Haßfurt

Warum die CSU Haßfurt Norbert Geier nicht zum Rücktritt auffordert

Der zweite Bürgermeister von Haßfurt hat seine politische Heimat CSU verlassen und sich der Wählergemeinschaft angeschlossen. Seine ehemalige Fraktion nimmt dazu Stellung.
Norbert Geier, zweiter Bürgermeister von Haßfurt, hat die CSU verlassen und sich der Wählergemeinschaft der Kreisstadt angeschlossen. Dazu hat nun die CSU-Stadtratsfraktion Stellung genommen.
Foto: Ulrike Langer | Norbert Geier, zweiter Bürgermeister von Haßfurt, hat die CSU verlassen und sich der Wählergemeinschaft der Kreisstadt angeschlossen. Dazu hat nun die CSU-Stadtratsfraktion Stellung genommen.

Natürlich hat die Nachricht vor wenigen Tagen in der Kreisstadt eingeschlagen wie eine Bombe. Und sie hat auch die Christsozialen der Kreisstadt erschüttert: Norbert Geier, seit fast zwei Jahrzehnten eine der Galionsfiguren der Haßfurter CSU und zu Beginn dieser Amtszeit vom Stadtrat zum zweiten Bürgermeister der Stadt gewählt, hat nach langen Jahren der Parteizugehörigkeit zur CSU diese enttäuscht verlassen und sich dem Lager der Wählergemeinschaft Haßfurt zugewandt.

"Überrascht und mit Unverständnis"

"Überrascht und mit Unverständnis" hat die CSU-Fraktion im Haßfurter Stadtrat "den Austritt von Norbert Geier zur Kenntnis genommen", teilen die sechs verbliebenen Schwarzen im Haßfurter Rat - Volker Ortloff, Claudia Glückert, Klaus Hammelbacher, Jürgen Kehrlein, Ilker Özalp, Michael Schlegelmilch - in einer Stellungnahme mit. Am 4. November habe er die Fraktion und am 5. November  alle Bürger und Wähler in den Print- und Online-Medien informiert, so die CSUler. „Seit der Neuwahl 2020 hat sich die Zusammenarbeit und Kommunikation mit einigen Mitgliedern der Fraktion nicht so entwickelt wie ich es mir gewünscht hätte“, zitieren seine ehemaligen Parteifreunde Norbert Geier. Gleichzeitig habe er sich der Fraktion der Wählergemeinschaft angeschlossen.

"Versetzen wir uns ein Jahr zurück", heißt es weiter in der Stellungnahme. "Bis einschließlich März 2020 haben wir gemeinsam als CSU um das Amt des Bürgermeisters in Haßfurt und für die Stadtratskandidaten einen gemeinsamen Wahlkampf hingelegt. Norbert Geier betonte immer, er ,habe nochmal Bock', mit der neuen Mannschaft die nächsten sechs Jahre zu bestreiten, als CSU-Mitglied", so die Verlautbarung der Haßfurter CSU-Fraktion.

Demokratischen Brauch untergraben?

Norbert Geier habe zum Abschluss der letzten Wahlperiode die Absicht geäußert, im neuen Stadtrat den Posten des zweiten Bürgermeisters ausüben zu wollen. "Dieser Wunsch wurde ihm von der Fraktion erfüllt, auch aufgrund seiner langen Verdienste für die CSU. Üblicherweise erhält die stärkste Fraktion, die nicht den Bürgermeister stellt, diese Position. Es ist schade, dass er sich entschieden hat, den Posten des zweiten Bürgermeisters weiter für sich zu beanspruchen, und damit diesen demokratischen Brauch untergräbt", so die Feststellung der CSUler.

"Wir halten seinen Entschluss für nicht kollegial und für nicht demokratisch."
Volker Ortloff, CSU-Fraktionsvorsitzender

Und weiter heißt es: "Wir halten seinen Entschluss für nicht kollegial und für nicht demokratisch. Wir bedauern seine Entscheidung sehr, da er lange Jahre der CSU angehörte und viele Jahre im Stadtrat für die Ziele der Partei gekämpft hat."

Im Gespräch mit der Redaktion gesteht Fraktionsvorsitzender Volker Ortloff ein, dass er den Schritt von Norbert Geier nicht nachvollziehen könne, "eine so schwerwiegende Entscheidung mit einer solchen Reichweite". Geier habe sich große Verdienste um die CSU erworben und zu Beginn der Amtsperiode offensichtlich noch einmal "richtig Lust gehabt, in den Stadtrat zu gehen und mit den Jungen was zu machen". Und dann sei plötzlich "die Kommunikation so gestört, dass er keine Zukunft mehr sieht?".

Wie eine Ehekrise

Ortloff zieht hier einen Vergleich mit einer Krise in einer Ehe. "Das muss man aushalten." Zudem, so Ortloff, trage bei einem Streit niemals einer alleine die Schuld, "da gehören immer zwei dazu". Ortloff berichtet, die Mitglieder der CSU-Fraktion, der Haßfurter Ortsvorstand und die Orsvorsitzenden seien zusammengesessen, um sich einmal auszusprechen. Seines Erachtens habe man damit einen Grundstein für die künftige Parteiarbeit und die Kommunalpolitik der Haßfurter CSU gelegt. Und zwei Wochen später habe Norbert Geier seinen Wechsel zur WG mitgeteilt.

Meinungsverschiedenheit unter Alphatieren

Ortloff betont, er habe das Amt des zweiten Bürgermeisters für Norbert Geier niemals in Frage gestellt. Im Gegenteil, er selbst habe Geier ja in der konstituierenden Sitzung für das Amt vorgeschlagen und in interner Runde habe sich die Partei zuvor auf Geier als Kandidaten für diese Aufgabe geeinigt. Deshalb ärgere der Wechsel von Geier "uns jetzt schon ein Stück weit, da er uns offensichtlich schwächt". Aber die CSU-Fraktion stelle keine Forderungen, dass Geier vom Amt des zweiten Bürgermeisters zurücktritt. "Wir haben darauf ja auch gar keinen Anspruch. Aber wir als Fraktion sehen das nicht als logisch an, dass aufgrund von Meinungsverschiedenheiten unter Alphatieren zu unterschiedlichen Themen Norbert Geier die CSU verlässt und sein Amt behält."

Die Zukunft beginnt

Die Stellungnahme der CSU-Fraktion endet mit dem Wunsch: "Wir wünschen Norbert Geier für die Zukunft alles Gute." Die offizielle Zukunft beginnt am Donnerstagabend. Da tagt der Haßfurter Stadtrat das nächste Mal, diesmal mit Norbert Geier in den Reihen der Wählergemeinschaft.

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