen, Palliativstationen und Krankenhäusern arbeiten die Hospizhelfer seit langem zusammen. Gegenwärtig werde man von Alten- und Pflegeheimen weniger angefragt. Es erfordere zum Beispiel enorme Mehrarbeit vom Heimpersonal, Besucher einzulassen, alle nötigen Vorkehrungen zu treffen sowie die Bewohner fertig zu machen und ins Besucherzimmer zu bringen. "Doch auch in Corona- Zeiten stehen uns Wege offen, kranken und trauernden Menschen und deren Zugehörige gezielt zu helfen", sagt Claudia Stadelmann.

Johanna Muckelbauer wohnt in Kirchlauter, ist 61 Jahre alt und hat lange Jahre als pharmazeutisch-technische Assistentin gearbeitet. In der Hospizarbeit ist sie seit 20 Jahren tätig. Der Anlass sich dieser Aufgabe zu widmen, war der plötzliche Tod ihres Vaters im Jahr 2000, sagt sie. Anfangs half sie in Seniorenheimen, um Erfahrungen zu sammeln. Seit 2012 war sie im palliativmedizinischen Dienst im Krankenhaus in Ebern tätig. „Da war ich von Anfang an dabei und koordinierte die Hospizhelfer", so Muckelbauer. "Auch bei den Rummelsbergern in Ditterswind war ich tätig." Sie half auch in Familien zu Hause.

Lachen ist eine große Hilfe neben den ernsthaften Begegnungen

"Jede Begegnung ist einzigartig", sagt Muckelbauer. "Für mich ist die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen immer auch ein Lernprozess. Insofern waren viele Begegnungen da, die mir in Erinnerung geblieben sind, und alle waren anders." Es sei auch eine sehr gute Erfahrung gewesen, mit Behinderten zusammenzuarbeiten, informiert sie. Es ergaben sich sehr viele Situationen, bei denen man zusammen einfach herzhaft gelacht habe. Das ist eine große Hilfe neben den sehr ernsthaften Begegnungen, so Muckelbauer. An ein Erlebnis in ihrer Anfangszeit erinnert sie sich besonders. Es ging um eine ältere Frau, bettlägerig, aber noch nicht sterbend, die immer zur Tür schaute. Sie konnte ihr Vertrauen gewinnen, indem sie das Bild eines lachenden Zebras aufhängte. 

Corona erschwere das alles ganz enorm. Auch müsse man an sich selbst denken. Die beiden Hospizhelferinnen hoffen, dass die Pandemie bald der Vergangenheit angehören möge, damit sie ihre Arbeit wieder nahe am Menschen ausführen können. Denn im Umgang mit schwerstkranken Menschen bekomme man Dankbarkeit und Vertrauen entgegengebracht. In einer Aussage über die Hospizarbeit sind sich Annerose Simon und Johanna Muckelbauer einig: "Entweder man widmet sich dieser Aufgabe mit ganzem Herzen, oder man lässt es besser. Halbherzigkeit geht nicht." 

Erst Ende 2020 konnte die Hospizarbeit wieder starten

„Der Malteser-Hospizdienst leistete vor der Coronazeit hier bei uns exzellente Hospizarbeit“, sagt Stefan Dünkel, Leiter des Seniorenzentrums St. Elisabeth in Ebern, einer Einrichtung des Diakonischen Werks Bamberg-Forchheim. Bewohner wurden durch Hospizmitarbeiter begleitet, ihnen dadurch Ängste und Sorgen genommen und somit auch die damit verbundenen Belastungen, so Dünkel. Das ging durch die Pandemie wieder verloren. Erst Ende 2020 konnte die Hospizarbeit wieder starten. Doch es kamen weniger Begleitungen zustande als vor der Pandemie, sagt er.

Die Begleitung auf Abstand sei für die Hospizbegleiter nicht toll gewesen, wolle man doch Nähe und Geborgenheit gerade in der letzten Lebensphase der Menschen ausstrahlen. Dünkel blickt trotz allem positiv in die Zukunft. „Nachdem in unserem Haus 94 Prozent der Bewohner geimpft sind und über 80 Prozent der Mitarbeiter, hoffen wir nach Wegfall der Härtefallregelung, dass alles wieder besser wird, auch hinsichtlich der Hospizbetreuung.“

'Der Malteser-Hospizdienst leistete vor Corona hier bei uns im Seniorenzentrum St. Elisabeth in Ebern exzellente Hospizarbeit', sagt Einrichtungsleiter Stefan Dünkel.
Foto: Helmut Will | "Der Malteser-Hospizdienst leistete vor Corona hier bei uns im Seniorenzentrum St. Elisabeth in Ebern exzellente Hospizarbeit", sagt Einrichtungsleiter Stefan Dünkel.
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