Haßfurt

Streiflicht: Werbung für den Haßbergkreis als Heimat

Werbung für den Haßbergkreis als Heimat       -  Dominik Pesamosca (links) vom Bezirk Unterfranken und Jannis Seifert vom Museum für Franken wollten vergangene Woche in einer Umfrage von den Passanten wissen, was „Heimat“ ausmacht. Unseren Reporter Peter Schmieder veranlasste die Aktion dazu, sich über das Thema seine eigenen Gedanken zu machen.
Foto: Peter Schmieder | Dominik Pesamosca (links) vom Bezirk Unterfranken und Jannis Seifert vom Museum für Franken wollten vergangene Woche in einer Umfrage von den Passanten wissen, was „Heimat“ ausmacht.

Am Dienstag standen zwei Männer mit einem Koffer, einer aufblasbaren Weltkugel und einem transportablen Wegweiser in der Haßfurter Hauptstraße, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen. Das Ziel der beiden war es, für eine Ausstellung in Würzburg alle möglichen Antworten auf die Frage zu finden: Was ist Heimat? Und tatsächlich kam eine große Zahl an Antworten zusammen. Für viele hat Heimat irgendwas mit den zwischenmenschlichen Verhältnissen zu tun. Man fühlt sich da wohl, wo man von Menschen umgeben ist, mit denen man sich gut versteht. Ansonsten kamen auch Antworten wie „Freizeitmöglichkeiten“ oder „Dialekt“.

Überhaupt wird das Thema „Heimat“ derzeit in verschiedensten Kontexten diskutiert – und vor allem scheinen viele Menschen Angst zu haben, ihre Heimat an irgendjemanden oder irgendetwas zu verlieren. Die einen fürchten, dass das Brauchtum verloren geht oder dass die Dialekte aussterben, weil „die Jugend“ sich nur noch im Internet rumtreibt. Wäre Franken noch Franken, wenn bestimmte Mundartbegriffe nicht mehr verwendet würden?

Andere fürchten, dass das Land seine Identität verliert, weil Traditionen aussterben. Als Tradition werden da gerne auch Überzeugungen wie die Religion gewertet. Ist Franken noch Franken, wenn immer weniger Menschen dem Christentum angehören, weil Zugezogene einen anderen Glauben mitbringen und Einheimische die Kirche verlassen?

Wieder andere sind der Meinung, zur Heimat kann eigentlich nur gehören, wer auch „von hier“ ist. Wer zugezogen ist, kann sich noch so gut integrieren, er wird nie „einer von uns“. Ist Franken noch Franken, wenn hier viele Menschen leben, deren genetische Wurzeln nicht hier liegen?

Manchmal entsteht der Eindruck, die Frage, was zur Heimat gehört, sei nicht annähernd so spannend wie die Frage, was eben nicht zur Heimat gehört – oder gehören darf.

Was dabei gerne übersehen wird: Dass sich die Welt verändert, dass neue Einflüsse dazukommen und auch Traditionen und Brauchtum nicht in Stein gemeißelt sind, dass Dialekte genauso wie das Hochdeutsche eine Entwicklung durchmachen, neue Wörter aufgenommen und alte vergessen werden, ist eine Jahrhunderte alte Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt – auch wenn manche Menschen es gerne versuchen.

Auch dieser Redaktion wurde schon vorgeworfen, wir würden die großen Vorzüge der eigenen Heimat nicht genug würdigen, weil wir nicht mehr jeden Nachbericht zu einem Vereinsausflug mit Text und Bild veröffentlichen, bei dem ein Partei-Ortsverband oder eine Frauengruppe den fünf Kilometer entfernten Nachbarort besucht hat – als ob die Menschen im Landkreis erst durch solche Berichte bemerken würden, wie schön viele Orte in ihrer Umgebung sind. Und immer wieder wird dazu aufgerufen, auch mal die Heimat zu erkunden, statt im Urlaub immer weit weg zu fahren. Aber sprechen nicht gerade diese Versuche, die Heimat künstlich hochzuhalten, für ein mangelndes Vertrauen in die Anziehungskraft der eigenen Region? Lassen sich die schönen Seiten des Landkreises Haßberge, von denen es tatsächlich viele gibt, denn wirklich nur betonen, indem man den Wunsch abwertet, noch etwas mehr von der Welt zu sehen?

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