Haßfurt

Warum ein 31-Jähriger für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis muss

Vor knapp zwei Jahren schubste der Angeklagte einen Mann im Streit auf die Gleise am Haßfurter Bahnhof. Doch das war nur einer der Gründe, die ihn nun vor Gericht führten.
Ins Gefängnis muss ein 31-jähriger Arbeitsloser aus dem Haßbergkreis. Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte den Mann am Donnerstag zu zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.
Foto: Patrick Seeger, dpa | Ins Gefängnis muss ein 31-jähriger Arbeitsloser aus dem Haßbergkreis. Das Haßfurter Amtsgericht verurteilte den Mann am Donnerstag zu zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in ...

Wenn der 31-jährige Hartz-IV-Empfänger aus den Haßbergen Alkohol getrunken hatte, wurde er aggressiv. Und in den Jahren 2018 und 2019 trank er viel davon – einen Kasten Bier täglich, wie er vor Gericht aussagte. Auch am 27. Februar 2018 hatte er bereits einiges intus, als er nachmittags mit einem Bekannten am Haßfurter Bahnhof wegen Geld in Streit geriet. Die Situation eskalierte. Zweimal schubste der 31-Jährige seinen Kontrahenten, der mit dem Rücken zu den Gleisen stand, sodass der schließlich ins Gleisbett fiel. Der Gestoßene konnte sich mithilfe von Augenzeugen in Sicherheit bringen, bevor der nächste Zug eintraf. Weil der 31-jährige Täter aber außerdem seine Ex-Freundin um knapp 4000 Euro gebracht und mit Scheingeschäften im Internet weitere vier Personen um rund 600 Euro betrogen hat, verurteilte ihn das Amtsgericht am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Betrug im Internet

In das Urteil einbezogen ist eine Urteil des Amtsgerichts Bamberg, das den Angeklagten im vergangenen Jahr wegen Betrugs in 17 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verdonnert hatte. Der Angeklagte hatte im Jahr 2019 von 17 verschiedenen Internet-Nutzern insgesamt knapp 2500 Euro per Vorkasse erhalten. Und zwar für Waren, die er auf E-Bay oder Facebook anbot, aber gar nicht besaß. Darunter waren Mobilfunkgeräte, Computerspiele oder Dauerkarten für Fußballheimspiele des FC Nürnberg oder des FC Bayern München. Die Bilder der angebotenen Waren kopierte er im Internet und stellte sie auf die Verkaufsplattformen.

Genauso ging der Angeklagte bei den vier in Haßfurt angeklagten Fällen vor. So ergaunerte er sich rund 600 Euro. Von einer ehemaligen Freundin lieh er sich immer wieder Geld mit fadenscheinigen Begründungen: Mal brauchte er Geld als Anzahlung, um einen Gewinn ausgezahlt zu bekommen. Mal schrieb er die Freundin unter dem Pseudonym "Sven Neumann" an und gaukelte vor, dass er Geld für seinen kranken Vater brauche. In Wirklichkeit benötigte er das Geld für Alkohol, Marihuana und seine Spielsucht.

Angeklagter gibt alles zu

Auf der Anklagebank räumte er sämtliche Vorwürfe ein. Ein Unbekannter ist er vor Gericht nicht. Acht Vorstrafen zieren seinen Bundeszentralregisterauszug. Sachbeschädigung, Diebstahl, Körperverletzungen, Betrug, Trunkenheit im Verkehr und ein Drogendelikt stehen in seinem "Portfolio". Laut dem psychiatrischen Gutachter der Bezirksklinik Werneck wuchs der Angeklagte in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gewaltbereiter Alkoholiker. Eine Kochlehre brach der Angeklagte ab. Aus mehreren Arbeitsverhältnissen wurde er entlassen, weil er lieber feierte als zur Arbeit zu erscheinen. Er hat drei Töchter von zwei Müttern und rund 15 000 Euro Schulden. Der Psychiater attestierte dem Angeklagten dennoch eine Aussicht auf einen Therapieerfolg.

Der Staatsanwalt forderte eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren. Die Vorsitzende Richterin Kerstin Leitsch stimmte dem Antrag zu. Außerdem ordnete sie den "Wertersatz" von rund 7000 Euro an, die der Verurteilte den Betrogenen zurückzahlen muss. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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