Bamberg

Trauerbegleitung bei Spaziergängen

Die Natur ist eine große Trösterin, wie ein Spaziergang mit Schicksalsgefährten im Bruderwald beweist.
Foto: Silke Kastner | Die Natur ist eine große Trösterin, wie ein Spaziergang mit Schicksalsgefährten im Bruderwald beweist.

Der Tod eines nahestehenden Menschen stürzt Hinterbliebene in tiefe Trauer. Sie bricht ins Leben ein, erfasst den ganzen Menschen. Gerade in diesen Corona-Zeiten, in denen ein Abschied von dem Sterbenden kaum oder gar nicht möglich war, ist der Kummer unermesslich. Es kann erst einmal keinen Trost geben.

In dieser Situation macht der Hospizverein Bamberg den Betroffenen ein Geschenk. Er stellt nämlich den Trauernden Mitmenschen an die Seite, die die Verzweiflung und die Tränen aushalten: „Wir wollen Not nicht privatisieren, sondern auffangen und uns mit Menschen in Krisen solidarisieren“, begründet Konrad Göller, Vorsitzender des Hospizvereins, das neue Angebot in der Pandemie. Es startete am Montag, 7. Juni, genau zehn Jahre nach Gründung des bewährten „Trauer-Cafés“, das bisher in einem Raum der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in der Friedrichstraße stattfand.

Dieses Café wurde nun ins Freie verlegt: Das „Trauer-Café anders“ besteht aus einem Spaziergang im Bruderwald mit langjährigen erfahrenen Trauerbegleiterinnen und findet bei jedem Wetter statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. „Trauernde sollen nicht allein bleiben mit ihrem Verlust und dem Gefühl der Einsamkeit“, lädt Hedwig Vogler, Gründerin und Leiterin des „Trauer-Cafés“ zu dem Treffen ein. Und mit ihr die Mitstreiterinnen Gabi Albrecht und Marlies Limmer, die als ausgebildete Hospizhelferinnen ebenfalls in diesem Treffpunkt aktiv sind.

Wie hilfreich und tröstlich der Austausch mit Menschen in gleicher Lage sein kann, hat Jürgen Bier erfahren. Der 68-jährige Rentner verlor seine Ehefrau. Wusste nicht wohin mit seiner Verzweiflung über den schmerzlichen Verlust. Fiel in ein schwarzes Loch und erlebte die Kontakte zu früheren Freunden als schwierig. „Das Leben verändert sich durch den Tod“, weiß Jürgen Bier nur zu gut.

Hilfe zur Selbsthilfe

Umso mehr Hoffnung schöpfte er, als er vor wenigen Jahren von dem „Trauer-Café“ erfuhr. Er griff nach diesem Strohhalm: „Erst war ich aufgeregt, aber das hat sich bald gelegt“, sagt Jürgen Bier. Die zwanglosen Gespräche bei Kaffee und Kuchen mit Menschen, die ein gleiches Schicksal zu tragen haben, „taten mir gut und ließen alles leichter verarbeiten“. Und gerade auch die offenen Ohren der Trauerbegleiterinnen im Café, ihre Impulse und sorgfältig gewählten Vorlesetexte hätten Trost gegeben. Hedwig Vogler ergänzt: „Wir hören zu, aber die Betroffenen helfen sich gegenseitig, wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.“

Inzwischen hat sich Jürgen Bier wieder gefangen, kann sich freuen über echte Freundschaften mit anderen Schicksalsgefährten, die er im „Trauer-Café“ kennen gelernt hat. „Mit einigen mache ich sogar Urlaub oder gehe wandern“, lächelt er und möchte seine positiven Erfahrungen mit diesem Angebot des Hospizvereins gern weitergeben: „Ich kann nur dringend raten, sich diese Hilfe zu holen,“ betont Jürgen Bier.

Jürgen Bier (sitzend), Konrad Göller und die erfahrenen Trauerbegleiterinnen Gabi Albrecht, Hedwig Vogler und Marlies Limmer (von links) laden Betroffene ein.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Jürgen Bier (sitzend), Konrad Göller und die erfahrenen Trauerbegleiterinnen Gabi Albrecht, Hedwig Vogler und Marlies Limmer (von links) laden Betroffene ein.

Im Lockdown musste auch das „Trauer-Café“ seine Pforten schließen. Doch „da wir niemanden in der Pandemie allein lassen wollen, haben wir andere Wege gesucht“, sagt Konrad Göller. Bis Oktober 2020 führte dieser Weg eben in den Bruderwald, ins „grüne Klassenzimmer“. Auch diese Alternative musste wegen der vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen wegfallen.

Jetzt gab es den Neustart „wie ein Emmausgang“, so Göller. Denn „ohne Rituale und Solidarität der Überlebenden ist Trauer nicht zu bewältigen“. Und Hedwig Vogler fügt hinzu: „Es muss sich ändern, dass Menschen allein trauern.“ Sie und die Hospizhelferinnen hätten zwar in den letzten Monaten viele Trauergespräche am Telefon geführt. Doch der persönliche Kontakt sei unverzichtbar. So werde auch das reguläre „Trauer-Café“ wieder öffnen, „wenn sich die Lage beruhigt hat“, versichert die Leiterin.

"Trauer-Café anders"

m „Trauer-Café anders“ –  von Trauerbegleiterinnen geführter Spaziergang im Bruderwald – werden alle notwendigen Hygiene-Maßnahmen eingehalten. Die etwa einstündige Wanderung ist für Mobilitätseingeschränkte nur bedingt möglich. Es gibt eine Rast, um selbst mitgebrachte Getränke zu genießen. Treffpunkt ist die Bushaltestelle Bruderwald, nächste Haltestelle nach dem Klinikum. Bis auf Weiteres wird es an jedem ersten Montag im Monat um 14 Uhr ein solches Treffen geben.
Quelle: (mkh)
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